Nicht belegte Live-Aid-Vorwürfe BBC bittet Bob Geldof um Verzeihung

Das ist bitter für die BBC: Die für ihre Akkuratesse berühmte britische Sendeanstalt muss sich beim Rocksänger Bob Geldof entschuldigen - Berichte hatten den Eindruck vermittelt, dass es beim legendären Live-Aid-Konzert millionenschweren Spendenbetrug gab.

Rocksänger Geldof (2003): Hilfe für hungernde Menschen in Äthiopien
REUTERS

Rocksänger Geldof (2003): Hilfe für hungernde Menschen in Äthiopien


London - So etwas kommt selten vor: Die BBC gilt eigentlich als Vorbild in Sachen sauberer Recherche. Doch jetzt muss die Rundfunkanstalt einen schwerwiegenden Lapsus eingestehen und bittet dafür Bob Geldof um Verzeihung. Die BBC entschuldige sich für den "irreführenden und unfairen Eindruck", der durch ihre Berichterstattung entstanden sei, hieß es in einer Stellungnahme auf der Homepage des Senders.

Im März hatte die BBC gemeldet, dass sich äthiopische Rebellen in den achtziger Jahren Millionen Dollar an Hilfsgeldern erschlichen und für Waffen ausgegeben haben. Dabei war der Eindruck entstanden, dass auch Geld aus dem von Geldof initiierten Pop-Projekt Band Aid abgezweigt worden war.

Der irische Rockmusiker setzt sich seit mehr als 20 Jahren für die Armutsbekämpfung in Afrika ein. 1984 hatte er angesichts der damaligen Hungerkatastrophe in Äthiopien zahlreiche prominente Popmusiker für das Projekt Band Aid zusammengetrommelt und mit ihnen den Song "Do They Know It's Christmas" aufgenommen. Die Single und das Live-Aid-Konzert von 1985 brachten umgerechnet mehr als hundert Millionen Euro für Hilfsprojekte ein.

Nach einer Untersuchung durch die BBC-Beschwerde-Redaktion gab der Sender nun bekannt, dass es keine Beweise dafür gebe, dass Geld von Band Aid oder Live Aid veruntreut worden sei. Aussagen in Anspielung darauf wären besser nicht ausgestrahlt worden, hieß es.

"Ungewöhnliche Verletzung" der BBC-Standards

Geldof sprach am Donnerstag von einer "ungewöhnlichen Verletzung" der BBC-Standards. Seit ihrer Gründung vor 26 Jahren seien Band Aid und Live Aid genauen Wirtschaftsprüfungen unterzogen worden. Die irreführende BBC-Berichterstattung habe das Potential gehabt, äußerst schädlich für karitative Aktionen und die Spendenbereitschaft der Menschen zu sein - nicht nur für den Ruf von Band Aid, so Geldof.

Der irische Rockmusiker hatte sich bereits vor einem halben Jahr heftig gegen die Betrugsvorwürfe gewehrt. Im Fall von Live Aid seien "keinesfalls" Spendengelder für die Hungernden in Afrika in die Hände äthiopischer Rebellen gelangt, sagte Bob Geldof. Es sei "kein Cent" verloren gegangen.

Der BBC-Bericht hatte sich insbesondere auf die Aussagen eines früheren Mitglieds der damaligen Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) gestützt. Wie er der BBC sagte, hatte er sich gegenüber Hilfsorganisationen als Getreidehändler ausgegeben, letztlich aber nur mit Sand gefüllte Säcke verkauft. Das eingenommene Geld habe er an die TPLF-Führung weitergereicht, darunter war auch der spätere äthiopische Regierungschef Meles Zenawi.

Nach Angaben des früheren TPLF-Anführers Aregawi Berhe, der heute in den Niederlanden lebt, nahmen die Rebellen 1985 rund 100 Millionen Dollar ein, von denen 95 Prozent für Waffen ausgegeben wurden.

Geldof hatte die zitierten Exil-Äthiopier als "nicht glaubwürdig" bezeichnet. Wenn die BBC ihm nur "einen Beweisschnipsel" vorlege, werde er die Vorwürfe aber untersuchen lassen. Das konnte die BBC jedoch nicht.

wit/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
nichtWeich 04.11.2010
1. ....
Zitat von sysopDas ist bitter für die BBC: Die für ihre Akkuratesse berühmte britische Sendeanstalt muss sich beim Rocksänger*Bob Geldof entschuldigen - Berichte hatten fälschlicherweise den Eindruck vermittelt, dass es beim legendären Live-Aid-Konzert millionenschweren Spendenbetrug gab. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,727127,00.html
Den einzigen den das wohl interessiert, ist der Herr Geldof.....jetzt kann er ja weiter Geld scheffeln mit seinen Konzerten.
küdde rechsteiner 04.11.2010
2. Nein
Zitat von nichtWeichDen einzigen den das wohl interessiert, ist der Herr Geldof.....jetzt kann er ja weiter Geld scheffeln mit seinen Konzerten.
Mich interessierts auch. Unglaublich wie die BBC hier geschlampt hat. Und das bei einem so wichtigen Thema. Man kann dem damaligen Journalisten Martin Plaut "danken" für die Reportage, wenn man ein Facebook-Konto hat.
convex 05.11.2010
3. SZ-Artikel / Gill
Es scheint, daß Geldorf allgemein nicht viel mit Journalisten im Sinn hat: http://www.sueddeutsche.de/kultur/live-aid-und-die-folgen-fuer-afrika-bob-geldofs-besserwisserische-ignoranz-1.1015175 "Die französische Sektion der "Médécins sans Frontieres" zog sich damals unter Protest aus Äthiopien zurück - und sagte, dies sei"die größte Deportation seit dem Völkermord der Khmer Rouge". Darauf angesprochen, tadelte Geldof einen Journalisten der Irish Times: "Wir sollten Hilfe leisten, ohne uns den Kopf über Bevölkerungstranfers zu zerbrechen". Für Gill ist das ein symptomatischer Satz für die besserwisserische Ignoranz , für das Gießkannenprinzip des Westens. Hauptsache, es fließt Geld."
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