News International: James Murdoch gibt Chefposten auf

Den Abhörskandal bei "News of the World" hatte er noch überstanden, die Bestechungsvorwürfe gegen die "Sun" waren nun wohl zu viel: James Murdoch tritt von der Spitze des Medienkonzerns News International in Europa zurück. Der Sohn von Verlagsgründer Rupert Murdoch wird jetzt in den USA aktiv.

James Murdoch gibt die Verlagsleitung von News International ab. Zur Großansicht
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James Murdoch gibt die Verlagsleitung von News International ab.

Hamburg/London - Angeschlagen war er schon, nun gibt er die Konzernführung in Europa auf: James Murdoch, der Sohn von Medienzar Rupert Murdoch, tritt als Verwaltungsratschef der britischen Verlagsholding News International zurück. Das gab das Unternehmen am Mittwoch in London bekannt.

Der Verlag hatte bis Mitte Juli 2011 die Skandalzeitung "News of the World" herausgegeben, dann wurde das Sonntagsblatt wegen einer gigantischen Abhöraffäre eingestellt. Über Jahre hinweg hatten Reporter der Zeitung die Mobiltelefone von Prominenten abgehört, um an Sensationsmeldungen zu gelangen. Zuletzt hatte die Sopranistin und TV-Moderatorin Charlotte Church vor Gericht einen Schadensersatz von rund 710.000 Euro erstritten.

Die Vorgänge bei "News of the World" hatte die Ermittler auch auf die Spur der Murdoch-Blätter "Sun" und "Times" geführt. Es geht nicht mehr nur um das Abhören von Handy-Mailboxen, sondern auch um Beamtenbestechung bei Polizei und Militär sowie das Hacken von E-Mails. Die Ermittler von Scotland Yard sprechen im Zusammenhang mit der "Sun" von einer "Kultur illegaler Zahlungen".

Bereits Ende November 2011 hatte sich James Murdoch aus den Aufsichtsräten von News Group Newspapers und Times Newspapers zurückgezogen, die beiden zur Holding gehörenden Zeitungsverlage, die die "Sun" und die "Times" herausgeben.

Einen Grund für den Rücktritt vom Chefposten zum jetzigen Zeitpunkt gab News International nicht bekannt. Das Unternehmen bildet die Europa-Sparte von Rupert Murdochs weltweitem Medienunternehmen News Corporation.

In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es lediglich, Vater Rupert bedanke sich bei seinem Sohn - insbesondere für dessen "Führungsstärke" und die "große Wertschöpfung", die er für die Holding in Europa und Asien ermöglicht habe. "Hier in New York wird er weiterhin eine Vielzahl von wichtigen Führungsaufgaben des Unternehmens wahrnehmen - mit Fokus auf wichtige Pay-TV-Geschäfte sowie größere internationale Operationen", erklärte der Unternehmensgründer und -chef.

Der aus dem europäischen Geschäft abgezogene Junior sieht das angeschlagene Unternehmen auf einem guten Weg: "Mit dem erfolgreichen Launch von 'The Sun on Sunday' sowie neuen Geschäftsmodellen bei allen Titeln ist News International derzeit in einer starken Position, um für die Zukunft auf seinen Erfolgen aufzubauen."

Tatsächlich ist James Murdoch im Verlauf des Abhörskandals bei der "News of the World" immer wieder unter Beschuss geraten. Noch immer steht er im Verdacht, Vorgänge vertuscht und belastende E-Mails von den Firmenservern gelöscht zu haben. Sowohl der Sohn wie auch der Vater haben immer wieder bestritten, von den illegalen Praktiken gewusst zu haben.

twi/dpa

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