Neue ProSieben-Comedy Lachnummer auf die Schnelle

Überraschung! ProSieben startet eine Improvisations-Comedy. Nein, nicht überrascht? Müssen Sie auch nicht sein: "Gott sei Dank ... dass Sie da sind!" debütiert mit durchschnittlichen Gags und einem bemühten Moderator.

Von Peer Schader


Kann ja jedem mal passieren: Da sitzt man beim Blind Date mit der Internetbekanntschaft im Restaurant, erinnert sich nicht an ihren Namen, hat aber einen Akkuschrauber als Geschenk mitgebracht und schaut ziemlich doof aus der Wäsche, weil plötzlich eine schwangere Frau neben einem steht, die behauptet, man sei mit ihr verheiratet. Wenn man dann glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, taucht auch noch Mike Krüger auf.

Improvisation bei ProSieben: Hübsche Kulissen - bemühte Promis
ProSieben

Improvisation bei ProSieben: Hübsche Kulissen - bemühte Promis

So funktioniert die neue ProSieben-Show "Gott sei Dank ... dass Sie da sind!": Vier halbwegs prominente Gäste werden in ulkige Verkleidungen gesteckt, auf die Bühne beordert und durch eine blaue Tür geschickt, hinter der sie für ein paar Minuten in eine ihnen unbekannte Rolle schlüpfen müssen. Nur das dort wartende Schauspielerensemble weiß, worum es geht: um eine schwierige Operation, für die ein Chefarzt gebraucht wird. Oder um die Präsentation einer neuen Modekollektion vor Geschäftskunden, die gespannt darauf warten, von einer ahnungslosen Designerin Entwürfe erklärt zu bekommen, die sie in ihrem Leben zuvor noch nie gesehen hat. Oder eben um ein Blind Date mit Überraschungseffekt.

Spielshowdauergast Oli Petszokat, Moderatorin Kim Fisher und die beiden Herren vom Comedy-Duo Mundstuhl sind die ersten Opfer, die Pro Sieben an diesem Donnerstag ins kalte Wasser wirft. Und – nun ja, was soll man über die Premiere sagen? Die Kulissen sind gut geworden.

Unbeholfenheit macht das Spiel

Ansonsten begreift man: Nicht jeder, der regelmäßig im Fernsehen auftaucht, ist auch ein Improvisationstalent. Während Petszokat sein Blind Date so frech meistert, dass selbst die eingeweihten Schauspieler große Augen machen, tun sich die beiden Mundstuhl-Komiker eher schwer mit der Spontaneität. Erst die Abschlussrunde, in der alle Promis zusammen als Politiker in eine TV-"Elefantenrunde" geschickt werden, macht richtig Spaß, vor allem, weil dabei aus Not so absurde Parteien wie die zur "Abschaffung aller privaten Brotbackmaschinen in Deutschland" entstehen.

Die neue ProSieben-Show erinnert arg an die alte "Schillerstraße" auf Sat.1, in der Chefimprovisationskünstlerin Cordula Stratmann mit Kollegium 45 Minuten am Stück ohne Textvorgaben lustig sein kann. Dabei ist "Gott sei Dank …" eigentlich eine Adaption des australischen Formats "Thank God You're Here".

Was Mike Krüger darin zu suchen hat, will sich einem aber nicht so recht erschließen. Offiziell als Schiedsrichter eingestellt, der die Auftritte der Promis kommentieren und zum Schluss einen Gewinner küren soll, ist Krügers Geplapper vor allem: überflüssig. "Ich fand's toll, ein Riesenapplaus", sagt er, "Eine großartige Leistung" oder "Das war sensationell". Kritische Eloquenz klingt anders.

Moderieren darf erstmals auf ProSieben Klaus Jürgen Deuser, der offiziell "Knacki" Deuser genannt werden will und einigen Zuschauern von der WDR-Comedy "Nightwash" bekannt sein könnte, die nächstes Jahr beim neuen MTV-Comedy Channel laufen wird. Leider macht auch er in der neuen Sendung einen bemüht-lustigen Eindruck. Ein paar launige Bemerkungen zu den Gästen – mehr ist für Deuser als Moderator nicht drin.

Kriminell erfolgreiche Konkurrenz

Wenn ProSieben sich ein bisschen Zeit lässt, könnte aus "Gott sei Dank …" noch eine passable Show werden. Wer sich an die erste Folge der "Schillerstraße" von vor zwei Jahren erinnert, der weiß, wie schlimm das damals ausgesehen hat, und wie viel sich aus der anfänglichen Durcheinanderplapperei machen ließ, als Stratmanns Ensemble Routine bekam.

Problematisch ist jedoch, dass "Gott sei Dank…" am Donnerstag die schwere Nachfolge von "Popstars" antritt. Und dass Sat.1 gerade beschlossen hat, die bisher ebenfalls am Donnerstag gezeigte "Schillerstraße" auf Freitag zu verschieben, weil die Quoten zuletzt in den Keller rauschten, spricht womöglich auch nicht unbedingt dafür, eine neue Improshow am Donnerstag zu bringen.

Dazu muss Deuser mit seinen Gästen gegen die Krimiserie "CSI" auf RTL antreten – das sieht wie ein sicheres Todesurteil für die Quote aus. Einen undankbareren Sendeplatz für seine neue Sendung hätte Pro Sieben sich kaum heraussuchen können.


"Gott sei Dank… dass Sie da sind", ProSieben, donnerstags, 21.15 Uhr



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