Beisetzung von Dissident Payá: Kubanische Opposition beklagt Festnahmen

Eklat in Havanna: Bei der Beisetzung des Bürgerrechtlers Oswaldo Payá haben Freunde und Mitstreiter lautstark ihren Willen zur Freiheit manifestiert. Die kubanische Polizei hat daraufhin Dutzende Oppositionelle abgeführt.

Festnahmen auf Kuba: Eklat bei Beisetzung von Oswaldo Payá Fotos
AP

Havanna - Nach der Trauerfeier für den tödlich verunglückten Dissidenten Oswaldo Payá sind am Dienstag in Havanna rund 50 Regimegegner festgenommen worden, darunter der bekannte Aktivist Guillermo Fariñas. Wie am Abend aus Oppositionskreisen verlautete, erfolgten die Festnahmen in der Nähe der Kirche von El Salvador del Mundo in Havanna, wo die Oppositionellen an der Totenmesse für Payá teilgenommen hatten.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von einem Großeinsatz von Polizisten in Zivil im Stadtviertel Cerro. Zu dem Polizeieinsatz kam es, als Fariñas und die anderen Dissidenten auf dem Weg zum Ort der Trauermesse im Viertel Cerro begannen, Slogans gegen die Regierung des kommunistischen Karibikstaates zu rufen. Fariñas ist ebenso wie Payá Träger des renommierten Sacharow-Preises für Meinungsfreiheit des Europäischen Parlaments. Der 50-jährige Soziologe, der aus Protest gegen die Regierung mehrfach in Hungerstreiks getreten ist, trug - wie viele andere Oppositionelle - ein Hemd mit dem Bild von Payá.

Papst Benedikt XVI. sendet Beileidsschreiben an Familie Payá

Einige der festgenommenen Regimekritiker waren am Dienstagabend kubanischer Ortszeit bereits wieder auf freiem Fuß, sagte Elizardo Sánchez, der Vorsitzende der Kubanischen Menschenrechtskommission. Am Morgen hatten die höchsten Repräsentanten der katholischen Kirche Kubas den Verstorbenen geehrt. Auch Papst Benedikt XVI., der Kuba zu Beginn des Jahres besucht hatte, ohne Repräsentanten der Opposition zu empfangen, sandte ein Beileidsschreiben an die Familie von Oswaldo Payá.

Oswaldo Payá war am Sonntag bei einem Autounfall im Osten der Insel ums Leben gekommen. Mit ihm starb der Dissident Harold Cepero. Laut der offiziellen Darstellung war der Wagen, in dem Payá unterwegs war, nahe der Stadt Bayamo im Osten der Insel von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Bei dem Unfall wurden auch zwei weitere Insassen im Wagen verletzt, ein schwedischer und ein spanischer Politiker. Angesichts von Zweifeln an der Darstellung des Unfallhergangs forderten Angehörige Payás indes eine Untersuchung der Geschehnisse. Ihrer Überzeugung nach wurde der Unfall von einem zweiten Wagen provoziert.

Bei den beiden leicht verletzten Ausländern in dem Unglückswagen handelt es sich um zwei 27-jährige konservative Aktivisten. Während der Schwede nach Havanna zurückkehren konnte, saß der Spanier, der den Unglückswagen gefahren hatte, am Dienstag weiterhin in Bayamo in Untersuchungshaft. Keiner von beiden äußerte sich bisher zum Hergang des Unfalls.

Der 60-jährige Payá galt als einer der wichtigsten Vertreter der Opposition in Kuba. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Insel wurde von Payá ein entscheidender Beitrag zu dem ersehnten Übergang des kubanischen Regimes zur Demokratie erwartet. Bereits vor einem Jahrzehnt hatte Payá versucht, ein Referendum über politische Reformen in dem kommunistisch regierten Land herbeizuführen. Das sogenannte Varela-Projekt war von der Regierung unter dem damaligen Präsidenten und Revolutionsführer Fidel Castro verhindert worden

bos/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Pressefreiheit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Kuba: 50 Jahre US-Embargo