Papst-Satire Junge Liberale mahnen Pressefreiheit an

Weiter Wirbel um "Popetown": Während kirchliche Gruppen protestieren, warnen junge Liberale davor, mit zweierlei Maß zu messen. Beim Streit um die Mohammed-Karikaturen sei die Pressefreiheit angemahnt worden, dann müsse sie auch gelten, wenn es um den Papst geht.


Bonn/Düsseldorf  - Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Johannes Vogel, erinnerte daran, dass im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen Anfang des Jahres immer wieder auf dieses Grundrecht verwiesen worden sei und sagte: "Wenn wir von Muslimen den Respekt der Pressefreiheit einfordern, müssen wir ihn auch gewähren, wenn es um die christliche Religion geht."

Eine Filmszene aus dem Comic "Popetown":  "Antiquiertes Geschmacksniveau"
DPA/ MTV/ BBC

Eine Filmszene aus dem Comic "Popetown":  "Antiquiertes Geschmacksniveau"

"Eine Auslegung der Pressefreiheit mit zweierlei religiösem Maß ist nicht akzeptabel", so Vogel. Dies gelte auch dann, wenn man sich selbst durch Artikel oder Sendungen verletzt fühlt.

 Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hatte zuvor geraten, die Serie nicht zu boykottieren, sondern ihr mit kritischer Distanz zu begegnen. 

Dagegen riefen einzelne Laienvertretungen der Katholiken zu Protesten gegen die von MTV geplante Papst-Satire auf. Das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster forderte vor allem Jugendliche auf, Protestbriefe und E-Mails an MTV zu schicken. Das Komitee hofft, dass sich die Jugendlichen, die zum Weltjugendtag dem Papst zugejubelt haben, nun "gegen diese bösartige Karikierung des Heiligen Vaters" engagieren. Man dürfe sich nicht alles gefallen lassen, sagte Margret Pernhorst, Vorsitzende der Laienvertretung.

Auch der Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Johannes Freiherr Heereman, ist gegen die Ausstrahlung von "Popetown". Diese Form von satirischer Unterhaltung auf Kosten von Papst, Kirche und Katholizismus sei beleidigend und verkörpere ein antiquiertes Geschmacksniveau, sagte er. "Destruktive Häme und Religionsveralberung" hätten die Gesellschaft in eine Sackgasse geführt.

 Die für den Jugendschutz zuständige Medienaufsicht MTV gestern aufgefordert, die Ausstrahlung der Papst-Cartoonserie "noch einmal zu überdenken".

MTV will die umstrittene Serie ab 3. Mai ausstrahlen. 

anr/dpa



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