US-Medien Aufruhr beim Magazin "Newsweek"

Nachdem "Newsweek"-Redakteure wegen eines Betrugsvorwurfs beim Mutterkonzern recherchiert hatten, wurden drei von ihnen gefeuert - darunter der Chefredakteur. Kollegen zeigen sich solidarisch und kündigen.

"Newsweek"-Magazin
AFP

"Newsweek"-Magazin


Klingt nach einem Krimi - ist aber Realität: Chaos bei der Newsweek Media Group (NMG), einem der traditionsreichsten US-Medienverlage. Laut der"Washington Post" wurden am Montag der "Newsweek"-Chefredakteur Bob Roe, der Nachrichtenchef Kenneth Li und die Investigativreporterin Celeste Katz gefeuert.

Alles begann damit, dass das Management die verbleibenden Kollegen nicht informierte - sie erfuhren durch Mundpropaganda von den Entlassungen ihrer Kollegen. Mittlerweile sind laut "New York Post" zwei Reporter bei der "Newsweek" und ihrer Schwesterzeitung, der "International Business Times", aus Protest zurückgetreten.

Dabei hatte NMG-Interims-Verlagsvorstand Jonathan Davis am Dienstag noch versucht, die Wogen zu glätten - jedoch "das Feuer noch mehr angefacht". Bei dem 90-minütigen Treffen mit Mitarbeitern behauptete Davis laut Zeugenaussagen, nichts davon gewusst zu haben, dass Bob Roe und Kenneth Li ein Team von Reportern und Redakteuren damit beauftragt hatten, mögliche finanzielle Verbindungen zwischen einer christlichen Kirche und dem Verlag zu untersuchen.

"Die Ziellinie gemeinsam überqueren"

Pikantes Detail: Davis, auch Miteigentümer der NMG, ist selbst Mitglied besagter Kirche. Am Ende der Versammlung forderte er die "Newsweek"-Mitarbeiter auf, der Kirche für ihre "Segnungen" und die "Praktikanten, die sie zur Verfügung gestellt" habe, zu danken. Zudem betonte er, alle Mitarbeiter sollten "sich zusammentun und die Ziellinie gemeinsam überqueren".

Tatsächlich hing schon vor den Entlassungen Ärger in der Luft: Die nun gefeuerte Reporterin Celeste Katz hatte im vergangenen Monat über eine Razzia in den "Newsweek"-Büros berichtet, die einer monatelangen Untersuchung der finanziellen Verhältnisse der "Newsweek Media Group" folgte. Zuvor hatte Katz mit einer Reportage dafür gesorgt, dass Dayan Candappa, der für die Redaktion zuständige Verlagsvorstand, wegen Vorwürfen sexueller Belästigung freigestellt wurde.

Katz bestätigte in einem Tweet ihre Entlassung:

"Mein herzliches Dankeschön an die tapferen Redakteure und Kollegen von Newsweek, die meine Arbeit unterstützt und geteilt haben - besonders unsere jüngsten, schwierigen Geschichten über das Magazin selbst - vor meiner heutigen Entlassung. Ich werde heute Nacht gut schlafen ... und ich suche einen Job! "

Die Newsweek Media Group hat bislang zu den "Personalangelegenheiten" keine Stellung bezogen.

bsc

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.