Design-Preis Dein Sofa gehört mir

Eine App für alte Möbel? Mülleimer als Basketballkörbe? U-Bahn-Abluft für ein Gewächshaus? Um den erstmals vergebenen Orange Social Design Award von KulturSPIEGEL und SPIEGEL ONLINE konkurrieren viele gute Ideen. Hier die zehn besten.

Ein Sofa verrottet am Strand. Das muss nicht sein! Unten mehr dazu.
Corbis

Ein Sofa verrottet am Strand. Das muss nicht sein! Unten mehr dazu.

Von Vivian Alterauge und


Wie soll der öffentliche Raum gestaltet sein, in dem wir zusammen leben? Wie können wir das Leben in den Städten verbessern? KulturSPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben für den Orange Social Design Award Entwürfe gesucht, die Antworten geben auf diese Fragen. Mehr als 200 Ideen und Projekte wurden eingereicht, die meisten aus Deutschland, aber es waren auch Vorschläge aus den USA, Indien und China darunter. Die Jury hat aus den Einreichungen die zehn besten für die Shortlist ausgewählt.

Nun sind Sie an der Reihe: Bitte geben Sie Ihre Stimme der Idee, die Ihnen am besten gefällt. Noch bis zum 19. Oktober läuft hier die Abstimmung. Am 27. Oktober 2014 geben wir im KulturSPIEGEL und auf SPIEGEL ONLINE bekannt, wer beim Orange Social Design Award den Publikums-Preis gewonnen hat und wer den Jury-Preis. Beide Preise sind mit 2500 Euro dotiert.

Und jetzt stellen wir Ihnen noch mal alle Projekte kurz vor.

Left4U

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Das alte Sofa, seit Jahren steht es da, so viele Erinnerungen, so viel Ballast. Etwas Neues muss her. Aber wohin mit dem alten Ding? "Left4U" bietet eine Antwort auf diese Frage: Die App verknüpft denjenigen, der schenken will, mit demjenigen, der etwas braucht. Statt das alte Sofa womöglich zu einem verrottenden Stillleben vor der Haustür verkommen zu lassen, kann man es bei "Left4U" anbieten. Sucht jemand nach einem gebrauchten Sofa in der Umgebung, zeigt Left4U es mithilfe von Google Maps an. "Meine App hilft Menschen in Not und sorgt für mehr Sauberkeit in den Straßen", fasst die Berliner Entwicklerin Stephie Theodora die Ziele von Left4U zusammen.

Aber kann man nicht einfach das Sofa zum Flohmarkt bringen oder vom Sperrmüll abholen lassen - womit die App überflüssig wäre? "Left4U ist gerade für die Leute, die keine Zeit haben, ihre Sachen zum Flohmarkt zu tragen oder die Abholung zu koordinieren", sagt Theodora dazu. Sie verspricht, dass die App benutzerfreundlich und kostenfrei werden soll. Sie existiert momentan nur als Skizze, sollte aber möglichst bald für alle gängigen Smartphone-Modelle zu haben sein. "Die Herstellungskosten für die App sind minimal", sagt sie. "Die größte Herausforderung wird es sein, eine Nutzer-Community aufzubauen." Klappt Theodoras Plan, bewahrt Left4U bald nicht nur alte Sofas vor der Straße - sondern ermöglicht, dass sie Teil neuer Erinnerungen werden.


Living Lots

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Das Bild einer Stadt ändert sich von Tag zu Tag. Wo gestern ein Büroturm stand, kann heute schon eine Baustelle sein. Einige Flächen liegen einfach brach, unentdeckt, ungenutzt. Paula Z. Segal und Eric Brelsford aus Brooklyn wollen jenen Menschen helfen, die solche Areale neu nutzen möchten - oft, um gerade in ärmeren Vierteln mit Grünflächen einen Kontrast zum Grau der Betonbauten und des Straßenasphalts zu schaffen. "Wir arbeiten einem weit verbreiteten Missverständnis entgegen", sagen die Entwickler. "Wir wollen zeigen, dass öffentliche Brachflächen zugänglich sind und umgenutzt werden können." Dazu haben sich Segal und Brelsford Living Lots ausgedacht, eine Internetseite, die Punkte auf der Stadtkarte zeigt, die gerade ungenutzt sind.

