Diskussionskultur Apropos, wir müssen reden

Politiker nur Pappkameraden, die Demokratie nur Kulisse: Das ist die Welt, die sich superreiche Superrechte wünschen. Hauptsache, der ohnehin enorme Besitz wird immer weiter gemehrt.

Superreiche (Symbolbild)
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Superreiche (Symbolbild)

Eine Kolumne von


Was hatte es doch seinerzeit für ein Theater gegeben, als hier an dieser Stelle ein Text von mir mit der Überschrift: "Mit Rechten reden" erschien. Ich wollte übrigens schon immer mal mich selbst zitieren - dieses moralisch überlegene klugscheißende "Wie ich damals schon sagte..." bringt einem so viele Sympathiepunkte. Die Überschrift damals war nicht sehr genau, denn der Text behandelte die Frage, ob es sinnvoll ist, mit latent faschistischen FanatikerInnen zu sprechen.

Mit richtig ausgefuchsten Rechten zu reden ist natürlich sehr viel interessanter, nur ungleich schwieriger. Der prototypische Rechte oder auch Rechtskonservative oder auch marktliberale Kapitalist steht für Gespräche mit dem Volk nicht unbedingt zur Verfügung. Also jene Topliga, die sich gerade über die Entwicklungen zu autokratischen, diktatorischen Systemen weltweit freut, die sie freundlich unterstützt hat.

Der gemeine rechtskonservative Elitemensch hat kein Interesse am Volk. Er kennt es noch weniger als der durchschnittliche CSU-Minister. Das Volk, die Masse, die KonsumentInnen kennt er nur als graues Rauschen im Hintergrund. Die Leute. Die Leute, die nerven. Sie wollen gefüttert werden, wollen Parks und Kindergärten, und sie ruinieren den Planeten mit ihrer Vermehrung.

Der gute rechtskonservative Milliardär ist nicht am Volk interessiert, denn er ist überzeugt davon, dass es jeder mit harter Arbeit oder harter Erbschaft hätte schaffen können, zu einem von seinen Leuten zu werden. Zu jenen, die nicht wissen, was Netflix ist oder Twitter oder Charterurlaub, Kreuzfahrten, Mieten, vollautomatische Geschäfte, Stellenabbau in Stahlwerken. Diese wunderbare Weltelite interessiert sich so wenig für ein Gespräch mit Ihnen, ja, sie interessiert sich nicht einmal für Gespräche mit ihrem Einsatztrupp.

Kein Geheimnis, kein Plan, keine Verschwörungstheorie

Rechtspopulistische Politiker, die mit den Geldern und der Unterstützung der super Eliten den verdammten Staat abschaffen. Der superreiche Rechtskonservative schätzt den Staat nicht. Er ist genervt von ihm. Er will keine Steuern zahlen, keine Gerichtsbarkeiten akzeptieren, und wenn er Bock auf eine Armee hat - verdammt, dann kauft er sich eine.

Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, worum es diesen Weltelite-Rechten geht. Es war alles so unlogisch. Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass kein Geheimnis existiert, kein Plan, keine Verschwörungstheorie. Die superkonservativen Superreichen sind wie ihre kleinen Brüder, die normalen Babykonservativen. Ein wenig vulgär, nur am Erhalt und der Vermehrung ihres Besitzes interessiert, fertig, langweilig. Das kann man einfach mal 1000 rechnen, dann hat man ihn schon, den großen Plan hinter allem, was die Welt gerade erschüttert.

Der rechtskonservative Marktliberale, der Superreiche, der nichts vom Volk hält, redet, wenn überhaupt, mit den Marionetten, den Führern, den Schreihälsen, die für ihn die Arbeit erledigen, die Schafe zu versammeln, sie aufzuhetzen, sie sich selber abschaffen zu lassen, da ist schön Rabatz in den Demokratien, da kracht es auf den Straßen, da werden neue Maßstäbe gesetzt.

So schaffen wir uns ab

Anhänger von rechtspopulistischen Strömungen marschieren hinter Parteien und Führern her, die die ohnehin schon sehr marktfreundlichen, demokratisch gewählten Führungen ersetzen wollen. Damit flächendeckend alle Systeme privatisiert werden können, der Versicherungsschutz ausgehebelt, der Mieterschutz (die Reste davon) dito, und so weiter. Warum tun die das, mag man sich fragen. Die Antwort ist einfach: Selbstvernichtung ist einer Laune der Natur gedankt - dem menschlichen Hirn.

Logisch ist es nicht, aber ganz lustig, wenn man das Leben als Komödie begreift. Mit Rechten reden hieße also: Ein Bürger der westlichen Welt, dessen Leben ungemütlich geworden ist, weil die Welt zu voll geworden ist und der Kapitalismus am Rad dreht, sitzt einem Mann gegenüber, der natürlich weiß ist und über Vierzig, der im Besitz von Flugzeugen, Bunkern und Milliarden ist, und sagt: "Wissen Sie, ich wähle, so lange ich noch wählen darf, einen Ihrer Pappkameraden, der mein Recht zu wählen abschaffen wird, der meine Rente abschaffen wird, aber er verspricht mir, gegen das Fernsehen und gegen ein paar Nasen vorzugehen, die aus dem Ausland kommen. Außerdem setzt er sich dafür ein, dass Homos nicht mehr heiraten können, weil sich das auch nachteilig auf meine Lebensumstände auswirkt." "Ja, genau", sagt der prototypische superkonservative Superrechte, "Danke für das Gespräch."

