Hamburger Dauerbaustelle: Elbphilharmonie kostet 789 Millionen Euro

Elbphilharmonie: Zehnmal so teuer wie geplant Fotos
DPA

Alle Nebenkosten sind jetzt berücksichtigt, "nach bestem Wissen und Gewissen" - das beteuert Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz: Der neue Preis für die Elbphilharmonie liegt bei 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant. Falls nichts dazwischenkommt.

Hamburg - Die Hamburger Elbphilharmonie wird den Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) insgesamt 789 Millionen Euro kosten - darin seien dann aber auch sämtliche Nebenkosten enthalten, sagte Scholz am Dienstag in der Hansestadt . "Nach bestem Wissen und Gewissen fehlt da nichts."

Anfang März hatte die Stadt mit der Baufirma Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Konzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis 2016 zum "Globalpauschalfestpreis" von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten.

Der Senat der Hansestadt hat diesem Neuordnungsvertrag am Dienstag zugestimmt. Nun muss noch das Parlament des Stadtstaates, die Bürgerschaft, der Vereinbarung zustimmen, was angesichts der absoluten SPD-Mehrheit erwartet werden kann. Stichtag ist der 30. Juni - hat die Bürgerschaft bis dahin nicht zugestimmt, ist das neue Vertragswerk hinfällig. Die Opposition murrt bereits über ein Hauruck-Verfahren.

Die Elbphilharmonie kommt den Steuerzahler damit mehr als zehnmal so teuer wie ursprünglich geplant, als das Hamburger Prestigeprojekt noch mit rund 77 Millionen veranschlagt wurde. Scholz sagte dazu: "Wenn man am Anfang den Mut und die Bereitschaft gehabt hätte, das Gebäude fertig zu planen und erst dann die Aufträge zu erteilen, wäre möglicherweise von Beginn an klar gewesen, dass man dieses anspruchsvolle Konzerthaus nicht für die damals vermittelten Summen errichten kann."

Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft hatte der damalige Bürgermeister Ole von Beust das Projekt im Februar trotz der rasant gewachsenen Kosten verteidigt.

Unter dem CDU-geführten Senat von Beust wurde die Idee für ein Konzerthaus als Wahrzeichen des neuen Stadtteils Hafencity entwickelt. 2003 stellte das Architekturbüro Herzog & de Meuron einen ersten Entwurf vor; 2007 wurde der Grundstein gelegt für den Bau, den die Firma Hochtief federführend ausführt.

Nach verschiedenen Streitigkeiten um Sicherheitsbedenken und Kostensteigerungen kam es im Oktober 2011 zum Baustopp. Seither verhandelten die Beteiligten um eine neue Grundlage für die Fertigstellung des Bauwerks, die mit den Neuordnungsverträgen gefunden sein soll.

Inzwischen ist die Baustelle schon zu literarischen Ehren gekommen: In dem Roman "Ueberdog" lässt der Autor Jörg-Uwe Albig seine Hauptfiguren, eine Gruppe Obdachloser, in der Bauruine der Elbphilharmonie leben.

feb/dpa

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insgesamt 262 Beiträge
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1. optional
Oskar ist der Beste 23.04.2013
mir dem Geld hätten Osdorf und Steilshoop nach über 40 Jahren endlich einen U Bahn Anschluß erhalten können...dieser Skandal ist ja nicht nur über die exorbinanten Kosten, sondern auch die Tatsache, daß dieser Bau im Wesentlichen der bürgerlichen Mittelschicht zu Gute kommt und ohnehin benachteiligte Quartiere in Hamburg einmal wieder nicht berücksichtigt sind.
2. geile Nummer........
ctwalt 23.04.2013
was kosten eigentlich vergleichbare Bauten? Berücksichtigt werden müsste natürlich, daß dort schon ein Gebäude stand, welches "nur" augestockt wurde. Ich freue mich schon auf die ersten Ergebnisse des Betriebs. Ich schätze, da gehen locker 25 Mio. im Jahr drauf
3. Flughafen - Transrapid
cyn 23.04.2013
So hätte man es in München auch machen sollen. 300 Mio. für den Transrapid veranschlagen und dann schrittweise auf 3Mrd. erhöhen - jeweils mit dem Argument: "Jetzt haben wir schon soviel investiert, nun darf es auch kein zurück mehr geben."
4. optional
wally1 23.04.2013
solange Politiker unser Steuergeld mit beiden Händen zum Fenster hinaus schmeißen können ohne dafür haften zu müssen ist es eine Frechheit vom Bürger Steuerehrlichkeit zu fordern!
5. Verhältnis verloren:
TangoGolf 23.04.2013
Zitat von sysopDPAAlle Nebenkosten sind jetzt berücksichtigt, "nach bestem Wissen und Gewissen" - das beteuert Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz: Der neue Preis für die Elbphilharmonie liegt 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant. Falls nichts dazwischen kommt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/olaf-scholz-elbphilharmonie-wird-789-millionen-euro-kosten-a-896040.html
Unfassbar unvorstellbar. Und das schlimme ist sogar, dass nach den vielen Zahlen im Milliardenbereich, die uns bezüglich der Griechenlandrettung entgegengeschleudert wurden, kommen mir 798 MILLIONEN ja schon verhältnismäßig wenig vor...
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