Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

NS-Dokumentation: Topographie des Terrors soll 2009 fertig werden

13 Jahre nach dem Beschluss, in Berlin das NS-Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" zu errichten, gibt es Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn. Den zweiten Architekturwettbewerb gewann heute das Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner.

Berlin - Nach jahrelangem Streit um Finanzen und Gebäudemerkmale soll das Berliner NS-Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" nun tatsächlich gebaut werden. Den bereits zweiten Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Geländes der ehemaligen Gestapo-Zentrale gewann heute das Berliner Architektenbüro Heinle, Wischer und Partner, wie das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mitteilte.

Topographie-Baustelle mit Zumthor-Türmen (2003): Alle Arbeiten gestoppt
DPA

Topographie-Baustelle mit Zumthor-Türmen (2003): Alle Arbeiten gestoppt

In dem Entwurf begeben sich nach Angaben der Architekten "Form und Situierung des Gebäudes" in einen Dialog mit dem benachbarten Martin-Gropius-Bau. Bewahrt werde aber durch den quadratischen, eingeschossigen Kubus eine "eindeutige Neutralität zum geschichtlichen Geschehen an diesem Ort".

Der geschäftsführende Direktor der Stiftung, Andreas Nachama, sagte der Nachrichtenagentur AP, er rechne nun für Herbst 2007 mit dem ersten Spatenstich. "Die Arbeiten werden voraussichtlich zwei Jahre dauern." Danach müsse die Ausstellung eingerichtet werden. Es sei mit rund 15 Millionen Euro Baukosten zu rechnen. Insgesamt stehen für das Projekt nach Angaben des Bundesamts für Bauwesen (BBR) 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die Finanzierung erfolge zu gleichen Teilen durch Bund und Land Berlin.

Mit dem Siegerentwurf zeigte sich Nachama laut AP zufrieden: "Es ist ein quadratisches, eingeschossiges Gebäude, das sehr hell ist". Die rund 2800 Quadratmeter große Halle sei rundum verglast und mit einem Metallgeflecht umgeben. Man könne von innen nach außen gucken, aber nicht umgekehrt. Es sei ein Entwurf gekürt worden, der eine dem "Lernort" angemessene Würde ausstrahle.

Den ersten Wettbewerb hatte vor 13 Jahren der Schweizer Architekt Peter Zumthor gewonnen. Nach immens gestiegenen Kosten wurden einige bereits errichtete Bauten jedoch vor zwei Jahren wieder abgerissen. Ursprünglich sollten auf dem Gelände die mehrfach preisgekrönten Entwürfe Zumthors realisiert werden, doch nach der Pleite einiger beteiligter Baufirmen und stark gestiegener Planungskosten wurden alle Arbeiten gestoppt. Zumthors Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen einen Abriss seiner drei bereits errichteten Treppentürme blieb erfolglos. Rund 15 Millionen Euro kosteten die Planungen, der Bau und der Abriss. 40 Millionen Euro hatte der Berliner Senat seinerzeit zur Verfügung gestellt, um das Zentrum zu errichten.

Zumthor wollte auf dem Gelände ein Zentrum errichten, das den historischen Boden nicht zudeckt. An dem Ort befanden sich zwischen 1933 und 1945 die wichtigsten Zentren der NS-Politik: die Geheime Staatspolizei, die SS-Führung und das Reichsicherheitshauptamt. Momentan informiert auf dem Gelände eine Freiluft-Ausstellung über die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte heute die Jury-Entscheidung für den neuen Entwurf. Er hoffe, dass mit diesem Neustart die "Topographie des Terrors" endlich zu einem "würdigen und angemessenen Gedenk- und Informationsort werden kann". Neumann wertete es als "positives Signal", dass sich sowohl die Stiftung als auch das Land Berlin und die Vertreter der Bundesregierung mit dem Entwurf identifiziert hätten. Nun könne die Kosten- und Ausführungsplanung mit den Architekten beginnen. Erst danach, so Neumann laut Agentur ddp, seien seriöse Angaben über die Kosten möglich.

Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) zeigte sich mit dem Entwurf zufrieden. Dieser überzeuge durch seinen zurücknehmenden Respekt vor dem Ort, ohne dabei auf eine eigene Formensprache zu verzichten. Flierl sagte, nach den schwierigen Prozessen um das ambitionierte Vorläuferprojekt könne die Stiftung nun davon ausgehen, dass das Gebäude in "naher Zukunft" bezugsfertig sein werde.

Insgesamt hatte die 13-köpfige Jury über 309 Entwürfe zu entscheiden. Der Wettbewerb war mit 100.000 Euro dotiert.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: