Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer "Party von Form und Farbe"

Oskar Schlemmer gilt als einer der großen Bauhaus-Stars, er liebte das "Herbe, Strenge" und wird bis heute für die "einmalige, gedankliche Tiefe" seiner Arbeiten gefeiert. Nun erinnert Google an den deutschen Ausnahmekünstler.


An diesem Dienstag feiert Google den deutschen Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer: Der Künstler wäre heute 130 Jahre alt geworden, und so sind auf der Startseite von Google mehrere Zeichnungen zu sehen, im Zentrum steht eine sich drehende mechanische Figur. Es ist laut Google eine Hommage an die "bahnbrechende Produktion" namens "Triadisches Ballett", die Schlemmer entwickelte und die im Jahr 1922 am Stuttgarter Landestheater Premiere feierte.

Mit drei Tänzern, zwölf Bewegungen und 18 Kostümen habe Schlemmers innovative Annäherung an das Ballett mit allen Konventionen gebrochen, heißt es in der Erklärung zu dem aktuellen Doodle. Schlemmer sei es darum gegangen, die Beziehung von Körper und Raum in neuer und aufregender Weise zu erkunden. Er selbst habe die Aufführung als "künstlerische metaphysische Mathematik" bezeichnet - und als eine "Party von Form und Farbe".

Googles Startseite am 4. September 2018
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Schlemmer wurde am 4. September 1888 in Stuttgart als jüngstes von sechs Kindern geboren. Er machte eine Ausbildung als kunstgewerblicher Zeichner und besuchte für ein Semester die Kunstgewerbeschule. Was er über alles liebe, schrieb Schlemmer 1913 in sein Tagebuch, sei das "Herbe, Strenge", auf jeden Fall nicht das "Blumenhafte, Duftige, Seidige, Wagnerische".

Schlemmer malte, stellte aus - und meldete sich freiwillig zum Dienst im Ersten Weltkrieg. 1915 schilderte er im Tagebuch die Gefahren, lenkte sich jedoch ab mit Gedanken über Kunst: "Was tut der Künstler? Er macht Unklares klar, Unbewusstes bewusst, Unmögliches möglich; stellt aus dem Chaos das Eine heraus, aus dem Vielfachen das Einfache."

Anfang der Zwanzigerjahre berief Walter Gropius Schlemmer als Meister an das Bauhaus in Weimar. Die Akademie war 1919 dazu gegründet worden, einer Generation von angehenden Künstlern, die den Ersten Weltkrieg durchlebt und das Trauma der Schützengräben nicht überwunden hatten, eine Ausbildung und Perspektive zu bieten. Im Bauhaus entstand eine bahnbrechende, zukunftsträchtige Ästhetik - und fast alle, die dort tätig waren, wurden legendär: Gropius, Feininger, Klee, Kandinsky und, und, und.

Mit dem Erstarken der NSDAP wurde die Veröffentlichung von Schlemmers Arbeiten schwerer und schließlich unmöglich. Ab 1938 arbeitete er für eine Malerfirma und später in einer Lackfabrik. Schlemmer starb am 13. April 1943 nach mehrmonatiger Krankheit in Baden-Baden (mehr zur Biografie Schlemmers erfahren Sie hier).

Im Laufe seiner Karriere hat sich Schlemmer immer wieder dem Mensch als Motiv gewidmet, dem Mensch im Raum, dem Mensch als zeitlose Ikone: Das bannte Schlemmer sein Leben lang, das macht seine kunsthistorische Bedeutung aus. Heute kann man sagen: Er hat die menschliche Figur in eine Moderne hinübergerettet, die so eifrig der Abstraktion, dem Kollektiven verfiel.

Nach Schlemmers Tod und dem seiner Witwe machte ein bizarrer Streit seiner Nachkommen beinahe jede ernsthafte Beschäftigung mit seinem Werk unmöglich. So wurden beispielsweise Leihgaben an Museen zurückgezogen und der Verbleib von zahlreichen Werken geheim gehalten (mehr dazu erfahren Sie hier).

Im November 2014 eröffnete die Staatsgalerie Stuttgart eine große Retrospektive zu Schlemmers Werk unter dem Titel "Visionen einer neuen Welt". Dazu hieß es damals: "Seit rund 40 Jahren sind die Arbeiten Schlemmers, die in ihrer unvergleichlichen Bandbreite und gedanklichen Tiefe einmalig sind, nicht mehr so umfassend in Deutschland zu sehen gewesen."

aar



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