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Neue Krebsdiagnose: Schlingensief muss Ruhrtriennale absagen

Der Regisseur Christoph Schlingensief hat seine Teilahme an dem Kulturfestival Ruhrtriennale abgesagt. Grund ist eine erneute Krebsdiagnose. Schlingensief wollte ursprünglich das Stück "S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken" inszenieren. In einem Brief bat er um Verständnis.

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Regisseur Schlingensief: Eben nicht "Augen zu und durch"

Gelsenkirchen - Der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur Christoph Schlingensief hat eine für das Kulturfestival Ruhrtriennale geplante Produktion kurzfristig abgesagt. Nach einer neuen, schweren Krebsdiagnose sehe er sich nicht in der Lage, im geplanten Zeitrahmen sein Werk "S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken" zur Aufführung zu bringen, teilte die Ruhrtriennale am Freitag in Gelsenkirchen mit.

Alle geplanten sieben Vorstellungen in der Stadthalle von Mülheim an der Ruhr vom 21. bis 29. August sowie eine für den 26. August angesetzte Lesung fallen aus. In einem Schreiben an sein Team und die Leitung der Ruhrtriennale bedauerte der 49-jährige Schlingensief die Absage und bat um Verständnis.

"Bitte versteht mich, wenn ich jetzt Zeit brauche und eben nicht darüber phantasieren möchte, ob ich in dieser Situation nicht die Möglichkeiten mich künstlerisch auszudrücken, gerade nutzen sollte", heißt es darin unter anderem. "Diese Arbeit zu diesem Zeitpunkt würde keine Kraftspende, sondern nur ein höchstriskantes 'Spielchen' werden, das nur den einen Zweck hätte, nämlich so zu tun, als wäre die beste Therapie: Augen zu und durch." Das dürfe auf keinen Fall passieren.

Schlingensief, der 2008 bei der Ruhrtriennale mit seiner Inszenierung "Eine Kirche der Angst" Erfolge feierte, wollte in dem neuen Stück sein reales Operndorf-Projekt in Burkina Faso aufgreifen. In seinem fiktiven Szenario wird Afrika plötzlich von Entwicklungshilfe überschwemmt. Schlingensiefs Operndorf, für das er im Februar den echten Grundstein legte, wird in der Bühnenfiktion von Uno-Truppen besetzt.

ore/dpa/ddp

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Christoph Schlingensief: Regisseur und Lebenskünstler

Zur Person
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Christoph Schlingensief hat seit Mitte der achtziger Jahre mit seinen Kunstaktionen für viel Wirbel gesorgt. Der in Oberhausen aufgewachsene Apothekersohn drehte bereits als Achtjähriger erste Amateurfilme. Er provozierte mit Werken wie "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990). In den Neunzigern begann Schlingensief fürs Theater zu arbeiten ("Rocky Dutschke '68", 1996), in Bayreuth inszenierte er 2004 Wagners Oper "Parsifal". Am 1. Januar startet in den Kinos ein Dokumentarfilm von Cordula Kablitz-Post: "Christoph Schlingensief - Die Piloten". Zuletzt thematisierte Schlingensief in zwei Inszenierungen seine schwere Krebserkrankung.

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