Neues "Asterix"-Team Generationswechsel, beim Teutates!

Papa lässt die Kinder ziehen: Das nächste "Asterix"-Album wird nicht mehr von Albert Uderzo stammen. Wird das neue Team den Ausverkauf des Goscinny-Erbes fortsetzen? Oder gibt es Hoffnung auf eine Qualitätsrenaissance der unbeugsamen Comic-Gallier?

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Obelix beim Vermöbeln von Außerirdischen: Das hätt's bei Goscinny nie gegeben!
AP/ Les Editition Albert Rene/ Goscinny-Uderzo

Obelix beim Vermöbeln von Außerirdischen: Das hätt's bei Goscinny nie gegeben!


Der Autor Jean-Ives Ferri und der Zeichner Frédérik Mébarki treten das Erbe Uderzos an. Es ist eine überraschende Entscheidung. Zwar ist Ferri seit den frühen neunziger Jahren im Comicbereich aktiv, seine Spezialität sind allerdings Kurzgeschichten und Comicstrips, weniger albenlange Abenteuer. Zudem spielen nahezu alle seine bisherigen Comics im ländlichen Frankreich der Gegenwart. Ob ihm der Sprung zu den für "Asterix" typischen weiten Reisen und den langen Handlungsbögen glückt?

Inhaltlich zeichnet sich Ferri durch einen warmherzigen, poetischen Humor aus, der viel Sympathie für seine Figuren aufweist, die häufig verschrobene ländliche Sonderlinge sind. Hier zumindest besteht eine Verwandtschaft zu den klassischen "Asterix"-Abenteuern, wie sie Uderzo zusammen mit dem Texter René Goscinny produziert hat.

Auf deutsch erschienen ist von Ferri bisher nur der Band "Die Rückkehr aufs Land" (Reprodukt, 192 Seiten, 22 Euro). Darin schildert er gemeinsam mit dem Zeichner Manu Larcenet, wie ein Comiczeichner aus der Großstadt versucht, sich in eine bäuerliche Gemeinde einzuleben. Ein zweiter Band ist für den Winter dieses Jahres angekündigt.

Während Ferri als Autor für einen Wechsel im Erzählton der klassischen Serie stehen könnte, dürfte grafisch alles wie gehabt bleiben. Frédérik Mébarki ist bereits seit den neunziger Jahren Uderzos zeichnerischer Assistent. Von ihm stammen die Reinzeichnungen der letzten "Asterix"-Alben, zu denen Uderzo nur noch die Entwürfe und Vorzeichnungen geliefert hat. Dass Ferri und Mébarki die "Asterix"-Bände zukünftig verantworten sollen, gab das französische Comicmagazin Casemate am Montag bekannt.

Sinkendes Niveau, steigende Auflage

Die Abenteuer des kleinen Galliers erscheinen seit 1959. Getextet wurden sie bis zu dessen Tod 1977 von René Goscinny, gezeichnet hat Albert Uderzo. Seither textet und zeichnet Uderzo allein. Obwohl Kritiker seither das stetig sinkende Niveau der Episoden monierten, stiegen die Verkaufszahlen raketenhaft: Die Startauflage des 2009 erschienenen jüngsten Abenteuers betrug in Deutschland allein drei Millionen Exemplare. Gesamtauflage aller Alben weltweit: beinahe 350 Millionen.

Über das Comiczeichnen hinaus hat sich in Uderzo in den vergangenen Jahren einen Ruf als Streithammel erworben. Er verklagte den Mobilfunkbetreiber Mobilix wegen der auch in den "Asterix"-Alben prominent eingesetzten Endsilbe "-ix" und stritt mit seinem ehemaligen Verleger über die Rechte an der Figur Asterix. Er verkrachte sich mit seinem Bruder Marcel, weil der auch ein "Asterix"-Album zusammen mit René Goscinny gezeichnet hat, das Albert Uderzo seitdem unter Verschluss hält.

Zuletzt hat er mit seiner Tochter Sylvie gebrochen. Die warf ihm Ausverkauf vor, nachdem er im Jahr 2009 die Marke "Asterix" für einen millionenschweren Betrag an den Verlagsriesen Hachette verkauft hatte und damit die Weichen stellte für weitere Abenteuer des Galliers nach Uderzos Tod. In seiner nur wenige Monate zuvor erschienenen Autobiografie hatte Uderzo dagegen noch geschrieben, "nach dem Beispiel von [Tim-&-Struppi-Erfinder] Hergé habe ich offiziell testamentarisch verfügt, dass es von 'Asterix' keine Fortsetzung geben wird."

Mit der gestrigen Bekanntgabe sind diese Pläne endgültig obsolet. Die Möglichkeit, mit dem erfolgreichsten europäischen Comic der Nachkriegszeit weiterhin Geld zu verdienen, will sich wohl niemand entgehen lassen.

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