Die Plattform speist sich aus den offiziellen Daten der Kommunen und Informationen der Nutzer - Open Data und öffentlicher Raum verschmelzen. Ihr Konzept haben Segal und Brelsford bereits für mehrere Städte angewandt - Los Angeles, New Orleans, New York, Philadelphia. Dabei fing alles klein an: Segal schuf aus dem nichts eine Grünfläche in Brooklyn, ihre Nachbarn schlossen sich an, heute bewirtschaften über 120 Menschen das ehemalige Brachland. "Paula wurde klar, dass sie und ihre Nachbarn mehr Informationen brauchen", sagt Brelsford über seine Kollegin. "Informationen, auf die Behörden und Immobilienmakler zugreifen können - von denen viele Stadtbewohner aber nicht wissen, dass sie existieren." Living Lots kann für mehr Grünflächen sorgen - vielleicht führt die Plattform aber auch dazu, dass der Reiz, selbst brachliegende Stellen zu entdecken, verloren geht?


Stadtathleten

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Schwitzen im Fitnessstudio? Das ist sooo 2001! Vielleicht haben sich Mirjam Strunk und Sven Lambrecht das gedacht, als ihnen die Idee zu ihrer Bachelorarbeit kam. Die zwei jungen Produktdesigner aus Schwäbisch-Gmünd entwarfen darin Stadtathleten, einen Parcours, der die Stadt zu einem Ort der Bewegung machen soll. Jeder Gehweg kann Laufbahn sein, jeder Zaun Klettergerüst. Stadtathleten ist für die gedacht, die neue Ecken in ihrem Viertel entdecken wollen, aber auch für jene, die sich nach Feierabend nicht zu weit von der eigenen Wohnung entfernen möchten. Strunk und Lambrecht wollen ihren Parcours durch Markierungen erkennbar machen - auf dem Asphalt wie in einer App. Bislang wurde Stadtathleten noch an keinem Ort dauerhaft umgesetzt, in Schwäbisch-Gmünd aber schon einmal erfolgreich getestet.

Stadtathleten knüpft an einen Trend an: Immer mehr Menschen machen Sport im öffentlichen Raum, Freeletics oder Parkour sind beliebte Sportarten, die sich das Stadtmobiliar zunutze machen. Schwitzen am Haltestellenhäuschen? Das ist sooo 2014! Neu ist die Idee also nicht. Das Innovative an Stadtathleten: Die App soll integrativ sein. "Unser Parcours soll allen Bürgern der Stadt zur Verfügung stehen, egal welcher Generation oder Schicht", sagen Strunk und Lambrecht. Um genau auszuarbeiten, wie ein Parcours auszusehen hat, der verschiedenen Bevölkerungsgruppen taugt, haben sie Fitnesstrainer und Sportwissenschaftler befragt - aber auch Bewohner eines Seniorenheims.


Team Play

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"Unachtsam werfen die Menschen ihren Müll überall hin", sagt Christina Herlitschka. "Um das zu ändern, werden sie durch meine veränderten Mülleimer zu Teamspielern gemacht." Die 28-jährige Kommunikationsdesignerin hat in ihrer Abschlussarbeit Team Play zwei Bereiche verknüpft, die auf den ersten Blick wenig gemein haben: Sport und Umweltschutz. Um Mülleimer herum gezogene Spielfelder sollen Passanten dazu ermuntern, ihren Müll nicht auf die Straße, sondern in den Papierkorb zu werfen - im besten Fall als sportliches Spiel, vielleicht sogar mit weiteren Fußgängern. Die Mülleimer sollen dazu mit großen Aufklebern markiert werden, damit auch Menschen, die gerade auf ihr Smartphone starren, aus dem Augenwinkel darauf aufmerksam werden.

