Legendäres US-Magazin: Bye-bye, "Newsweek"

Abschied von einer New Yorker Presse-Instanz: Für seine letzte Print-Ausgabe hebt "Newsweek" den eigene Verlagswolkenkratzer aufs Cover. Ab 2013 werden die Artikel nur noch im Internet veröffentlicht. Das Ende einer Ära.

Letzte Print-Ausgabe der "Newsweek": Ab jetzt nur noch online Zur Großansicht

Letzte Print-Ausgabe der "Newsweek": Ab jetzt nur noch online

Klassisch muss man dieses Cover wohl nennen: In der Mitte ragt in Schwarzweiß der "Newsweek"-Verlagswolkenkratzer in Manhattan in den Himmel, schlichte weiß-rote Buchstaben verkünden: "The last print issue". Die Letzte Druckausgabe. In Zukunft wird das traditionsreiche US-Gesellschaftsmagazin nur noch im Internet erscheinen.

Die Zurückhaltung beim letzten Heft steht im Gegensatz zu der schreienden Titelseitenaufmachungen der vorherigen Ausgaben: Barack Obama mit einem Regenbogen-Heiligenschein - "Der erste schwule Präsident". Michele Bachmann mit aufgerissenen Irrenaugen - "Queen der Wut". Die umstrittene Schlagzeile nach den Protesten gegen das Mohammed-Video - "Muslimische Rage". Doch auch diese Cover konnten der Print-Krise nicht trotzen.

Bereits im Oktober war das Ende der "Newsweek" als Druckerzeugnis bekanntgegeben worden. Als ehrgeizige Rivalen des "Time"-Magazins 1933 gestartet, gewann das Heft vor allem zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung in den sechziger Jahren an Bedeutung. Zu seiner Hochzeit hatte es eine Auflage von drei Millionen. Über die letzten Jahre dümpelte "Newsweek" jedoch nur noch vor sich hin.

Verleger Sidney Haman erwarb es 2010 - überschuldet und auflagenschwach - für einen symbolischen Dollar und fusionierte es mit der erfolgreichen Website Daily Beast. Deren Chefredakteurin Tina Brown versuchte die "Newsweek" dann mit ähnlichen Schockcovern, mit denen sie zuvor schon die Traditionsmagazine "Vanity Fair" und "The New Yorker" flottgemacht hatte, bei den Verkäufen zu stärken.

Erfolglos, wie sich herausstellte. Browns knappe Erklärung zur Einstellung der Print-"Newsweek" erschien vor zwei Monaten erstaunlicherweise auf der Daily-Beast-Website - samt einem Video, in dem Brown und Verlagschef Baba Shetty das Schlimme schönredeten: "Wir müssen die Zukunft annehmen."

Das stilvolle Cover der letzten Druckausgabe - man muss es wohl als Gruß an die klassische Ära des Journalismus verstehen, die nun mit dem Print-Abschied von "Newsweek" unwiderruflich zu Ende geht.

cbu

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