Olympia-Kosten Scharfe Kritik an ARD und ZDF

Die Olympischen Spiele in Peking waren den öffentlich-rechtlichen Sendern lieb - und vor allem teuer. Zu teuer, wie Politiker und Medienexperten kritisieren. Sie werfen ARD und ZDF verschwenderischen Umgang mit Gebührengeldern vor.


Berlin/Hamburg - FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hat ARD und ZDF wegen ihres hohen Personalaufwands während der Olympischen Spiele in Peking Gebührenverschwendung vorgeworfen.

Pressezentrum in Peking: ARD und ZDF im internationalen Vergleich Spitzenreiter
AFP

Pressezentrum in Peking: ARD und ZDF im internationalen Vergleich Spitzenreiter

"Deutschland muss keinen olympischen Rekord im Wettbewerb um das größte Fernsehteam aufstellen", sagte Niebel der "Bild am Sonntag". "Nicht jede Kamera und nicht jedes Mikrofon am Becken- oder Laufbahnrand war notwendig, um eine traurige Miene live zu senden. Mit unseren Gebühren muss man sorgsam haushalten", fügte er hinzu.

Mit rund 500 Mitarbeitern aus Redaktion und Technik berichteten ARD und ZDF nach eigenen Angaben aus Peking. 30 eigene Kameras ergänzten das Weltbild der IOC-Tochter BOB. Der deutsche Olympia-Kader bestand dagegen aus nur 436 Sportlern - rein rechnerisch waren die deutschen Olympioniken also journalistisch bestens betreut.

Im internationalen Vergleich der Öffentlich-Rechtlichen waren die deutschen Sender damit eindeutig Spitzenreiter. Die britische BBC berichtete mit 437 Mitarbeitern aus Peking, die italienische Rai mit 254, France Télévision sogar nur mit 160.

Das französische Staatsfernsehen gibt als Kosten für die Übertragung zwölf Millionen Euro an. ARD und ZDF machen hingegen dazu keine Angaben. Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, hält "Gesamtproduktionskosten beider Sender in Höhe von 40 Millionen Euro für realistisch".

Entsprechend hart kritisiert Doetz die öffentlich-rechtlichen Sender: "Mit dem Olympia-Motto 'Dabei sein ist alles' übertreiben ARD und ZDF maßlos. Die berichten 16 Tage lang aus Peking mit doppelter Besetzung, das ist eine unvorstellbare Geldvernichtung!"

Auch der Medienexperte Jo Groebel sieht große Sparpotentiale bei der Berichterstattung. "Es muss nicht sein, dass beide Sender Moderatoren und Reporter vor Ort haben, die nur für ihren Sender arbeiten. Ein ARD-Moderator kann durchaus auch mal für das ZDF vor der Kamera stehen und umgekehrt", sagte Groebel.

Walter Johannsen, Teamchef von ARD und ZDF, rechtfertigte sich in der Zeitung: "Wir nutzen vielfältige Synergien und verhalten uns so wirtschaftlich wie es eben nur geht bei einem Ereignis dieser Dimension."

tdo/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.