Kitschige NS-Devotionalie Hitler unterm Hammer

Ein Aquarell, das Adolf Hitler gemalt haben soll, wird versteigert - ausgerechnet in Nürnberg, der "Stadt der Reichsparteitage". Jetzt kommen Zweifel an der Echtheit des Gemäldes auf.

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Nürnberg/Berlin - Das Bild ist ein Jahrhundert alt, künstlerisch nicht gerade spektakulär - gerät aber zu einer veritablen Kunstmarkt-Posse: Ein Nürnberger Auktionshaus will am Samstag ein Aquarell verkaufen, das Adolf Hitler als junger Mann gemalt haben soll. Mindestens 4500 Euro müssen Interessierte für die obskure NS-Devotionalie bieten, auf der das Standesamt und der Turm des Alten Rathauses in München zu sehen sind.

Der erwartete Erlös liegt jedoch deutlich höher. Bis zu 50.000 Euro soll das unscheinbare Werk einspielen, wie Kathrin Weidler, Juniorchefin des gleichnamigen Auktionshauses, erklärte. Das liegt wohl weniger am künstlerischen Wert des Bildes als an einer kleinen Signatur unten links auf dem Gemälde: "A. Hitler" steht dort. Weitere Indizien für Hitlers Urheberschaft sollen ein "Schriftstück bez. Albert Bormann" sowie eine "Originalrechnung" vom 25. September 1916 sein. Die Rechnung wird zusammen mit dem Aquarell versteigert, wie das Auktionshaus Weidler im offiziellen Katalog mitteilt.

Das Bild entstand demnach vermutlich 1914. Zwei Jahre später, mitten im Ersten Weltkrieg, kaufte es ein Mann für 200 Mark im Münchner Gemälde-Salon Alois Baldauf, wie die "Mittelbayerische Zeitung" berichtet. Die Enkeltöchter des damaligen Käufers, zwei Schwestern aus Hessen im Rentenalter, bieten das Werk nun höchstbietend zum Kauf an. Kritik oder ethische Bedenken an der geplanten Versteigerung wies Weidler zurück: Beschwerden dieser Art sollten direkt an die derzeitigen Eigentümer des Werkes gerichtet werden.

Erinnerungen an die "Hitler-Tagebücher"

"Diejenigen, die das aufarbeiten wollen, sollen einfach anfangen und es aufarbeiten", sagte Weidler - es handele sich schlichtweg um ein historisches Dokument. Hitler versuchte sich zwischen der Jahrhundertwende und 1920 als Künstler, scheiterte jedoch mehrfach an der Aufnahmeprüfung der Wiener Kunstakademie. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hielt er sich mit Stadt- und Landschaftsansichten über Wasser, bevor er sich 1914 als Freiwilliger meldete.

In der NS-Zeit wurde die Echtheit des Bildes von Albert Bormann, dem jüngeren Bruder von Hitlers Privatsekretär Martin Bormann, attestiert. In dem kurzen Schreiben heißt es, dass es sich wohl "tatsächlich um eine der Arbeiten des Führers" handele. Trotz dieses "Zertifikats", der Hitler-Signatur und der Originalrechnung sind jedoch Zweifel an der Authentizität des Aquarells aufgekommen: Der Kunstfälscher Konrad Kujau habe mit ähnlichen Echtheitsbeweisen unter anderem 1983 angebliche Tagebücher des Diktators für mehrere Millionen Mark an den "Stern" verkauft, kritisieren Experten.

So seien die vielen angeblichen Beweise erst recht ein Grund zur Skepsis, wie zuletzt die "Welt" schrieb. Demnach ist zudem merkwürdig, dass auf der vermeintlichen Originalrechnung ursprünglich der Vermerk "Gemälde von Hiller" gestanden habe - und erst nachträglich ein Strich hinzugefügt worden sei, der "Hiller" zu "Hitler" korrigierte.

Das Interesse an dem Werk ist dennoch groß: Es gebe bereits Anfragen von vier Kontinenten, erklärte Auktionshaus-Sprecherin Weidler. Besonders groß sei das Interesse in Amerika, Japan und generell in Asien.

mxw/Reuters/AP



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