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NS-Gedenken: Streit über Bahngebühren für "Zug der Erinnerung"

"Faktischer Boykott des öffentlichen Gedenkens": Die Veranstalter der mobilen Ausstellung über im NS-Regime deportierte Kinder werfen der Bahn vor, maßlose Forderungen zu stellen. Die beruft sich auf das Diskriminierungsverbot: Niemand dürfe bei Trassengebühren bevorzugt werden.

Hamburg- Durch "maßlose Finanzforderungen", so der Sprecher des Vereins "Zug der Erinnerung", Hans-Rüdiger Minow, behindere die Bahn die Dokumentation des Schicksals tausender Kinder und Jugendlicher, die damals mit Zügen der "Deutschen Reichsbahn" in NS-Vernichtungslager gebracht worden waren. Die Veranstalter rufen zu Protesten gegen das Unternehmen auf.

Die Zeitzeugin Margot Kleinberger (l.) betritt auf dem Frankfurter Hauptbahnhof den "Zug der Erinnerung"
DPA

Die Zeitzeugin Margot Kleinberger (l.) betritt auf dem Frankfurter Hauptbahnhof den "Zug der Erinnerung"

Die Deutsche Bahn verlangt nach Auskunft des Vereins mehrere zehntausend Euro Trassengebühren, damit der Erinnerungszug das deutsche Schienennetz benutzen darf. Weiteres Geld soll für den Zugang zur Ausstellung auf den Bahnhöfen und die Beleuchtung der Exponate gezahlt werden. Dadurch, so die Veranstalter, würden sich die "staatlichen Erben der NS-Täter indirekt bereichern". Auch das Verkehrsministerium weigere sich, das Vorhaben zu unterstützen, "obwohl die Massendeportation europäischer Kinder und Jugendlicher von der staatlichen Vorgängerinstitution, dem Reichsverkehrsministerium, in Auftrag gegeben wurde".

Verkehrsministerium und Deutsche Bahn wiesen die Vorwürfe zurück. Die Bahn sei gesetzlich dazu verpflichtet, die üblichen Trassengebühren ohne Ausnahme in Rechnung zu stellen. Laut dem Diskriminierungsverbot dürfe niemand bevorzugt oder benachteiligt werden, so ein Bahnsprecher. "Bei den Gebühren geht es um keine Bereicherung, sondern um die reinen Kosten für die Nutzung der Infrastruktur". Ein Sprecher des Verkehrsministeriums kündigte an, die Bahn werde die eingenommenen Gebühren für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stellen.

Seit November rollt der "Zug der Erinnerung" auf den früheren Deportationsstrecken. Er transportiert eine mobile Ausstellung mit Biografien verschollener Kinder aus vielen europäischen Staaten. Rund 40.000 Besucher sollen die Ausstellung bisher gesehen haben.

esp/dpa

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