Neuer Ärger um TV-Show "Unsere Besten" Telefon-Abzocke beim ZDF

Erst zog das ZDF den Zorn der Österreicher auf sich, weil es bei der Suche nach den "größten Deutschen" auch Mozart auf die Kandidatenliste setzte. Jetzt tobt die Konkurrenz: RTL und Sat1 kritisieren, dass der öffentlich-rechtliche Sender die Gebührenzahler bei der Show "Unsere Besten" per Televoting nochmals abkassiert.

Von Marcus Stölb


ZDF-Show "Unsere Besten": Reibach mit gebührenpflichtigen Stimmabgaben

ZDF-Show "Unsere Besten": Reibach mit gebührenpflichtigen Stimmabgaben

Berlin - Nach den Privatsendern setzt nun auch das ZDF auf Televoting-Shows: Wer etwa über den "größten" Deutschen mitbestimmen möchte, muss bei den "Unsere Besten"-Sendungen am 7. und 28. November so genannte Mehrwertnummern wählen. Die Stimmabgabe per 0137-Nummer kostet 49 Cent pro Anruf.

Heiße Drähte sind programmiert, wenn das ZDF am 7. November in 120 Minuten aus 100 Kandidaten die Top-Ten der "größten Deutschen aller Zeiten" ermitteln lässt. Und das Schönste: Dank der kostenpflichtigen Rufnummer werden die Zuschauer die Sendung nicht nur mitbestimmen, sondern gleich auch noch mitfinanzieren.

Ein Vorhaben, das die private Konkurrenz auf den Plan ruft. Denn dass nun auch die Gebühren finanzierten Programme auf Einnahmen aus Mehrwertnummern zurückgreifen, ärgert SAT 1, RTL und Co. "Fragwürdig" sei das Vorhaben, sagt denn auch Thorsten Rossmann, Sprecher der Pro7-SAT1-Media-AG. Er sähe es ohnehin am liebsten, würde sich die öffentlich-rechtliche Konkurrenz ausschließlich über Gebühren finanzieren.

Ähnlich äußert sich RTL-Sprecher Thorsten Grothe, der von den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr Transparenz fordert. Es müsse klar sein, wie viel das ZDF durch Mehrwertnummern einnehme.

Grothes Sender weiß, was da zu holen ist - schließlich hat RTL vorgemacht, was das ZDF nun nachzuahmen versucht. Eine zweistellige Millionen-Summe sollen die Tele-Votings zu "Deutschland sucht den Superstar" eingespielt haben. Zahlen, die der Sender nicht kommentieren möchte. In Branchenkreisen gilt jedoch als ausgemacht, dass sich das Format durch die Mehrwertnummern sehr gelohnt hat.

Beim ZDF versucht man derweil, die potentiellen Einkünfte herunter zu spielen. Über die Produktionskosten will man nichts sagen, doch sei "man schon froh, wenn wenigstens ein Teil der Sendung wieder refinanziert werden könnte", gibt sich Sprecher Thomas Hagedorn bescheiden.

Rechtlich ist das Vorhaben der Mainzer Programmmacher wohl nicht zu beanstanden. Solange die Telefongebühren nicht die Portokosten für eine Postkarte übersteigen, sei das Prozedere in Ornung, heißt es aus der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz. 49 Cent soll ein Tele-Vote bei der "Unsere Besten"-Gala kosten. Allerdings werden dabei, anders als bei der Abstimmung per Postkarte - ein Großteil der Tele-Voting-Gebühren ans ZDF fließen.

Einnahmen, die unter Umständen auch bei der nächsten Festsetzung der Rundfunkgebühren von Bedeutung sein könnten. Horst Wegner, Geschäftsführer der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), möchte nicht ausschließen, dass GEZ-Teilnehmer einmal von den Tele-Votings profitieren könnten: Je mehr die Öffentlich-Rechtlichen auf diese Weise einnähmen, desto weniger müssten sie sich über Gebühren finanzieren.



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