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13. März 2012, 08:35 Uhr

Neues Büromöbel

So verstecken Sie sich vor Kollegen

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Was tun, wenn's wieder mal zu laut wird im Büro? Die frischgebackene Produktdesignerin Ina Marie von Mohl hat da eine Idee. Mit einer Tarnkappe will sie den Arbeitsplatz im Großraum in eine private Oase verwandeln.

Über Großraumbüros gibt es ziemlich unterschiedliche Meinungen: Die einen reden von kurzen und schnellen Kommunikationswegen, loben die Teamarbeit und die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten der Räume, die anderen beklagen den Verlust der Privatsphäre, fühlen sich beobachtet und abgelenkt von den nicht zu überhörenden Telefonaten und Gesprächen der Kollegen und können sich nicht konzentrieren, wenn ständig jemand am Schreibtisch vorbeiläuft.

Beide haben recht, findet die Designstudentin Ina Marie von Mohl, 27, und hat sich des Problems in ihrer Abschlussarbeit im Produktdesign-Bereich an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg angenommen. "Möbelstück für neue Formen des Arbeitens" war das Thema ihrer Arbeit, das sie selbst vorgeschlagen hatte. Ihre wunderbare und originelle Problemlösung hat Mohl Ende Februar an ihrer Hochschule zur traditionellen Abschlussausstellung aller Absolventen des Jahres im Flur A präsentiert.

Unsichtbar und doch am Schreibtisch

Dort hing für einen Tag über einem Tisch mit Stuhl ihre Abschlussarbeit mit dem Titel "Denk mal" von der Decke - eine große, runde, oben offene lampenschirmartige Konstruktion an einem Flaschenzug, die ein am Tisch Sitzender mit einem Handgriff über sich herunterziehen kann und in der er dann für seine Umgebung verschwindet - und die Umgebung für ihn.

"'Denk mal' soll eine flexible akustische und visuelle Abschottung ermöglichen", sagt die Erfinderin und frischgekürte Produktdesignerin Mohl. Ihr Entwurf musste also den Schall im Raum absorbieren können und eine Privatsphäre schaffen, ohne dass man den Platz verlassen muss. Außerdem sollte die Konstruktion leicht zu handhaben und überall einfach anzubringen sein. Schon ein Material zu finden, das alle Anforderungen erfüllt, sei nicht einfach gewesen, sagt Mohl, "aber dann bin ich auf den dicken Filz gekommen, der schon lange für Akustikdecken verwendet wird, aber nie zu sehen ist, weil er immer verschalt wird". 80 Prozent des Schalls im Raum schlucke der Akustikfilz, und er ist nicht schwer, weil er aus Polypropylän ist.

Ruhe im Kreis aus Filz und Stäben

Allerdings sei der Filz sehr weich, erklärt Mohl, und um daraus einen stabilen Zylinder zu formen, habe sie schräg in den Filz Kohlefaserstäbe eingewebt, damit sich deren Stabilität überträgt. Von innen verdoppelte sie die Form mit einer zweiten Lage Filz, damit die Stäbe nicht sichtbar sind. "Innen sollte der Schirm ruhig, ohne Muster und ganz weiß sein, damit der Raum größer wirkt." Wichtig war ihr außerdem, dass ihr "Denk mal" leicht zu recyclen ist: "Deshalb habe ich nur wenige Materialien verwendet und nichts geklebt", sagt die Designerin, nur ein Reißverschluss sei vertikal eingenäht, "damit man die Form öffnen und dann zum Beispiel für einen Transport einrollen kann".

Mit einer einzigen Bohrung kann der 60 Zentimeter hohe Zylinder mit 120 Zentimeter Durchmesser an der Decke angebracht werden, weil er mit seinen vier Kilo weniger als eine Lampe wiegt, und weil die drei Seile, an denen er hängt, in einem Gewicht nach dem Flaschenzugprinzip zusammengeführt werden. Deshalb lässt er sich auch ganz einfach mit der Hand hoch- und runterschieben.

Der Anstoß zu ihrem Thema "Möbelstück für neue Formen des Arbeitens" kam Mohl während eines halbjährigen Praktikums in der Produktdesignabteilung bei den Architekten Sauerbruch & Hutton, in einem Großraumbüro. "Dort war ein ständiges Hin und Her, und man wurde dauernd abgelenkt", sagt Mohl. Und als sie später für den schriftlichen Teil ihres angemeldeten Abschlussthemas nach Berlin ins Betahaus ging, machte sie die gleiche Erfahrung. Weil der "coworkingspace" für Kreative vor seiner Umnutzung eine große Industriehalle war, die ohne besondere schalldämmende Maßnahmen in Büros verwandelt wurde, sei die ständige Ablenkung selbst für die Leute einfach zu viel, "die ja ins Betahaus gehen, um mit anderen zusammen an Projekten in einem Raum zu arbeiten".

Nach einer klaren Analyse machte sich Mohl an den praktischen Teil ihres Themas. Anfangs wollte sie eine Abschirmungsvorrichtung an den Stuhl koppeln. Das scheiterte nicht nur an der aufwendigen Technik, sondern auch an der Erkenntnis, dass viele Büros ja schon Stühle haben. Sie wollte "irgendetwas" machen, das nicht teuer und dabei transportabel sein sollte, weil junge Unternehmen wenig Geld haben und sich nicht langfristig auf einen Arbeitsort festlegen können. "Dann kam ich darauf, dass es was sein muss, das von der Decke hängt." Damit erfüllt "Denk mal" schon mal den Funktionsanspruch an gutes Design; ergonomisch, ökologisch, ästhetisch und komfortabel zu handhaben ist es außerdem.

Jetzt muss sich nur noch ein Hersteller finden, der sich für "Denk mal" begeistert. Unwahrscheinlich ist das nicht, denn der Schutzschirm hat geringe Materialkosten und wäre günstig herzustellen. "Träumen darf man ja mal," sagt sie. Derweil probieren ein paar Kommilitonen den Schirm aus und amüsieren sich über die Möglichkeit, in der Bibliothek demnächst mal unbemerkt ein "leistungsförderndes Nickerchen" machen zu können.


"Denk mal" ist ab dem 1.4. im betahaus Berlin zu besichtigen. Führungen jeden Dienstag um 17 Uhr und jeden Donnerstag um 11.30 Uhr, Anmeldung erforderlich.

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