Die Leute waren schon immer seltsam. Ein paar kurze Aufwallungen von echtem revolutionären Potenzial, in denen es wirklich um die Macht des Volkes ging, um eine Art Teilhaberschaft aller Menschen am Reichtum der Erde, aber das ist vergessen. Die Leute sind erfreulich gut zu lenken. Daher. Die alte Überschrift mit neuen Inhalten. Reden wir nicht mit Rechten. Demonstrieren wir nicht gegen sie. Stärken wir die Reichen. Machen wir ihnen das Leben angenehm, schaffen wir uns ab.

Glauben Sie, es macht alles einfacher.

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
Fuxx81 24.11.2018
1.
---Zitat--- Politiker nur Pappkameraden, die Demokratie nur Kulisse: Das ist die Welt, die sich superreiche Superrechte wünschen ---Zitatende--- Das ist die Welt in der wir aktuell schon lange leben. Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie doch einfach mal Nachrichten. Ich gab mal ein paar Stichworte: Finanzkrise, Snowden, Dieselskandal. Demokratie? Da lachen ja die Hühner...
christoph_schlobies 24.11.2018
2.
Ich werde wohl ein Buch veröffentlichen müssen,über die riesige Zahl völlig korrekter,höflicher und niemanden beleidigenden Kommentare,die nicht von Reichen,sondern von unseren Medien wegzensiert werden.Das ist schon ein Lehrbeispiel.- Da gibt es gerade eine Diskussion zum Lehrerportal der AfD .- Folgender Beitrag wurde wegzensiert. "Christopher Franzmann-KorffDie AfD ist für mich ein Verein widerlicher Nazis. Das zeigt wieder, wie z.B. Höcke versucht, die Schulen und Lehrer unter Druck zu setzen. Ich bin Lehrer und Schulleiter in Niedersachsen, und ich werde mich von der AfD mit Sicherheit nicht unter Drucksetzen lassen. Im Gegenteil: ich werde mich bei Schülern und Eltern und Lehrern für Demokratie und gegen Rassismus einsetzen. Dreckige Demagogen werden von mir auch als solche benannt werden. " Diese Überzeugung seinen Schülern zu vermitteln , dürfte kaum zulässig sein.Hier hätte das Schulamt längst einschreiten müssen.
Leser_01 24.11.2018
3.
In dem Beitrag kommen unglaublich viele negativ besetzte Bezeichnungen vor. Die Rede ist von Rechtspupulisten, rechtskonservativen Eliten, Marktliberalen, Superreichen und vielen anderen bösen Gruppen, die es auf die Ausbeutung der armen hilflosen Bürger abgesehen haben. In Wirklichkeit geht es dabei jedoch um den ewigen Kampf zwischen Egoismus und Altruismus. Der Altruist gibt für andere sein letztes Hemd, der Egoist nimmt das Geschenk gerne an. So hat zwar jeder genau das bekommen, was er möchte, aber fair ist es dennoch nicht. Die beste Lösung liegt wie so oft in der Mitte: Egoistischen Liberalismus bekämpft man nicht mit altruistischem Marxismus, sondern mit der guten alten (nicht der sog. "neuen") sozialen Markwirtschaft.
meister_proper 24.11.2018
4. Ich denke das trifft es recht gut
Es gibt keinen spannenden Plot - nur langweiliges "mehr für mich ist besser als weniger" multipliziert mit ein paar Tausend. Natürlich kommen dabei sehr komplexe und schwer zu durchschauende Netzwerke heraus. Schließlich können sich die meisten Superreichen gegenseitig nicht leiden. Obwohl viele das gleiche Ziel verfolgen - welches halt egoistisch ist.
dr.joe.66 24.11.2018
5. dann sollen sie halt Kuchen essen...
Tja, offenbar wiederholt sich hier die feudale Geschichte mit leicht geänderten Randbedingungen. Die meisten Menschen sind von Natur aus Egoisten. Und dann hängt es von der Sozialisation ab, ob man lernt als sozialer Mensch für das Allgemeinwohl auch mal zu verzichten, oder ob man lernt, dass man besser ist, wenn man möglichst viel besitzt. Wenn ich mir die Werbung in unserem Gesellschaftssystem anschaue, dann ist man offenbar glücklicher wenn man reich, sportlich und sexy ist. Arme, HartzIV-ler, Alleinerziehende, Überforderte, Dicke, Unsportliche, all die kommen in der Werbung nicht vor. Und wenn doch, dann meist als Witzfigur. Auf der anderen Seite nehmen ca. 5% aller Deutschen regelmäßig harte Drogen; 1.2 Mio. Menschen gelten als Alkohol-süchtig; ca. 600.000 Menschen sind Internet-süchtig; und 1.2 Mio. Freier pro Tag besuchen eine Prostituierte. Je nach Überschneidungsgrad kann man also davon ausgehen, dass wir 4 bis 7 Mio. Suchtkranke in unserem Land haben - und das durch alle Schichten und Alterklassen hindurch. Und diese Menschen sind sicherlich nicht suchtkrank, weil sie ach so glücklich im Leben sind. Dazu kommen 5% mit Burnout, sowie 5-10% mit Depressionen. Unsere Gesellschaft ist in großen Teilen krank. Es will nur keiner wissen. Ob wir irgendwann lernen, anders und besser mit uns selbst und mit anderen umzugehen? Ich wage es zu bezweifeln...
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