Heute in den Feuilletons Von der Zerbrechlichkeit des Menschen in totalitären Regimen

Die "FR" erkennt in London die maximale Lakonik Ai Weiweis. "Zeit online" wüsste gern, warum selbst beim angeblich alternativen Lollapalooza-Festival so wenig Musikerinnen zu hören waren. Und die Kunstkritiker trauern um Jean-Christophe Ammann.


Efeu - Die Kulturrundschau

Literatur, 19.09.2015

In der Literarischen Welt unterhält sich Richard Kämmerlings mit dem norwegischen Autor Karl Ove Knausgård über dessen jetzt auf Deutsch erschienenes Buch "Träumen", das fünfte in seinem autobiografischen Romanzyklus "Mein Kampf". Diesen Band, in dem er seine schriftstellerischen Anfänge beschreibt, habe er in acht Wochen heruntergeschrieben, erzählt er. Es sollte das Buch sein, das er mit zwanzig schreiben wollte. Aber die Außenwelt lässt sich natürlich nie ganz ausblenden: "Beim ersten Band haben mein Lektor Geir Gulliksen und ich redigiert und manche Dinge herausgestrichen. Dann haben wir beide realisiert, dass dies nicht diese Art Projekt ist. Es ist eben auch die Dokumentation des Schreibprozesses. Es war ein Experiment, ich habe die ersten Bücher veröffentlicht, während ich an den nächsten schrieb, ich bekam bereits parallel Feedback von Leuten, die im ersten Band vorkamen. Die Grenze zwischen Literatur und Leben war zeitweilig aufgehoben. Meine Figuren kamen zu mir und stritten mit mir. Es war ein Jahr des Schreibens und dieses Jahr sollte im Buch selbst sein."

Dass Osnabrück den Dichter Adonis mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis auszeichnet, hält der syrische Philosoph Sadiq al-Azm für einen groben Fehler: Adonis' Treue zu Assad,  dessen Begeisterung für die islamische Revolution im Iran und daraus folgend sein angeblich mangelndes Engagement gegen die über Salman Rushdie verhängte Fatwa sollten ihn seiner Ansicht nach disqualifizieren, schreibt er in der FAZ: "Angesichts der hymnischen Gedichte und Aufsätze, in denen Adonis die islamische Revolution in Iran verherrlicht, ist es schlicht unaufrichtig, wenn er der syrischen Aufstandsbewegung eine Vermengung von Religion und Revolution vorwirft. ... Und dass er die dynastische Herrschaft des Schahs in Iran abgelehnt hat, die dynastische Despotie der Assads jedoch akzeptiert und verteidigt - diesen eklatanten Widerspruch kann er nur mühsam mit abwegigen und vieldeutigen Argumenten kaschieren." Hier eine Stellungnahme der Stadt.

Weitere Artikel: Katharina Borchardt unterhält sich in der taz mit der Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak, die in ihrem neuen Roman "Alle Farben Rot" das indonesische Massaker an Kommunisten und Oppositionellen im Jahr 1965 thematisiert. Beim Internationalen Literaturfestival Berlin diskutierten Schriftsteller über die Zukunft der Städte, berichtet Ulrike Baureithel im Tagesspiegel. Hubert Spiegel unterhält sich in der FAZ mit der Schriftstellerin Felicitas Hoppe. Nicht unamüsiert blättert sich Christopher Schmidt in der SZ auf der Suche nach Stilblüten und schwulstigen Sprach-Verrenkungen durch die Liebesszenen der aktuellen Romane diverser Literaturkritiker. Thomas Böhm besucht für die FAZ die in einem Liverpooler Park gelegene "Reader Organisation", in der sich Menschen zu angst- und druckfreien und daher therapeutisch offenbar sehr wirksamen Lesegruppen zusammen tun können. Dazu passend eröffnet die FAZ ihren neuen Online-Lesesaal mit einem Lesezirkel zu Jenny Erpenbecks Roman "Gehen, ging, gegangen".

Besprochen werden u.a. Salman Rushdies Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" (SZ, FAZ), Karl Ove Knausgårds "Träumen" ( taz , Tagesspiegel ), Steve Sem-Sandbergs Roman "Die Erwählten" ( NZZ ) und Comics von Charles Burns ( taz ).

Kunst, 19.09.2015

Mit großer Skepsis ist Harald Jähner für die FR zur großen Ai-Weiwei-Retrospektive in der Royal Academy of Arts nach London gereist, als Bekehrter kam er zurück. Denn der ephemere Internet-Ai ist vom konkreten Künstler-Ai sehr zu unterscheiden, wie er vor dessen Marmorskulpturen und bis ins Detail akribisch erstellten Großwerken feststellt: "Von der Zerbrechlichkeit des Menschen in totalitären Regimes ist leicht geredet; seine Wirkung hat sich Ai Weiwei erarbeitet durch das Herstellen von Kostbarkeit, die er in maximal lakonischen Dingen verwirklicht. Deren forcierte Handfestigkeit steht in einem äußersten Gegensatz zur bislang erzwungenen Virtualität seiner Existenz als legendenumstricktes Internetphänomen."

In der NZZ würdigt Samuel Herzog den verstorbenen Kunsthistoriker und Kurator Jean-Christophe Ammann, mit dem die Gegenwartskunst "einen ihrer schillerndsten Anwälte" verloren habe: "... wenn sich Ammann für etwas nicht interessierte, dann für Fragen des Geschmacks - denn Kunst war für ihn viel mehr, sie war Poesie, wie er auch vor fünf Jahren in einem Interview mit der NZZ betonte: 'Ich will Kunst als Poesie. Poesie! Kunst ist Poesie! Menschen brauchen Poesie. Das war von Anfang an so. Belehren tut die Theologie oder die Philosophie oder die Ethik. Aber nicht die Kunst. Kunst war immer Poesie.'" Weitere Nachrufe finden sich von Claus-Jürgen Göpfert ( FR ) und Julia Voss ( FAZ ).

