Street-Art Neue Banksy-Werke in New York

Die "rennende Ratte" des britischen Street-Artists prangt an der Fassade eines Abrissgebäudes in Manhattan. Zeitgleich protestiert Banksy mit einem Mauergemälde gegen die Inhaftierung der türkischen Künstlerin Zehra Dogan.

Die "Rennende Ratte" am Abrissgebäude in New York
DPA

Die "Rennende Ratte" am Abrissgebäude in New York


Banksy ist wieder da! Fast fünf Jahre nach seiner Graffiti-Serie in New York ist der britische Street-Art-Künstler offenbar wieder in der Metropole unterwegs. An der Fassade eines zum Abriss bestimmten Gebäudes an der Grenze zwischen Chelsea und Greenwich Village in Manhattan tauchte eines von Banksys bekannten Bildern einer Ratte auf, die im Ziffernblatt einer Uhr an der Hauswand zu rennen scheint (die Uhr ist Teil der Fassade). Ein Foto der Arbeit auf dem Instagram-Konto des Künstlers schien dessen Echtheit zu bestätigen. Das einstöckige Gebäude soll einem 13 Stockwerke hohen Wohnungsbau weichen.

Zudem hat sich Banksy der 21 Meter breiten Mauer an der Ecke Houston Street und Bowery angenommen. Dort, wo sich schon andere Street-Art-Größen, etwa Keith Haring, Os Gêmeos oder JR, verewigt haben, hat Banksy nun seinem Protest gegen die Inhaftierung der türkischen Künstlerin und Journalistin Zehra Dogan Ausdruck verliehen. Sie war im vergangenen März verurteilt worden, weil sie die Zerstörung einer türkischen Stadt gemalt hatte - inklusive einer über das Szenario fliegenden Landesflagge.

Banksy Protest gegen die Inhaftierung der Künstlerin Zehra Dogan
REUTERS

Banksy Protest gegen die Inhaftierung der Künstlerin Zehra Dogan

Banksys spärliches Mauergemälde zeigt schwarze Striche, die die Gitterstäbe vor Gefängnisfenstern darstellen sollen und die Tage symbolisieren, die Frau Dogan bereits im Gefängnis verbracht hat. Sie selbst ist ebenfalls abgebildet. "Free Zehra Dogan" bittet Banksy. Laut New York Times hat die Künstlerin noch 18 Monate im Gefängnis vor sich und weiß nichts von dem Wandbild, das Banksy gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler Borf schuf, der für seine Arbeiten ebenfalls im Gefängnis gesessen hatte.

"Ich fühle mit ihr."

Den Grund für sein Engagement hat Banksy in einer Erklärung gegenüber der New York Times benannt: "Ich fühle mit ihr. Ich habe so viele Dinge gemalt, die viel eher einer Freiheitsstrafe bedürften."

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Derweil spekulieren US-Medien, was es mit der Ratte an dem Abrissgebäude auf sich haben könnte. Gemeint sein könnte etwa ein "rat race", was wörtlich ein Wettrennen unter Ratten meint, aber im übertragenen Sinn für "Hamsterrad" oder einen gnadenlosen Konkurrenzkampf steht. Als Kapitalismuskritik würde diese Deutung zu Banksy, der sich durch seine Arbeiten schon häufig politisch positioniert hat, durchaus passen.

Bröckelnde EU-Flagge zum Brexit

Zuletzt hatte der Künstler, dessen Identität noch immer geheim ist, eine Wahlkampfaktion gegen die Tories gestartet und mit einer bröckelnden EU-Flagge in Dover seinen Brexit-Kommentar abgegeben. Im Oktober 2013 hatte er sich einen Monat lang in New York aufgehalten und hatte dort an verschiedenen Orten Dutzende Werke geschaffen. Wandstücke mit Graffiti von Banksy wurden bei Auktionen teils für mehr als 100.000 Dollar versteigert.

bsc/dpa

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