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Öko-"Echo": J.Lo im Polo

Von Thomas Schulz

Zwang zur Bescheidenheit: Zur "Echo"-Verleihung am Sonntag sollen die Stars von Jennifer Lopez bis Bono im umweltfreundlichen Polo des Hauptsponsors VW vorfahren - statt im großen Phaeton. Jetzt herrscht Aufregung bei den Plattenfirmen: Kann man Popstars einen Kleinwagen zumuten?

Es wird ein ungewöhnliches Bild sein, wenn am kommenden Sonntag die Stars am roten Teppich zur "Echo"-Verleihung vorfahren: Statt der gewohnten endlosen Parade von Stretchlimousinen und Nobelkarossen mit getönten Scheiben wird dieses Jahr eine Kleinwagenflotte die erwarteten nationalen und internationalen Popstars von Simply Red bis Jennifer Lopez und Silbermond bis Tokio Hotel vor dem Berliner Palais am Funkturm abliefern.

VW hat sich im Zeichen der Klimadebatte entschieden, die prominenten Preisträger, Laudatoren und auftretenden Künstler in einer besonders spritsparenden Version des Polo (Modell BlueMotion) statt im Phaeton zu transportieren. Der Wolfsburger Konzern hat als einer der Hauptsponsoren die Exklusivrechte für den Shuttle-Service, der die Stars bei den Vorpartys oder im Hotel abholt und im Blitzlichtgewitter des roten Teppichs ablädt.

In Teilen der Musikindustrie herrscht nun blankes Entsetzen über die Polo-Pläne: "Wie soll ich denn meinen Stars klarmachen, dass sie sich im Abendkleid in einen Kleinwagen reinquetschen sollen?", stöhnt ein Musikmanager. Und ein anderer flucht: "Das ist ja mal wieder typisch deutsch." Zum einen fürchten die Plattenfirmen, dass vor allem die auch gerne mal mit prätentiösen Ansprüchen auffallenden internationalen Stars Luxusausstattung der Umweltverträglichkeit vorziehen. Es sei ohnehin nicht einfach insbesondere amerikanische Topstars für den deutschen Musikpreis nach Berlin zu holen, der sparsame aber wenig schillernde Transport könnte sie nun zusätzlich verschrecken, so die Befürchtung.

Zum anderen, heißt es bei den Musikmanagern, leide der Glamourfaktor der Veranstaltung doch erheblich, wenn statt Phaeton der Polo vorfährt. Zumindest einige Musikmanager haben bereits begonnen, auf eigene Kosten protzigere Ersatzfahrzeuge für ihre Künstler zu organisieren. Allerdings treffen die Polo-Pläne auch auf Zuspruch in der Branche: "Da können doch all die Stars, die in Interviews immer groß von ihrem Umweltengagement daherreden, endlich zeigen, dass sie es auch ernst meinen", so ein Plattenboss.

Auch bei VW ist man sicher, dass der umweltfreundliche Transport gut ankommt : "Wir sind überzeugt davon, dass die nationalen und internationalen Gäste des "Echo" gerne die Gelegenheit nutzen die Vorzüge des Polo BlueMotion – Dynamik, geringer Durchschnittsverbrauch und niedrige Emissionswerte - zu erleben", so VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem.

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