"Perle des Ruhrgebiets" Tana Schanzara ist tot

Sie wurde die "Perle des Ruhrgebiets" genannt und galt als Heidi Kabel des Kohlenpotts: Tana Schanzara. Volksschauspielerin, langjähriger Star des Bochumer Schauspielhauses und beliebte Fernsehdarstellerin ist im Alter von 83 Jahren gestorben.


Bochum - Tana Schanzara sprach auf der Bühne des Bochumer Schauspielhauses wie die Kumpel und Kioskgänger ihrer Dortmunder Heimat. Das Ruhrgebiet war ihr Zuhause, das sie außer zu Dreharbeiten oder kurzen Gastspielen selten verließ, hier wurde sie verehrt wie eine Heidi Kabel des Kohlenpotts. Einer ihrer größten Fans und Freunde war Hape Kerkeling. Am Freitagabend, ihrem 83. Geburtstag, ist Tana Schanzara, eine Volksschauspielerin im ursprünglichen Sinne, in einer Bochumer Klinik gestorben.

Geboren in Kiel, war die Tochter eines Opernsänger-Paares in Dortmund zu einer Zeit aufgewachsen, als die Hoesch-Stahlwerke noch ganz die Stadt bestimmten. "Ich wusste schon in der Schule, dass ich zur Bühne wollte", sagte sie später in Interviews. Schon beim ersten Vorsprechen bekam sie ein Engagement der Kammerspiele Bonn. Nach einigen Zwischenstationen landete sie 1956 beim Bochumer Schauspielhaus - und ging dort nicht mehr weg. In ihrer Garderobe stand ein Bett - zum Übernachten nach langen Proben. Außer dem Gründungsintendanten Saladin Schmitt hat sie am renommierten Bochumer Theater alle Chefs erlebt.

Schon in ihrer ersten großen Rolle als Hure in Bertolt Brechts Dreigroschenoper prägte Tana Schanzara den rauen, aber herzlichen Ton, der sie in einem hart arbeitenden Milieu zum Publikumsliebling machte. Die Schanzara trug das Herz auf dem rechten Fleck - egal, ob in komischen Nebenrollen oder als tragische Figur wie in Peter Turrinis "Tod und Teufel" - ein Gastspiel am Wiener Burgtheater, das ihr 1990 den Titel "Schauspielerin des Jahres" einbrachte.

In einer Region mit rund 300.000 organisierten Hobbysängern und unendlich vielen Bergmannschören jubelte das Publikum besonders, wenn Schanzara anfing zu singen. Sie hatte eine manchmal rotzige, volle Stimme, von der sie ohne Probleme durch Solo-Liederabende wie "Tana in New York" getragen wurde. Sprichwörtlich wurde in der Region ihr Radiohit "Vatta, aufsteh'n".

Außerhalb des Ruhrgebiets kannte das Publikum die Schauspielerin aus über 70 Kino- und Fernsehfilmproduktionen. So war sie in Hape Kerkelings "Willi und die Windsors" (1996) ebenso zu sehen wie in Helge Schneiders "Jazzclub" (2004) oder in Detlev Bucks "Männerpension" (1995).

Ohne Arbeit - "da würde ich ja nur noch im Bett rumliegen und Rotwein trinken", sagte sie in einem Interview zum 80. Geburtstag. "Ich möchte weitermachen, unbedingt." Dieser Wunsch hat sich für sie erfüllt. Sie hat weitergemacht, fast bis zum letzten Tag.

Rolf Schraa, dpa



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