Wichtigste europäische Kunstschau Okwui Enwezor leitet Biennale von Venedig

Nach Documenta und Haus der Kunst übernimmt Okwui Enwezor das wichtigste europäische Kunstereignis des Jahres 2015: die 56. Biennale in Venedig.

Okwui Enwezor (in München): "Dialektische Referenzfelder"
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Okwui Enwezor (in München): "Dialektische Referenzfelder"


Der Direktor am Haus der Kunst in München, Okwui Enwezor, wird künstlerischer Leiter der 56. Biennale in Venedig. Biennale-Präsident Paolo Baratta hob am Mittwoch in Venedig dessen umfassende Erfahrungen hervor: "Okwui Enwezors Forschungsschwerpunkt liegt auf dem komplexen Phänomen der Globalisierung und ihren Bezügen zur Verwurzelung im Lokalen".

Enwezor selbst nannte die internationale Kunstschau, die vom 9. Mai bis 22. November 2015 ausgerichtet wird, den "den idealen Ort, um die dialektischen Referenzfelder Kunst, Politik, Technologie und Ökonomie zu erforschen". Der gebürtige Nigerianer hat in seiner Wahlheimat New York Literatur und Politikwissenschaften studiert. Er trat als Lyriker, Essayist und als Literaturkritiker in Erscheinung. Zudem war er Mitbegründer der Zeitschrift "NKA: Journal of Contemporary African Art".

Der 50-Jährige leitet das Haus der Kunst seit Oktober 2011, er unterschrieb seinerzeit einen Fünfjahresvertrag in München. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bezeichnete die Ernennung der Deutschen Welle zufolge als "außerordentliche Anerkennung" für die Arbeit Enwezors. Sie reflektiere den "internationalen Stellenwert, den Okwui Enwezors Wirken für das Haus der Kunst genießt".

"Radikale Antwort auf die neue Zeit"

2002 war Enwezor künstlerischer Leiter der documenta 11. Er verband bei der Kasseler Schau die Kunst mit aktuellen politischen Debatten. So setzte er eine Diskussion über die Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion auf die Tagesordnung. Die Resonanz auf sein theoriesattes Programm bei der documenta war überwiegend positiv. Die "Süddeutsche Zeitung" fand, er habe "eine radikale Antwort auf die neue Zeit" nach dem 11. September gefunden. Die "Welt" nannte ihn einen der "originellsten, forderndsten und manchmal auch anstrengendsten Kuratoren".

Zur Kunst sei er eher zufällig gekommen, durch befreundete Künstler und viele Ausstellungsbesuche, hat Enwezor selbst seine Entwicklung beschrieben. Internationale Aufmerksamkeit brachte ihm 1996 eine Ausstellung über afrikanische Fotografen ein, "African Photographers, 1940 - Present", sowie 1997 seine Tätigkeit als künstlerischer Direktor der zweiten Biennale von Johannesburg. Er kuratierte Ausstellungen und war bei Biennalen etwa in Kairo, Istanbul oder Sevilla aktiv.

Die Kunst-Biennale 2013 in Venedig war von Massimiliano Gioni geleitet worden. Sie lockte mehr als 475.000 Zuschauer an. Mit dem Goldenen Löwen wurde der Deutsch-Brite Tino Sehgal ausgezeichnet.

feb/dpa

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