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"New York Times": US-Verleger verkündet Ende der Print-Ära

Arthur Sulzberger Jr., Verleger der "New York Times", hat auf einem Kongress angekündigt, die gedruckte Ausgabe der legendären Zeitung einstellen zu wollen. Wann das geschehen wird, ließ er offen. Zu Spekulationen, dies könne 2015 schon der Fall sein, äußerte er sich nicht.

Zentrale der "New York Times": Ende der Printausgabe 2015? Zur Großansicht
AFP

Zentrale der "New York Times": Ende der Printausgabe 2015?

Hamburg - Steht das Ende der gedruckten Zeitung schon in ein paar Jahren an? Zumindest ist es unvermeidbar, so viel steht für Arthur Sulzberger Jr. fest. Auf einem Kongress in London stellte der Verleger der "New York Times" das neue Bezahlmodell der US-Zeitung vor.

Auf die Frage, ob das Traditionsblatt möglicherweise schon 2015 seine letzte gedruckte Ausgabe auf den Markt bringen könnte, antwortete er nur indirekt. Er sehe keinen Sinn darin, sich zu solchen Vorhersagen zu äußern. "Wir werden irgendwann in der Zukunft aufhören, die 'New York Times' zu drücken", zitiert ihn editorsweblog.com. "Das Datum steht noch nicht fest."

Der Gründer der Wirtschaftsnachrichtenwebsite "Business Insider" hält Sulzbergers Äußerungen für bemerkenswert. "Das klingt zwar zuerst selbstverständlich, aber in Wahrheit ist es ein Riesending", schreibt Henry Blodget. Er glaubt nicht daran, dass ein Verlag es schafft, die Infrastruktur einer Printredaktion mit den Mitteln aufrechtzuerhalten, die eine Onlineausgabe erwirtschaftet. Der Verlag werde wohl umstrukturieren oder Mitarbeiter entlassen müssen - "es sei denn, er findet eine neue Wunder-Einnahmequelle für den digitalen Markt".

Das Bezahlmodell, das die Onlineausgabe der "New York Times" künftig tragen soll, ist laut Sulzberger noch nicht völlig ausgereift. Ab 2011 werden die Leser mit einer Bezahlschranke abgefangen - allerdings erst, nachdem sie ein monatliches Kontingent von Umsonst-Texten aufgebraucht haben. Wer also nur hin und wieder auf der Website der Zeitung landet, wird die Artikel wohl weiterhin kostenlos lesen können. Etliche Details des Modells sind aber noch offen.

"Wir glauben, dass das Bezahlmodell für uns ein Schritt in die richtige Richtung ist", sagte Sulzberger. Der Verlag sei überzeugt, dass die Leser einen stärkeren Beitrag leisten müssten zum Überleben seriöser Medien - und dass viele dies auch tun würden, wenn das Produkt sie weiterhin bereichere. Und für den Fall, dass das Modell nicht funktioniert, sagt Sulzberger, könne man es ja umstellen. "Man darf sich nicht in eine Richtung festlegen."

ffr

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1. Nur so'ne Idee.
Michael Giertz, 09.09.2010
Zitat von sysopArthur Sulzberger Jr., Verleger der "New York Times", hat auf einem Kongress angekündigt, die gedruckte Ausgabe der legendären Zeitung einstellen zu wollen. Wann das geschehen wird, ließ er offen. Zu Spekulationen, dies könne 2015 schon der Fall sein, äußerte er sich nicht. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,716684,00.html
Und sobald die Zeitung weg ist, wird gejammert, was das Zeug hält. Ich muss sagen, obschon ich meine Nachrichten bevorzugt, weil aktueller, aus dem Netz hole, ich trotzdem ab und zu ein gedrucktes Exemplar am Frühstückstisch in der Hand halten möchte. Oder auf dem Klo ... halt überall da, wo ich nicht eben einen Rechner stehen habe. Ich persönlich halte das Einstellen von Zeitungen wegen geringen Absatzes für kontraproduktiv. Das Geschäftsmodell muss einfach geändert werden, dann können Zeitungen und Onlinemedien auch mehr oder weniger gut koexistieren. Zum Beispiel könnte der Kauf der gedruckten Ausgabe vom Spiegel mit einem inseitig gedruckten Code belohnt werden, mit dem man Zugriff auf das kostenpflichtige Archiv/ Artikel bei Spiegel.de hat, ohne nochmal bezahlen zu müssen. Zum Beispiel für ein paar Tage nach Code-Eingabe oder gern auch für 10 Artikel, pauschal und ohne Zeitbegrenzung. Im Falle der NYT also müsste die volle Nutzung des Onlineauftritts an den Kauf der gedruckten Zeitung gekoppelt sein, ansonsten hat man eben nur Zugriff auf das aktuelle Tagesgeschehen. Fände ich fair. Und ich würde die gedruckte Ausgabe kaufen, weil's mir das Eingeben meiner Bankverbindung im Onlineportal spart.
2. Ende der Printära...
sappelkopp 09.09.2010
...vielleicht schon 2015 oder erst 2067, wer weiß das schon. Das eines Tages auch die letzte Ausgabe der NYT erscheint, war ja schon bei der 1. Ausgabe klar. Wenig informativ, der Artikel.
3. Sprachlos
Europa! 09.09.2010
Das Verschwinden der gedruckten Zeitungen wäre ein riesiger Verlust für die Demokratie, für unsere Kultur, für die Wahrheit und unser Denken. Die schnellen, interaktiven Nachrichten aus dem Netz sind eine feine Sache. Aber so lange man sie nicht gedruckt vor sich hat, sind sie nicht mehr als Gerüchte, die spurlos wieder verschwinden können, wenn irgendwem nicht gefallen.
4. Katastrophe!
Meckermann 10.09.2010
Keine gedruckten Zeitungen mehr! In was wickelt man dann den Fisch ein? Womit stopft man Kartons aus? Mit was legt man den Boden beim Tapezieren aus?
5. ..
tylerdurdenvolland 10.09.2010
Zitat von Europa!Das Verschwinden der gedruckten Zeitungen wäre ein riesiger Verlust für die Demokratie, für unsere Kultur, für die Wahrheit und unser Denken. Die schnellen, interaktiven Nachrichten aus dem Netz sind eine feine Sache. Aber so lange man sie nicht gedruckt vor sich hat, sind sie nicht mehr als Gerüchte, die spurlos wieder verschwinden können, wenn irgendwem nicht gefallen.
Wie der Spiegel, wie alle Printmedien, übersehen (oder verschweigen!) auch sie den wahren Grund für den Rückgang der Auflagen, der in der Tat früher oder später zum Verschwinden von mehr und mehr Zeitungen führen wird: Die Qualität ist einfach miserabbel. Was da geschrieben wird auch noch mit Barem zu bezahlen, das wäre "adding injury to insult". Nehmen sie doch mal das was man früher man Qualitäts Journalismus nannte, zB Spiegel und Süddeutsche. Beide beschäftigen kaum noch echte Journalisten die mit Verstand und EIGENER Meinung schreiben. Diese sind teuer und politisch unerwünscht, und man hat ja genug Volontäre und Paktikanten die aus dpa, ASP und Google etwas zusammen-pasten.. Dass immer mehr Leuten dafür ihr Geld zu Schade ist, kann man ja wohl niemandem Verübeln, wenn man für solche Produkte auch kostenlos ins Internet umsteigen kann...
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