Russischer Regimekritiker Pjotr Pawlenski zündet Pariser Bankfiliale an

Zugenähte Lippen und angenagelte Hoden: Der für seine spektakulären Protestaktionen bekannte Künstler Pjotr Pawlenski und seine Lebensgefährtin wurden am Montag verhaftet - wegen Sachbeschädigung.

Pjotr Pawlenski am Montag vor der Bankfiliale
AP

Pjotr Pawlenski am Montag vor der Bankfiliale


Der nach Frankreich geflohene russische Performancekünstler Pjotr Pawlenski hat in seinem Gastland mit einer umstrittenen Aktion für Aufsehen gesorgt: Er zündete eine Bankfiliale in Paris an und wurde am Montag wegen Sachbeschädigung verhaftet, wie die Polizei mitteilte. Bilder in sozialen Netzwerken zeigen den schwarz gekleideten Pawlenski vor der Bank, hinter zwei vergitterten Fenstern schlagen Flammen empor.

Mit seiner Aktion will er zur großen Revolution aufrufen, das berichtet die französische Fotoagentur Divergence Images. Der Aktionskünstler denunziert außerdem die Bankiers, weil sie an die Stelle der Monarchen gerückt seien.

Wie die Nationalbank Banque de France mitteilte, habe sich das Feuer in der Filiale in der Nähe des Bastille-Platzes ausgebreitet; sie bleibe deshalb vorerst geschlossen. Die Bank will den Künstler und seine ebenfalls verhaftete Lebensgefährtin Oksana Schaligina vor Gericht bringen.

Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung einer Theaterschauspielerin war der 33-jährige Pawlenski mit seiner Familie im Dezember 2016 zuerst in die Ukraine und später nach Frankreich geflohen. Dort hatte er erst im Mai dieses Jahres Asyl erhalten. In Russland drohen ihm zehn Jahre Arbeitslager.

Immer wieder spektakuläre Aktionen

Der Kreml-Kritiker, der in Sankt Petersburg geboren wurde und dort Wandmalerei studiert hat, macht immer wieder mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Im Juni 2016 wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er an den Türen der Zentrale des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB in Moskau Feuer gelegt hatte.

Einige Monate zuvor war er von russischen Behörden in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem hatte die Organisation Human Rights Watch damals kritisiert, dass seine Anwälte keinen Kontakt zu ihrem Mandanten aufnehmen konnten und stellte die Zwangseinweisung in den historischen Kontext des politischen Missbrauchs der Psychiatrie in der Sowjetunion: Damals wurden Regimekritiker systematisch in geschlossene Anstalten gesteckt, um sie als politische Gegner zu diskreditieren und mundtot zu machen.

bsc/afp



insgesamt 3 Beiträge
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markus_weinroth 17.10.2017
1. Interessant
Habe mir aus Neugier mal die alten Artikel über den Pjotr durchgelesen, als er nach Frankreich geflohen war. Damals hat man bei der Zeit z.B. die Vergwaltigung gar nicht erwähnt und das Opfer (Schauspielerin) als Spionen von Kreml dargestellt. Das gelegte Feuer nur am Ende des Artikels kurz erwähnt, aber auch als Kunst bezeichnet. Überhaupt wurde das Legen des Feuers in Russland als Kunst bezeichnet und der Mann verhaftet. Bei der Aktion in Frankreich wird es als eine Straftat bezeichnet und geschrieben, dass ihm 10 Jahre Gefängnis drohen. In Russland hat er nur eine Geldstrafe gekriegt, wenn ich das jetzt richtig gelesen habe.
susuki 17.10.2017
2.
Brände sind als Performance-Kunst ungeeignet. Die Hitze, der Rauch und die Angst kann schnell zu Toten führen. Ein guter Pyrotechniker oder Spezial Effect Profi hätte die Bilder ohne Menschen zu gefährden hingekriegt. Dumm!
geschwafelablehner 19.10.2017
3. war doch nur eine Performance
War doch nur eine Performance, und was in Russland richtig und gut war, kann doch jetzt in Frankreich nicht falsch sein!
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