Online-Auftritt: "New York Times" startet chinesische Webseite
Eine der großen Tageszeitungen des Westens - und einer der großen Wachstumsmärkte des Ostens: Ob das trotz der Menschenrechtsdefizite Chinas zusammen passt, könnte sich nun zeigen: Die "New York Times" bietet ab sofort eine chinesische Online-Version.
Hamburg/New York - Während die Medienbranche in Europa und den USA über die so genannte Paywall, die Bezahlschranke für Online-Inhalte diskutiert, wagt die "New York Times" (NYT) den Sprung über einen Grenzwall, der mit manifesten kulturellen und politischen Hindernissen verbunden ist - die chinesische Mauer: Speziell für Leser in China bietet die Tageszeitung ab sofort eine News-Webseite in chinesischer Sprache. Damit tritt das Blatt in Konkurrenz zum "Wall Street Journal" und der "Financial Times". Beide bieten bereits Internet-Auftritte für Leser in China.
Das Ziel der Seite sei, so die "New York Times" auf ihrer englischsprachigen Homepage, die Chinesen mit hochwertiger Berichterstattung über internationale Politik, Wirtschaft und Kultur zu versorgen. Besonders wende sich das Angebot an die wachsende Zahl "gebildeter, wohlhabender" Leser - China ist eben nicht nur ein Land mit gewissen Defiziten in seiner demokratischen Kultur, sondern auch ein Wachstumsmarkt: Die "New York Times" macht keinen Hehl daraus, für ihren chinesischen Dienst bereits Luxusartikler wie Salvatore Ferragamo und Cartier als Werbekunden gewonnen zu haben.
Auf ihrer chinesischen Seite berichtet die "New York Times" unter anderem über Merkels Haltung in der Euro-Krise und die Bedingungen der iPad-Produktion in China. Nach Angaben von Joseph Kahn, bei der NYT zuständig für Auslandsberichterstattung, sollen täglich etwa 30 Artikel hinzukommen. Zwei Drittel würden vom Mutterblatt übernommen, der Rest stamme von etwa 30 chinesischen Mitarbeitern in Peking, Hong Kong und Shanghai.
Die zuständige Times Company sei sich der chinesischen Medienzensur bewusst. Der Server für den chinesischen Dienst befände sich außerhalb Chinas. Auch werde die Seite den journalistischen Standards des Mutterblattes unterliegen. "Wir werden uns nicht nach den Anforderungen der chinesischen Regierung richten", so Kahn, "sondern hoffen, dass die chinesischen Offiziellen uns willkommen heißen."
Wie der Branchendienst "The Next Web" meldet, ergaben sich bislang zumindest bei Sina Weibo, einer Art chinesischem Twitter, erste Schwierigkeiten: Der dortige Account der "New York Times" wurde bereits am ersten Tag gelöscht.
sha
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