Ai Weiwei und Herzog & de Meuron: Londons Pavillon für einen Sommer

Ein Provisorium als Meisterwerk: Jedes Jahr gestalten Stararchitekten einen Pavillon für die Serpentine Gallery. Diesmal lassen der Chinese Ai Weiwei und die Schweizer Herzog & de Meuron eine Kooperation wiederaufleben: Sie entwarfen bereits das Pekinger "Vogelnest"-Stadion.

Serpentine Gallery Pavillon: Amphitheater im Hyde Park Fotos
AFP

London - Nur die besten ihrer Zunft sind gut genug, wenn die Serpentine Gallery den Zuschlag erteilt: Seit 2000 errichtet jedes Jahr ein anderer Stararchitekt einen Pavillon für den Vorgarten des Kunstmuseums in der Londoner Park-Anlage Kensington Gardens - und kann seinem Können freien Lauf lassen. Diese Ehre wurde bereits Größen wie Rem Koolhaas, Peter Zumthor oder Daniel Libeskind zuteil.

Die einzige Bedingung ist, dass das Bauwerk innerhalb von sechs Monaten fertiggestellt sein muss - und die Baumeister haben die Vergänglichkeit ihres Pavillons zu akzeptieren. Denn er steht nur einen Sommer lang. Auch für den an diesem Freitag eröffneten Serpentine-Gallery-Pavillon gelten diese Regeln - er wird nur bis zum 14. Oktober existieren. Doch zumindest ist der Sommer, den dieses Bauwerk überdauern darf, ein besonderer: In London finden die Olympischen Spiele statt.

Passend dazu fand eine legendäre Kooperation ihre Neuauflage. Der chinesische Künstler Ai Weiwei und die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron hatten bereits das berühmte, markante "Vogelnest"-Stadion für die Spiele in Peking 2008 gemeinsam entworfen. Nun zeichnen sie für das Provisorium im Hyde Park verantwortlich - und würdigen damit auch die Arbeit ihrer Vorgänger.

Das Kunstwerk riecht!

Die Konstruktion der chinesisch-schweizerischen Kooperation befindet sich nämlich zum größten Teil unterhalb der Grasnarbe - und soll damit an eine archäologische Ausgrabungsstätte erinnern. Nur dass es diesmal die vermeintlichen Überreste der elf Vorgänger-Pavillons sind, die an dieser Stelle erforscht werden. Eine flache kreisförmige Wanne aus Stahl, in der sich der Londoner Regen sammelt und den Himmel spiegelt, überdacht in knapp eineinhalb Meter Höhe eine unterirdische Fläche, die mit ihren Stufen an eine Mischung aus einem antiken Amphitheater und einer Ausgrabungsstätte erinnert. Elf Säulen tragen das Stahldach und stehen laut den Architekten symbolisch jeweils für ein Vorgängerbauwerk.

Eine Besonderheit ist das Material der unterirdischen Ebene: Es handelt sich um Naturkork, der einen intensiven Geruch verströmt. Ebenfalls aus diesem Material sind die pilzförmigen Hocker, die die Besucher beliebig verschieben können und ebenso wie die Stufen am Rand als Sitzgelegenheit dienen.

Die Zusammenarbeit zwischen Ai Weiwei und den beiden Schweizer Stararchitekten fand unter erschwerten Bedingungen statt: Weil das Regime in China den Künstler und Dissidenten nicht ausreisen lässt, musste die gesamte Planung über Skype erfolgen - was nach den Aussagen der Beteiligten reibungslos funktionierte. "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet", sagte Ai Weiwei, der wegen der Reisebeschränkung auch nicht bei der Eröffnung in London anwesend sein konnte.


Serpentine Gallery Pavillon: Kensington Gardens, Hyde Park, London, bis 14. Oktober 2012

fdi/Reuters

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