Pädophilie-Debatte Parteienforscher Walter greift "taz" an

Streit um einen "taz"-Artikel über Jürgen Trittin: Wie der SPIEGEL berichtet, wirft der Göttinger Parteienforscher Franz Walter der Zeitung vor, seinen Beitrag über den Grünen-Politiker zugespitzt zu haben.

Parteienforscher Walter: "Das Anprangern hat eine andere Zunft gemacht"
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Parteienforscher Walter: "Das Anprangern hat eine andere Zunft gemacht"


Der Parteienforscher Franz Walter und die "taz" liegen im Clinch wegen eines Walter-Artikels zur Aufarbeitung der Pädophilie-freundlichen Vergangenheit der Grünen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.

Walter hatte darin enthüllt, dass der heutige Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin 1981 in Göttingen ein Wahlprogramm presserechtlich verantwortet hatte, in dem unter anderem die Straffreiheit von gewaltfreiem Sex zwischen Erwachsenen und Kindern gefordert wird. In der "taz" warf ihm Meinungsredakteur Martin Reeh daraufhin vor, er betreibe geschichtliche Aufklärung als "Kriminalwissenschaft", weil "der Politikwissenschaftler" einzelne Dokumente veröffentliche, ohne sie historisch einzuordnen. Auf diese Weise bewirke Walter "nicht Aufklärung, sondern fällt ins Mittelalter zurück: Er führt den Pranger wieder ein".

Walter reagierte prompt. In einer E-Mail an Reeh schreibt er, dass die "Passage zu Trittin" erst durch das Redigat in der "taz" "stärker gemacht" worden sei. "Ich verstehe das, aber jemand von der 'taz' sollte es nicht im Nachgang mir vorwerfen." Im ursprünglichen Text, den Walter an die "taz" schickte, geht es um Trittin nur in einem Satz. Erst die Redaktion habe dann Details aus dem Belegmaterial beschrieben. Ihm sei es immer "um Kontext und nicht um Anprangern" gegangen, so Walter. "Das Anprangern hat erst eine andere Zunft gemacht."

In seinem Schreiben wirft er der "taz" zudem vor, in der Pädophilie-Debatte "etliches noch nicht in der Form geklärt" zu haben, "wie Sie es postulieren". Reeh habe schlecht recherchiert, so Walter: "Ich bin Historiker, Politikwissenschaft habe ich nie studiert."

Die Redaktion habe "unklare Stellen kontextualisiert und präzisiert", sagt Chefredakteurin Ines Pohl. "Die Autoren haben die Fassung ausdrücklich autorisiert."

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guentherprien, 20.09.2013
1. Egal es hat Rot-Grün Sympathien gekostet und das ist auch
gut so ! Der Niedergang der Grünen wird beschleunigt, - noch besser.
waldorf_statler 20.09.2013
2. Rechercheur & Redakteur
Wie sagte Herr Walter doch: ich bin Historiker... Und ich sage: Auch Bildunterschriften können lügen. Gute Besserung
Kriegsgegner 20.09.2013
3. Was ist denn Herr Walter im wahren Leben...
ich kann diese Zunft, die mal Historiker, dann Politikwissenschaftler und ein andermal Wahlforscher sein wollen, nicht "verknusen".
OskarVernon 20.09.2013
4.
Zitat von sysopDPAStreit um einen "taz"-Artikel über Jürgen Trittin: Wie der SPIEGEL berichtet, wirft der Göttinger Parteienforscher Franz Walter der Zeitung vor, seinen Beitrag über den Grünen-Politiker zugespitzt zu haben. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/paedophilie-debatte-parteienforscher-walter-greift-taz-an-a-923563.html
Herr Reeh darf es ruhig dem mündigen Bürger und Wähler überlassen, die aufgetauchten Dokumente einzuordnen!
Crom 20.09.2013
5.
Zitat von sysopDPAStreit um einen "taz"-Artikel über Jürgen Trittin: Wie der SPIEGEL berichtet, wirft der Göttinger Parteienforscher Franz Walter der Zeitung vor, seinen Beitrag über den Grünen-Politiker zugespitzt zu haben. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/paedophilie-debatte-parteienforscher-walter-greift-taz-an-a-923563.html
Tja, so ist das mit der Journalie, kennt man doch auch in anderen Bereichen. Es wird nicht das geschrieben, was ist sondern was möglichst viel Aufmerksamkeit verursacht.
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