Steinbrück ausgeladen: Dinner for One

Peer Steinbrück (SPD): Nichts zurückzunehmen, nichts zu essen. Zur Großansicht
dapd

Peer Steinbrück (SPD): Nichts zurückzunehmen, nichts zu essen.

Einsames Abendessen: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat zwei der drei Wahlgewinner in Italien als Clowns bezeichnet und durfte nicht mehr mit Italiens Präsidenten speisen. Also saß er allein in einer SPD-Kantine. Was er da wohl gedacht hat? Oder gedacht haben könnte? Stefan Kuzmany weiß es.

Was die schon wieder haben. Hab doch nur die Wahrheit gesagt. Und jetzt? Schon wieder so ein Schietsturm, oder wie das heißt, ich beschäftige mich mit sowas ja nicht, sollen andere machen. Nee! Ich habe nichts zurückzunehmen. Naja, erst mal was essen.

Was gibt's denn heute? Hackbraten, naja. Adlon wär schon besser gewesen, Kabeljau geräuchert, dann eine feine Taube, lecker Salzwiesenlamm und danach ein Stück vom guten Weinbauernkäse ... jetzt also Hack. Andererseits: Spar ich mir 'ne Menge Geld. Haben die hier wenigstens einen vernünftigen Roten? Mal sehen ... Chianti?!? Nein, bloß keinen Italiener. Jetzt erst recht nicht.

Wo bleibt denn dieser Ober? Überhaupt, mit dem Napolitano, das hätte ja sowieso nichts gebracht. Ob der überhaupt fähig gewesen wäre, meine fiskalische Analyse in ihrer ganzen Tiefe zu kapieren, wage ich ja dann doch mal stark zu bezweifeln. Perlen vor die Säue. Oder Trüffel vors Porco ... hehe. Aber wenn ich erst mal Kanzler bin, dann müssen die alle mit mir essen, dann können sie nicht mehr anders, und wenn dann jemand absagt, dann bin ich das.

Ja, wenn. Die Merkel macht es sich ja auch leicht. Schweigt einfach. Sogar, wenn der Berlusconi ihren Hintern kommentiert, tut sie so, als wäre nichts. Das sollte der sich mal bei mir trauen, das macht der nur einmal, der Clown.

Mir doch egal, dass der Napolitano abgesagt hat. Der weiß doch genau, dass ich seine Italiener gar nicht beleidigen wollte. Ich habe hier einen Wahlkampf zu führen, verdammt noch mal! So schwer ist das doch nicht zu begreifen!

Die scheinheiligen Unionesen regen sich mal wieder auf, war ja klar. Dass ich nicht lache. Die sollen mal nachlesen, was der Söder schon alles über Griechenland abgelassen hat. Da war ich ja geradezu zärtlich im Vergleich. Sollen sich mal alle nicht so haben.

Ach, eigentlich ganz nett, mal wieder allein zu futtern, hab ja kaum noch Ruhe. Mal memorieren, wie steht's denn in der Partie mit Helmut? Hab ich alles im Kopf. Das soll mir mal einer nachmachen. A-ha. Ja, kein Problem. Matt in acht Zügen, glatte Sache. Wenn alles gut geht. Den Helmut rufe ich gleich mal an und geb dem meinen Zug durch, wär doch gelacht, gewinnen lasse ich den nicht, bei allem Respekt.

Besetzt. Mit wem der nur wieder telefoniert? Ob mich auch noch so viele Leute anrufen, wenn ich mal in dem Alter bin? Als Altkanzler bestimmt. Aber erst mal Kanzler werden. Wird schon. Wird schon, Peer.

Wo bleibt denn jetzt der Ober!?! Unverschämtheit. Der kriegt gleich einen Spruch von mir: "Müssen Sie den Hackbraten erst aus Rumänien einreiten lassen?" Ja, einreiten, das ist gut, muss ich mir merken. Kann ich gleich am Wochenende einbauen, beim SPD-Bürgerkonvent. Was soll ich da überhaupt? Die wählen mich doch sowieso. Hm, oder vielleicht lieber die Königsberger Klopse?

Langsam bekomme ich aber echt Hunger. Sogar die schwarz-gelbe Regierung wird besser geführt als diese Frittenbude hier! Zumutung. Bloß keine schlechte Laune jetzt anmerken lassen. Wenn ich den Kellner jetzt anblaffe, landet das morgen wieder in der Zeitung, von wegen herrisch und arbeitnehmerunfreundlich. Wenn er wenigstens arbeiten würde, der Kellner. Dabei wollten sie mich doch so: Klar. Kantig. Klartext. Und dann regen sie sich auf. Verstehe ich nicht.

Jetzt hab ich's. Ich geh einfach doch rüber ins Adlon. Der Tisch ist ja bestellt, und wehe, da sitzt der Napolitano mit einem anderen. Das ist mein Tisch. Ich habe nichts zurückzunehmen. Auch da nicht.

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insgesamt 75 Beiträge
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1. unwürdig...
artista123 28.02.2013
gewinnen können sie nur mit Frau Kraft - ich schätze - er arbeitet darauf hin - dann wäre sein Verhalten klug...
2. Um ehrlich zu sein
didiastranger 28.02.2013
dies ist mal wieder einer dieser Artikel die man nicht ndbedingt lesen muss. Das Niveau wird immer niedriger. Ist was fuer so eine KaffKlatsch Nachmittag von Seniorinnen im Altenheim.
3. Zum Beispiel
Ottokar 28.02.2013
hat er gedacht wie froh er ist nicht dem Herrn belangloses Zeug reden zu müssen.
4. Leider wahr
Stelzi 28.02.2013
So tickt der wohl wirklich.
5.
birnstein 28.02.2013
Schon erstaunlich, welche Macht Berlusconi selbst hier in Deutschland zu haben scheint. Steinbrück hat in der Sendung Klartext nun mal Klartext geredet. Dass Herr Napolitano dann das Gespräch mit ihm absagt, ist noch nachzuvollziehen, nicht jedoch das deutsche Steinbrück-Bashing. Gestern haben noch alle auf Berlusconi geschimpft und plötzlich wird dieser ach so arme Mann von allen in Schutz genommen. Steinbrück wird mir langsam sympathisch.
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Steinbrück und die italienischen Clowns

Peer Steinbrück hat die italienischen Politiker Silvio Berlusconi und Beppo Grillo als "Clowns" bezeichnet - woraufhin Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano ein für Mittwoch geplantes Abendessen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten in Berlin absagte. War der Clowns-Spruch von Steinbrück ein Fehler?


Fotostrecke
Wahl in Italien: Die lange Nacht von Rom

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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