Obama-Skandal beim ORF USA attackieren Sender wegen Rassismus

Fehlgriff mit Folgen: Ein österreichischer TV-Journalist fiel in der US-Wahlnacht mit verbalen Ausfällen gegen Barack Obama auf. Jetzt haben die USA offiziell Protest dagegen eingelegt - vor allem, weil sich niemand in Österreich an den Entgleisungen zu stören schien.


Wien/Hamburg - So hübsch Österreich auch sein mag - das kleine Alpenland schafft es nur selten in die Schlagzeilen der internationalen Presse. Nach der US-Wahl war das allerdings anders: Rassistische Äußerungen eines ehemaligen Korrespondenten des österreichischen Rundfunks ORF sorgten für Entsetzen - zumindest außerhalb des Landes.

Journalist Emmerich: Ausfälle gegen Barack Obama
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Journalist Emmerich: Ausfälle gegen Barack Obama

Dass die Österreicher die Ausfälle ihres Landsmannes eher gelassen sahen, hat nun David F. Girard-diCarlo, US-Botschafter in Wien, dazu bewogen, in einem offiziellen Protestschreiben das Fehlen "jeder Art von öffentlicher Entrüstung" über den Affront in der Alpenrepublik anzuprangern.

Ursprünglicher Anlass für die Aufregung waren die Aussagen Klaus Emmerichs, vormals USA-Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ORF. Emmerich hatte in der Wahlnacht am 4. November vor geschätzten 1,2 Millionen Zuschauern im ORF-TV erklärt, er wolle sich "nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen".

In der TV-Diskussion nannte der bereits seit Jahren pensionierte Emmerich die US-Amerikaner "Rassisten", denen es "schon sehr schlecht gehen (muss), dass sie so eindrucksvoll (...) einen Schwarzen mit einer schwarzen, sehr gut aussehenden Frau ins Weiße Haus schicken".

Laut Emmerich wäre das ungefähr so, "wie wenn der nächste Bundeskanzler in Österreich ein Türke wäre". Später legte er mit weiteren Ausfälle gegen Schwarze nach. Dem "Standard" sagte er, er sehe in Obamas Wahl "eine äußerst beunruhigende Entwicklung", weil "die Schwarzen in ihrer politisch- zivilisatorischen Entwicklung noch nicht so weit" seien.

In dem am Freitag veröffentlichten Brief fordert der Wiener US-Botschafter nun den ORF-Chef Alexander Wrabetz auf, Emmerichs Ausfälle offiziell zu verurteilen.

In dem Schreiben des Diplomaten heißt es, er "verurteile diese rassistischen Äußerungen Emmerichs aufs heftigste. Sie sind ein Affront gegen den designierten Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika."

Girard-diCarlo beklagt "die Absenz von Entrüstung und Verurteilung seitens österreichischer öffentlicher Personen und Organisationen". Die USA erwarteten deshalb, dass der Intendant "die Kommentare Herrn Emmerichs" verurteile.

Auf Seiten des ORF versteht man die Position des US-Botschafters allerdings nicht so ganz. Sprecher Pius Strobl sagte, der Sender habe sich von Emmerichs Äußerungen bereits unmittelbar danach distanziert und entsprechende Stellungnahmen an führende US-Medien übermittelt. "Mehr können wir nicht tun."

tdo/dpa



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