Neue "Penthouse"-Ausgabe "Niemals schmuddelig"

Das in Deutschland chronisch glücklose Männermagazin "Penthouse" startet morgen mit neuem Konzept einen Comeback-Versuch am Kiosk. Chefredakteur Markus Boden setzt auf Qualität und nimmt mit prominentem Covermodel den "Playboy" ins Visier.


Berlin - Gabrielle lässt in der Badewanne die Hüllen fallen, eine Seite später tobt der "endlose Krieg ums Opium" in Afghanistan, weiter vorn protzt der Hummer H2 mit 700 PS. Nach rund zwei Jahren Pause kommt am Mittwoch das Männermagazin "Penthouse" - Untertitel: "Das Magazin, in dem alles steht" - wieder auf den deutschen Markt. Als "Comeback des Jahres" kündigen die Macher die neue Ausgabe an, die mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheint.

Neue "Penthouse"-Ausgabe: "Edel, edel, edel gegen billig, billig, billig"
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Neue "Penthouse"-Ausgabe: "Edel, edel, edel gegen billig, billig, billig"

"Ich glaube ganz fest an die Marke", sagt Chefredakteur Markus Boden, der Anfang der neunziger Jahre schon einmal stellvertretender Chefredakteur des Magazins war. "Penthouse" sei neben dem "Playboy" der bekannteste Name im Männermagazin-Sektor. Nackte Mädels, Autos und andere klassische Herrenthemen - als Klischees sieht Boden das nicht. Das seien die Bereiche, die Männer interessierten und an denen man nicht vorbeikomme.

Im kommenden Jahr feiert das 1965 gegründete Magazin sein 25. Jubiläum in Deutschland. Hierzulande musste das US-Blatt allerdings herbe Rückschläge einstecken. Zuletzt versuchte - nach einer einjährigen Pause - der Publitas Verlag im Juli 2003 einen Relaunch, aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Heft aber nur wenige Monate später wieder eingestellt.

Dass ihm das beim neuerlichen Comeback-Versuch des Hefts nicht passieren wird, davon ist Boden, der bei der Vorgänger-Ausgabe ganz zum Schluss noch als Chefredakteur und "Feuerwehrmann" engagiert worden war, überzeugt. "Edel, edel, edel gegen billig, billig, billig" umreißt der 51-Jährige die Unterschiede zu früher.

Das Magazin solle sich wieder auf das besinnen, was es einst erfolgreich gemacht habe. Dazu zählten etwa namhafte Autoren, die dem Heft auch Seriosität verliehen. Ihm komme es darauf an, ernst genommen zu werden und die Leute "zu entertainen", sagt Boden. "Niemals schmuddelig" lautet seine Devise.

Für das erste Cover hat das monatlich bei der BMB Medien GmbH erscheinende Magazin die Ex-Frau des Modeschöpfers Otto Kern, Sarah Kern, fotografiert; Untertitel: "Erotisch wie nie". "Wenn ich mich morgens nackt im Spiegel betrachte, denke ich oft: 'Hey, Sarah, das rockt ja noch richtig!'", findet die 36-Jährige.

Nackte Prominente werden allerdings nur zu speziellen Anlässen und nicht in jedem Heft zu sehen sein. Das sei eine Domäne des "Playboy", betont Boden. Dafür gibt es viele unbekannte Schöne wie das "Pet Girl des Monats". "Eindeutig nackt, auch frech, aber nicht obszön" sollen die Fotos sein.

Daneben gibt es in der "Comeback-Ausgabe" für 4,20 Euro ein Interview mit Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, einen Artikel über "die 100 Mächtigsten im deutschen Fußball", ein Porträt über U2-Sänger Bono sowie Lifestyle-, Sex-, Geld- und Modetipps. Ex-"heute journal"-Moderator Alexander Niemetz schreibt eine Kolumne über Politik, Experte Bernd Förtsch über die Börse und Erotikautorin Sophie Andresky über Sex.

Dass der im Münchner Burda-Verlag erscheinende "Playboy" (Untertitel: "Alles, was Männern Spaß macht") der größte Konkurrent sein wird, ist Boden klar. "Die machen ein gutes Heft", räumt er freimütig ein, ist aber zugleich optimistisch, dass beide Magazine ihren Platz am Kiosk haben werden. Der Konkurrent - mit einer aktuellen Auflage von rund 250.000 und nach eigenen Angaben seit neun Quartalen Marktführer im Männermagazin-Markt - sieht den Relaunch des alten neuen Wettbewerbers gelassen. Das sei nicht die erste deutsche "Penthouse"-Ausgabe, kommentiert "Playboy"-Sprecherin Carina Rey die Neuerscheinung.

Man werde die Entwicklung dennoch "sehr genau beobachten". Es sei aber grundsätzlich positiv, wenn Bewegung in den Markt komme, sagt Rey. Durch ein neues Blatt steige auch das Interesse an Männermagazinen ganz allgemein. Und so gelte nun dasselbe wie Anfang 2004 beim Start des im Bauer Verlag erscheinenden "Matador"-Hefts: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Nathalie Waehlisch, ddp



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