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Neue Grill-Tipps: Ratschläge für Rost-Liebhaber

Von Hobbykoch

Kaum ist der Frühling da, verspüren wir den unbändigen Willen zum Grillen. Damit es nicht bei Wurstschnecke, Schwenknacken und Nudelsalat bleiben muss, folgen hier ein paar Tipps für neue BBQ-Bücher.

Tageskarte Küche: Komm her, kleine Schnucke! Fotos
Peter Wagner

Die Liebe zum Garen auf mehr oder weniger offenem Feuer steckt tief in uns allen, geht sie doch zurück bis in Vorzeiten, als Männer und Frauen noch gemeinschaftlich die Lagerfeuer auspinkelten. Heute stehen fast nur noch Erstere am Grill, haben oft schon ein Buch zu Hause (den "Rieger" Autotuning-Katalog mit 764 Seiten), sind aber einem Zweitbuch gegenüber nicht unaufgeschlossen, solange man nackte Tierteile auf lodernder Glut darin angucken kann. Here we go:

Nach der kiloschweren wie hervorragend editierten 2010er "Weber's Grillbibel" schiebt der amerikanische Kugelgrill-Erfinder nun zwei kleinere, flott zu handhabende Bücher nach: "Weber's Steak" und "Weber's Chicken" bieten monothematisch die wichtigsten Kniffe zu Geflügel- und Rinder-Röstung, flankiert von knapp, aber effizient aufbereitetem Basiswissen über Grilltechniken, Geräte, Sicherheitshinweise, Fleischzuschnitte (gut: auch unbekanntere Stücke wie Flank, Onglet oder Skirt werden mit Foto erklärt) bis hin zu exakten Garzeitentabellen. Peinlich: Das Kapitel "Beilagen" ist in beiden Büchern identisch.
Fazit: Brauchbares Rind- und Geflügel-Grillwissen, das auch in die Fahrradlenkertasche passt.

Herrlich deutsch klingt der Buchtitel "Sehr gut grillen" - so was darf eigentlich nur, wer auch sonst dauernd "Sehr gut" sagt, also Lehrer, Sternelokalgäste oder, wie in diesem Fall, die Stiftung Warentest, die das quadratische Rost-Kompendium in Zusammenarbeit mit dem vielfach prämierten deutschen Grillmeister-Team "TB & The BBQ-Scouts" erarbeitet hat. Typisch für die etwas beamtigen Berliner Warentester: akribisch recherchiert, nüchtern fotografiert, haufenweise konsumentenfreundliches Hintergrundwissen - garniert mit erprobten und zum Teil herrlich gewagten Rezepten bis hin zu gegrillten Austern oder der 2007er-Grillmeisterschaftwurst (halbe/halbe Schweinenacken und Nordseekrabben).
Fazit: Sollte eigentlich jeder in Grillgriffweite stehen haben.

Uschi, Gabi und Anabell grillen sommerliche Blattsalate

Die Zitronenscheibe mit Röststreifen auf dem Cover von "BBQ Basics" irritiert bei einem Grillbuch auf den ersten Blick, erklärt aber auf den Punkt den Inhalt: Erst läuft einem angesichts der Zitrusfrucht das Wasser im Mund zusammen, kurz darauf wird es bitter wie bei allen gerösteten Zitronen, und am Ende ist man stinksauer, ein Buch gekauft zu haben, in dem man auf jeder zweiten Seite Uschi, Gabi und Anabell auf hübschen Fotos dabei beobachten kann, wie sie ihre sommerlichen Blattsalate grillen. Oder so. Ein Baby darf ab und zu auch mal mitgrillen, meist geht es um kalorienbewusste Frauengesundheitsmagazinrezepte, ergänzt durch Anfänger-kompatibles Rostwissen und Beilagen von Avocado-Limetten-Creme bis - Gott hilf! - Nudelsalat.
Fazit: Unbrauchbar.

Dass es auch anders geht, wenn der Fokus auf leckeren, modernen Rezepten liegt, zeigt der Franzose Jean-François Mallet in "Grill & Barbecue". Jedem hier gezeigten und schmackig fotografierten Gericht ist Mallets Kochlehre beim Großmeister Joël Robuchon anzusehen: typisch französisch mit viel Ente, Lamm und Kalb, steht immer die schiere Lust an der handwerklich soliden, aber hochkreativen Zubereitung von feinen Speisen am Grill im Vordergrund. Basiswissen setzt Mallet voraus; sein einziger Profitipp: "Halten Sie Kinder beim Grillen auf Abstand."
Fazit: Ein Muss für alle, die am Grill auch richtig gut kochen wollen.

Kein Buch, aber eine nicht minder zielführende Lektüre für fortgeschrittene Griller ist die soeben erschienene Ausgabe des vierteljährlichen Männerkochheftes "Beef!". Das gewohnt testosterongeschwängerte Titelwording ("So werden Sie zum Grill-Gott") führt im Heft zu 20 Spezial-Seiten, in denen alles zum Thema "Grillwurst selbst gemacht" erklärt wird - inklusive auch zu Hause problemlos nachvollziehbarer Rezepte für Geflügelbratwurst, Salsiccia, Coburger Bratwurst, Merguez, Thüringer Bratwurst, Morcilla, Pfälzer Bratwurst, Olma und Auerochsenbratwurst. Einzig bei der "Fränkischen" liegen die Beef!-Kollegen meilenweit neben der - für Außerfränkische nicht immer sofort verstehbaren - Bratwurstrealität: Das rohe Brät wird zwischen Bamberg und der Hollertau ganz gewiss nicht, wie in diesem Rezept behauptet, in gewässertes Schweinenetz eingerollt, sondern in den auch bundesweit über den gut sortierten Darmversandhandel erhältlichen Bändeldarm gefüllt -an der dicken horizontalen Fettader auch für den Wurstlaien erkennbar.