Team Play soll nicht nur die Straßen sauber halten, sondern da ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, wo Menschen oft genug aneinander vorbeilaufen. Fraglich bleibt allerdings, wie bereitwillig Passanten, die ja oft ein Ziel vor Augen haben, sich dem spontanen Spiel hingeben. Auf Kölns Straßen hat Herlitschka dazu bereits Erfahrungswerte gesammelt. "Auf der Venloer Straße ist das Fußballfeld noch heute sichtbar", sagt sie. "Der Müll um die Tonne ist dort weniger geworden." Dass Herlitschkas Projekt erfolgreich ist, könnte daran liegen, dass es einen bekannten Wettbewerb aus Klassenzimmern und Großraumbüros auf die Straße trägt: Wer ist der Dirk Nowitzki des Papierkorb-Basketballs?


U-Rangerie

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Anhänger der aufwendigen Föhnfrisur verteufeln ihn, Permafröstelnde brauchen ihn: Den warmen Wind, der ins Gesicht bläst, wenn die U-Bahn einfährt. Sieben Architekturstudenten der Technischen Universität Berlin wollen diesen Luftzug nutzen, eine Grünanlage in der Berliner Gropiusstadt beheizen. Auch im Winter soll es im dicht bebauten Wohnviertel blühen. "Die U-Rangerie koppelt die Typologie eines öffentlichen Gewächshauses mit der relativ warmen Luft der U-Bahn", erklären die Studenten. Der Name U-Rangerie ist angelehnt an das Museum "L'Orangerie in Paris, wo Claude Monets Seerosen blühen. Im Spätsommer 2012, zur 50-Jahr-Feier der Gropiusstadt bauten sie einen Prototyp über einen U-Bahn-Schacht, aus Theaterleisten und Folien.

In der Sommerhitze konnte der Luftstrom sogar kühlend wirken. Ob das Prinzip auch umgekehrt, im Winter, funktioniert, haben die Studenten noch nicht ausprobieren können, sind aber zuversichtlich. Die erste U-Rangerie war als öffentlicher Ort, aber auch als Lern- und Spielort für die Kinder der direkt benachbarten Kita gedacht. Tatsächlich wurden die Studenten unter anderem von den Kindern der Kita zu ihrer Idee inspiriert. Die Kleinen nutzen den Luftzug als "U-Bahn-Föhn". Auch eine Idee: U-Bahn-Föhnfrisuren.


ZwischenZeitZentrale

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Geografin Sarah Oßwald, Architekt Daniel Schnier, und Raumgestalter Oliver Hasemann mögen offenbar Alliterationen für einen gutem Zweck. 2006 gründeten sie das Autonome Architekten Atelier (AAA) in Bremen, begannen, Stadtspaziergänge zu architektonisch spannenden Plätzen anzubieten. Seit vier Jahren vermitteln sie als ZwischenZeitZentrale (ZZZ) brachliegende Flächen oder leerstehende Gebäude an Zwischennutzer. Und haben schon über 2000 Anfragen bekommen, von Künstlern, Handwerkern oder Menschen, die Begegnungsorte schaffen wollen. Mal ruft ein Bauer an, der einen Blumenacker sucht, dann eine Modestudentin, die nicht weiß, wo sie ihre Abschlussschau stattfinden lassen soll.

Ein Beispiel für ihre Arbeit ist die Plantage 9, ein 1600 Quadratmeter großes Areal in einem ehemaligen Gewerbegebäude. Dort arbeiten Fotografen, Künstler, Grafiker, aber auch Fahrradbauer. In Bremen geht es vor allem darum, Leerstand von Gewerbeflächen zu füllen, anders als in Städten wie Leipzig, wo sehr viele Wohnungen nicht vermietet sind. Natürlich kann niemandem ein dauerhafter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden, es geht um Zwischenlösungen. Die aber auch mehrere Jahre lang gut funktionieren können. Wie man sich die Aufgabe der ZZZ vorzustellen hat? "Es ist nicht weit weg von dem, was ich als Planer machen würde. Wir kennen die Akteure auf der Zwischennutzerseite, verstehen aber auch, wie die Verwaltung tickt", erklärt Hasemann. Und so werden die beiden inzwischen sogar von Immobilienmaklern anrufen, die einen temporären Leerstand melden.


