Hamburg - Über die Zukunft der Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr, darunter die "Financial Times Deutschland" (FTD), ist nach Angaben des Konzerns noch nicht endgültig entschieden. Wie Sprecher Claus-Peter Schrack nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend sagte, laufen noch letzte Gespräche zu einem möglichen Verkauf der "FTD". "Richtig ist, dass der G+J-Aufsichtsrat heute den G+J-Vorstand in seiner Aufsichtsratssitzung ermächtigt hat, einen Verkauf, Teilschließung oder Schließung der G+J-Wirtschaftsmedien vorzunehmen. Es laufen aktuell letzte Gespräche zu einem potentiellen Verkauf der "FTD", ein endgültiger Beschluss des Vorstandes ist damit noch nicht gefasst."
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" meldet derweil schon ein konkretes Datum für das Ende der "FTD": Ihren Informationen zufolge soll die Zeitung am 7. Dezember zum letzten Mal erscheinen.
Der G+J-Aufsichtsrat hatte am Mittwoch über den Vorschlag des Vorstands zur Zukunft der Sparte verhandelt. Das G+J-Management hatte die Einstellung der defizitären Wirtschaftszeitung "FTD" beschlossen. Das Hamburger Verlags- und Druckhaus will sich zudem von seinen Wirtschaftszeitschriften "Impulse" und "Börse Online" trennen. Nur das Monatsmagazin "Capital" will Gruner + Jahr fortführen.
Die "FTD" war im Februar 2000 erstmals erschienen. Seit ihrer Gründung machte sie Verluste. Insgesamt soll die Zeitung in zwölf Jahren ein Minus von 250 Millionen Euro eingefahren haben. Im Fall einer Schließung sollen Kündigungen nicht mehr im Jahr 2012, sondern erst 2013 ausgesprochen werden. Nach dem endgültigen Votum des Aufsichtsrats müssen noch die Familie Jahr und Bertelsmann als Gesellschafter zustimmen. In Gütersloh müsste die Entscheidung den Aufsichtsrat des Konzerns passieren - eine Sitzung ist für den 30. November vorgesehen. Wahrscheinlich wird das Gremium aber schon vorher zusammenkommen.
Die Redaktion der "FTD" hatte das Aus ihrer Zeitung am Mittwoch bereits angedeutet. "Die 'Financial Times Deutschland' steht vor der Einstellung", hieß es am Mittwoch auf der Homepage . "Jetzt warten wir die Entscheidung unserer Verlagsführung ab. Dann blicken wir nach vorn", heißt es in der kurzen Erklärung.
Eine Sprecherin des Betriebsrates der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien hatte gesagt, die Arbeitnehmervertretung erwarte, dass sie am Donnerstag über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung informiert werde. Das Gremium hatte sich zuvor in einer Erklärung entsetzt über Pläne des Vorstands gezeigt, "die rund 350 Mitarbeiter von 'Financial Times Deutschland', 'Capital', 'Börse Online' und 'Impulse' vor die Tür zu setzen". Der Betriebsrat forderte die Firmenleitung auf, "Arbeitsplätze an allen betroffenen Standorten zu sichern, oder angemessene Alternativen im Konzern" zu schaffen.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte an die soziale Verantwortung des Managements gegenüber den Beschäftigten appelliert. Sparmaßnahmen dürften nicht einseitig zu Lasten der Journalisten beschlossen werden, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in Berlin.
suc/syd/dpa
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