Wir dagegen hauen heute lieber gleich mal fast alle Komponenten unseres Hauptgerichtes auf den Grillrost: butterzarte Deichschnuckenkoteletts, marinierten Stangenspargel und einen kleinen Tomaten-Rosmarinspieß.

Auch wenn wir damit keine Grillgötter werden - den Nachbarn mit seinen geplatzten Superbruzzlern vom Discounter brunzen wir damit locker ab.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. ...
motormouth 15.05.2011
Was ist passiert? Wagner nimmt Dosentomaten! War er bei einem Gewitter draußen und wurde in die normale Welt zurückgeblitzt? Seit ewigen Zeiten das erste normale und auch nachkochbare Rezept!
2. Gott hilf ... Nudelsalat?
avollmer 15.05.2011
Was ist grundsätzlich gegen Nudelsalat zu sagen? Es gibt unzählige Möglichkeiten mit kalter oder halbwarmer Pasta einen leckeren Salat zu gestalten. Gerade die Kombination aus Gemüse und/oder Obst und kohlehydratreicher Pasta ergeben zusammen mit dem fleischlichen Grillgut eine vollwertige Mahlzeit. Ein Salat aus nussigen Dinkelspaghetti mit Champignons und Kirschen, zusammen mit einer Vinaigrette aus Maiskeimöl, weißem Balsamico und gehackter Zitronenmelisse, Salz und Szechuanpfeffer ist hervorragend zu gegrillten Lammkoteletts, nur um mal einen Anfang mit Nudelsalatrezepten zu machen. Es lebe der Nudelsalat!
3. Hauptsach guud gess
metaller16 15.05.2011
Zitat von avollmerWas ist grundsätzlich gegen Nudelsalat zu sagen? Es gibt unzählige Möglichkeiten mit kalter oder halbwarmer Pasta einen leckeren Salat zu gestalten. Gerade die Kombination aus Gemüse und/oder Obst und kohlehydratreicher Pasta ergeben zusammen mit dem fleischlichen Grillgut eine vollwertige Mahlzeit. Ein Salat aus nussigen Dinkelspaghetti mit Champignons und Kirschen, zusammen mit einer Vinaigrette aus Maiskeimöl, weißem Balsamico und gehackter Zitronenmelisse, Salz und Szechuanpfeffer ist hervorragend zu gegrillten Lammkoteletts, nur um mal einen Anfang mit Nudelsalatrezepten zu machen. Es lebe der Nudelsalat!
Ihr Nudelsalat scheint lecker zu sein. Ich werde mir auch mal so einen zubereiten :P Das Rezept mit den Schnuckenkoteletts klingt auch gut, obwohl mir der Reis ein wenig wenig vorkommt.
4. Auch hier...
derhauk 15.05.2011
vergisst der Hobbykoch Wagner wieder einmal einen Grundstein des Kochens. Irgendwie scheint bei allen Rezepten sein Mantra zu sein, dass man nur genug abgefahrene Zutaten verwenden muss. Gerade beim Grillen sind es dabei doch vielmehr die handwerklichen Fertigkeiten, die aus einem Stück Fleisch eine wahre Gaumenfreude werden lassen. Da kann man das Gewürzlabor auch mal im Schrank lassen.
5.
pfeifffer, 15.05.2011
Zitat von avollmerWas ist grundsätzlich gegen Nudelsalat zu sagen? Es gibt unzählige Möglichkeiten mit kalter oder halbwarmer Pasta einen leckeren Salat zu gestalten. Gerade die Kombination aus Gemüse und/oder Obst und kohlehydratreicher Pasta ergeben zusammen mit dem fleischlichen Grillgut eine vollwertige Mahlzeit. Ein Salat aus nussigen Dinkelspaghetti mit Champignons und Kirschen, zusammen mit einer Vinaigrette aus Maiskeimöl, weißem Balsamico und gehackter Zitronenmelisse, Salz und Szechuanpfeffer ist hervorragend zu gegrillten Lammkoteletts, nur um mal einen Anfang mit Nudelsalatrezepten zu machen. Es lebe der Nudelsalat!
*Schüttel und unter dem Tisch versteck* Das schlägt wohl schon den Klassiker mit Hartweizen-Spiralnudeln, Apfelwürfeln und Gummibärchen, versteckt unter Salatcreme aus der Plastikflasche.
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Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de

Buchtipps

Jamie Purviance:
Weber’s Steak.

Gräfe & Unzer, München; 144 Seiten; 14,99 Euro.

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Jamie Purviance:
Weber's Chicken.

Gräfe & Unzer, München; 144 Seiten; 14,99 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.

Thomas Brinkmann:
Sehr gut grillen: Die besten Rezepte der Grill-Weltmeister.

Stiftung Warentest, Berlin; 240 Seiten; 19,90 Euro.

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Sebastian Dickhaut/Cornelia Schinharl:
BBQ-Basics.

Gräfe & Unzer, München; 144 Seiten; 15 Euro.

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Jean-François Mallet:
Grill & Barbecue: 100 heiße Rezepte für Gemüse, Fisch und Fleisch.

Christian Verlag, München; 194 Seiten; 19,95 Euro.

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