Elbphilharmonie Hat CDU-Senat Bürgerschaft getäuscht?

Größenwahnsinnig, teuer, aberwitzige Baugeschichte: Die Hamburger Elbphilharmonie gilt schon jetzt als das Neuschwanstein des 21. Jahrhunderts. Nun bringen neu aufgetauchte Unterlagen den abgewählten schwarz-grünen Senat der Hansestadt in Bedrängnis.

Elbphilharmonie am Hamburger Hafen: Alles im roten Bereich
DPA

Elbphilharmonie am Hamburger Hafen: Alles im roten Bereich


Hamburg - "Fast umgehauen" hätten ihn neu aufgetauchte Unterlagen zur Elbphilharmonie, so Ole Torben Buschhüter, Vorsitzender des zuständigen Vorsitzende des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA). Möglicherweise sei die Bürgerschaft über die Hintergründe der Kostensteigerungen für das Konzerthaus getäuscht worden, so der SPD-Politiker.

Dabei geht es um Nachtragszahlungen an den Baukonzern Hochtief im Jahr 2008. Der damalige schwarz-grüne Senat hatte der Bürgerschaft mitgeteilt, externe Gutachter hätten die Forderungen geprüft und abgesegnet. Jetzt stelle sich heraus, dass einige der Gutachten erst nachträglich erstellt wurden.

Ein Zeuge des für die Generalplanung zuständigen Architekturbüros Herzog und de Meuron habe außerdem am Donnerstagabend im Untersuchungsausschuss berichtet, dass das Ausmaß der Vertuschung noch viel größer sei. "Nachträglich seien von Herzog und de Meuron 60 Aktenordner zusammengestellt worden", sagte Buschhüter. Dies sei auf Wunsch der städtischen Realisierungsgesellschaft (ReGe) geschehen und die Unterlagen auf November 2008 rückdatiert worden. Im Frühjahr 2009 hatte die Bürgerschaft den Senat aufgefordert, die Akten zum so genannten Nachtrag 4 vorzulegen. Mit diesem war der Preis für die Stadt von 114 auf 323 Millionen Euro gestiegen, wovon Hochtief 107 Millionen Euro erhielt.

Die Bauarbeiten auf der Baustelle der Elbphilharmonie ruhen bereits seit November 2011, weil die Stadt Hamburg als Bauherrin und der Hochtief-Konzern über die Sicherheit des Daches sowie Verzögerungen und Mehrkosten streiten. Die Stadt Hamburg hat Hochtief bis zum 31. Mai ein Ultimatum gesetzt, um das Dach abzusetzen. Sollte dies nicht geschehen, behalte sich die Stadt vor, von ihren Kündigungsrecht Gebrauch zu machen.

sha/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.