Hivette

Bangalore ist mit acht Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen Indiens - und mit über 300.000 Menschen, die in Slums leben, eine Stadt, die vom Bild der Armut geprägt ist. Kaushik Keshava Ramanuja und Benedict Merven wollen mit ihrem Projekt Hivette denen helfen, die obdachlos sind oder unter widrigen Umständen wohnen: in wackeligen Hütten, abgedeckt mit Planen, ohne Strom und Wasser. Ramanuja und Merven haben ein Konzept für mobile Häuschen aus recyceltem Plastik entwickelt, in denen diese Menschen leben könnten. Das Plastik wird von günstigen Kabelsträngen zusammengehalten und lässt sich, ähnlich wie Lego, frei erweitern.

Die Wohnungen aus Plastik sind sicher gegen Ratten und Moskitos und lassen sich einfach lüften. Dass die Bewohner der Plastikunterkünfte kein fließendes Wasser und keinen Strom haben, wird dank "Hivette" allerdings nicht gelöst. Die Entwickler wissen, dass sie noch vieles verbessern müssen. "Einen ersten Prototypen haben wir einem Obdachlosen-Paar gegeben", erklären sie. "Der zweite Prototyp wird nun aufgrund des Feedbacks der beiden designt." Ramanuja und Merven hoffen, dass ihre Idee nicht nur in Bangalore zum Einsatz kommen kann, sondern auch in anderen Slums.


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Öffentliche Gestaltungsberatung St. Pauli

"Wir finden, dass Design allen zur Verfügung stehen sollte", sagen Studenten für experimentelles Design der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg, "weil es viel mehr ist als nur schicke Edel-Möbel zu entwerfen." Diese Motto hat Professor Jesko Fezer beherzigt und 2011 die Öffentliche Gestaltungsberatung (ÖGB) gegründet. Wer seine Straße, sein Wohnhaus oder seinen Keller verschönern möchte, sich aber keinen professionellen Gestalter leisten kann, geht zur Sprechstunde der ÖGB -einmal wöchentlich in der Bar der Gemeinwesenarbeit auf St. Pauli.

Die ÖGB prüft keine Bedürftigkeit. "Wir gehen davon aus, dass zu uns keine Leute kommen, die Geld haben." Als Pilotprojekt funktionierten die Studenten einen Hausflur im Nieburg-Hochhaus am Ende der Reeperbahn zu einer Bar um. Auf ein Gläschen zusammenkommen - und etwas für das Wohnklima tun. Seitdem haben die Studenten rund 30 Projekte umgesetzt, überall dort, wo das Geld knapp ist. Sind sie von einem Anliegen überzeugt, vereinbaren sie einen Termin vor Ort, fertigen Skizzen und 3-D-Modelle an- und bauen drauf los. Kürzlich grübelten sie zum Beispiel, wie man die Fassade eines Innenhofes vor Graffitischmiererei schützt - zum Beispiel, indem man einem Graffitikünstler die gesamte Hauswand überlasst.

"Wir wollen zwischen den verschiedenen Gruppen und Kulturen vermitteln", sagt Charlotte Dieckmann, die gemeinsam mit Finn-Morten Heyer die ÖGB leitet. 20 Studenten beteiligen sich pro Semester. Die Kulturbehörde in Hamburg stellt ihnen jährlich 85.000 Euro zur Verfügung. Sogar im Ausland ist ihre Kreativität gefragt: 2012 reisten sie zur Design-Biennale in Istanbul und organisierten in einem brachliegenden Gemüsegarten gemeinsam mit den Anwohnern ein provisorisches Sportfest. 2013 wurden sie zum Belgrad Urban Incubator eingeladen., einem kreativen Stadtplanungsprojekt. Dort halfen sie einer Roma-Familie, deren Möbel bei einem Wohnungsbrand komplett zerstört wurden. Für sieben Personen bauten sie unter anderem Stühle und ein Schlafsofa. Hilfe für Bedürftige, Praxis für Studenten. Design kann sehr hilfreich sein.


Mitfahrerbank

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Vor dem Rathaus der Stadt Speicher steht seit kurzem eine türkisfarbene Bank. Wer sich darauf setzt, dem kann es passieren, dass ein Auto anhält mit der herzlichen Aufforderung: bitte einsteigen! Auch wenn dies auf den ersten Eindruck ungewöhnlich bis riskant klingt - die Mitfahrerbank soll sicheres Trampen ermöglichen. Auf einem fast angebrachten Klappschild kann man, eben ähnlich wie beim Trampen, anzeigen, wohin man reisen möchte. Zum Bahnhof zum Beispiel. Oder in die nächstgelegene Stadt, hier Bitburg. Plant ein Autofahrer dorthin zu fahren und hat noch einen Platz frei, so kann er anhalten und seinen Fahrgast einsammeln. Ganz analog und direkt, ohne Apps oder Buchungssysteme. Initiiert hat diese spontane Mitfahrzentrale die Caritas Westeifel. Sie analysierte den öffentlichen Nahverkehr, befragte Bewohner - und fand, kaum überraschend, heraus, dass Menschen ohne Auto sich wünschen, mobiler zu sein. Und so entwickelte Ursula Berrens, die Ansprechpartnerin der Senioren, gemeinsam mit einem kleinen Projektteam, das Konzept.

Vor allem ältere Leute sollen vom kostenlosen Transportangebot profitieren und nicht mehr auf Nachbarn oder Verwandte angewiesen sein. "Wir sprechen da schon einen Pfadfinderethos an - der aber doch noch in vielen von uns steckt"; sagt Ursula Berrens, Ansprechpartnerin der Senioren und Hauptinitiatorin. Versichert seien die Fahrten nicht, bei Unfällen greift die Haftpflicht des Fahrers. Das Projekt funktioniere mit einer Mischung aus Menschenkenntnis und Gemeinschaftssinn. In Speicher kennt man sich, vertraut sich. Doch Berrens glaubt, dass das Projekt auch in größeren Städten funktionieren könnte. Sie wünscht sich "spontane Mitfahrgelegenheiten auf der Kurzstrecke, ohne technische Hilfsmittel". Und das im Sitzen.


Prinzessinnengarten

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Der Duft von Rosmarin und Petersilie, liegt in der Luft. Und es grünt - egal, wohin man seinen Blick schweifen lässt. Zwischen der Prinzen- und Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg, am Moritzplatz, wächst seit 2009 ein 6000 Quadratmeter großer Stadtgarten, der Prinzessinengarten. Urban Gardening heißt das Prinzip, gärtnern in der Stadt. Was wildromantisch aus Töpfen, auf Verkehrsinseln zu grünen scheint, hat auf dem Moritzplatz System: Aus alten Bäckerkisten ranken Salat und Kräuter, aus einem recycelten Reissack hängt eine längliche Zucchini. Modulare Beete nennen die Gründer Elisabeth Calderon-Lüning, Marco Clausen und Robert Shaw das - jederzeit kann ihr Garten umziehen. Dort, wo die Stadt vor wenigen Jahren noch Parkplätze bauen wollte, gärtnern nun Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Zu fest angekündigten Gartenarbeitsstunden darf jeder mal gießen, Unkraut jäten oder Erde schaufeln. Oder unter Bambushainen eine Pause einlegen. Dabei geht es weniger um die Ernte und Selbstversorgung als vielmehr um das gemeinsame Erleben.

Mittlerweile gehen hunderte Menschen ein und aus im Prinzessinnengarten. Aus dem Pilotprojekt ist eine gemeinnützige GmbH erwachsen, die bis zu 25 Mitarbeiter beschäftigt. Nationale und sogar internationale Presse berichtete über ihre Idee. 60 Gartenableger in Kitas, Universitäten, Schulen und anderen Organisationen haben "Nomadisch Grün", wie sie ihre GmbH nennen, mitinitiiert. Sowie den Aufbau anderer urbaner Gartenprojekte in verschiedenen Städten wie Hamburg oder Baden-Baden unterstützt. Für mehr Kräuterduft in der Stadt.




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