Weitere Artikel: In der Berliner Zeitung spricht Silvia Perdoni mit dem Performancekünstler Mischa Badasyan, der ein Jahr lang jeden Tag mit einem anderen fremden Mann geschlafen hat. Luciana Ferrando besucht für die taz die Künstlerin Monika Brachmann in der Uckermark. In der NZZ annonciert Thomas Ribi die in Zürich geplanten Veranstaltungen zum 100. Geburtstag von Dada 2016. Und Peter Richter besucht für die SZ das frisch eröffnete Kunstmuseum "The Broad" des Sammlers Eli Broad in Los Angeles: Geboten wird ein erlesen kulinarisches Best-Of der hochpreisigen Kunst der letzten drei Jahrzehnte.

Besprochen werden die Ausstellung "The World goes Pop" in der Londoner Tate Modern ( Standard ), die Ausstellung "Oktoberfest Cathedrals" des Fotografen Michael von Hassel in der Münchner Rathausgalerie ( Welt ), eine Ausstellung von Wim Wenders' Fotografien in der Galerie Blain Southern in Berlin ( taz ), die Pop-Art-Schau in der Tate Modern in London, der laut Sebastian Borger ( FR ) "eine viel deutlichere Fokussierung (...) gutgetan" hätte, und die Hanne-Darboven-Doppelschau in Bonn und München (FAZ, mehr dazu hier).

Film, 19.09.2015

Hanns-Georg Rodek staunt in der Welt nicht schlecht: Bei den Oscars kommen alle Nominierten für den besten ausländischen Studentenfilm aus dem deutschen Sprachraum. Besprochen wird Constantin Wulffs Film über die Kinder- und Jugendpsychiatrie "Wie die anderen" ( Presse ).

Bühne, 19.09.2015

Ergriffen berichtet Dirk Pilz in der Berliner Zeitung von Armin Petras' "Münchhausen"-Inszenierung am Deutschen Theater in Berlin, wo Milan Peschel jegliche "Drolligkeit" des Abends mit seinem Spiel hinwegwischt und damit die Grundlage legt für eine Begegnung des Kritikers mit sich selbst. Dieser Abend war "unerhört mutig, weil nicht durch die üblichen Reflexionsseile abgesichert. Peschel spielt Peschel als einen, der sich selbst nicht über den Weg traut. Der vor den eigenen Verwandlungskünsten erschrickt, sich fremd gegenübersteht. Kurze Blicke, kleine Pausen - sie machen, dass die Inszenierung kippt. Sie wird zum Strudel, sie reißt einen auf ungesichertes Gelände. Die Erinnerungen kommen unkontrolliert, die Ängste, Hoffnungen, Zweifel."

Besprochen werden Sasha Waltz' Choreografie "Continu" in St. Pölten - erstmals mit Live-Orchester ( Presse ), Trajall Harells Choreografie "The Ghost of Montpellier Meets the Samurai" in Zürich ( NZZ ), die Uraufführung von Philipp Ruchs Stück "Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!" in Dortmund ( Welt ), Glucks "Orpheus" in London mit einem strahlenden Juan Diego Flórez in der Titelrolle ( Welt ), Felix Rothenhäuslers in Bremen aufgeführte Bühnenadaption von David Cronenbergs Roman "Verzehrt" ( taz ) und ein "Franz Biberkopf" in der Regie von Stephanie Mohr am Schauspiel Frankfurt (FAZ).

Musik, 19.09.2015

Kerstin Grether ärgert sich auf ZeitOnline, wie wenige Musikerinnen beim Lollapalooza-Festival in Berlin auftreten durften. Ihr Appell: "Ändern wir doch einfach diese Verhältnisse. Bilden wir eine kollektive Front gegen die Zumutungen des Musikgeschäfts! ... Widersprechen wir im Nahkampf und mit viel Übermut den ewigen, langweiligen Klischees. Erfinden wir neue Mythen und Blüten!"

Weitere Artikel: In der Welt eröffnet Max Dax sein Interview mit Bernard Sumner von Joy Division mit dem prophetischen Satz: "In Wahrheit sind die Achtziger nie vergangen." Seufz. Große Hoffnungen setzt Nicklas Baschek in der Jungle World auf die HipHop-Band Migos, die mit ihrem Debüt "Yung Rich Nation" nur wegen einiger Füller-Tracks knapp am Meisterwerk-Status vorbeischrammen, dafür aber in ihren Hits mit elaboriertesten, von Baschek detailiert beschriebenen Techniken zu begeistern wissen. Alexis Petridis freut sich im Freitag, dass Iron Maiden mit ihrem neuen Album keineswegs bloß den Hunger der Fans nach mehr vom selben bedienen. Mit einem Mahler-Konzert gelang Valery Gergiev "ein denkwürdiger Einstand", schreibt ein restlos begeistert Harald Eggebrecht in der SZ. In der Welt bittet Thomas Kielinger den Barpianisten des Londoner Ritz-Hotels Ian Gomes zu Tisch.

Besprochen werden das Debütalbum der Berliner Postpunk-Band Diät ( Pitchfork , hier im Stream), das neue Album von Mykki Blancos ( taz ), die "Edition 1" von King Midas Sound und Fennesz ( The Quietus ), eine CD-Box der seinerzeit von der DDR-Obrigkeit per Verordnung zwangsaufgelösten Rockband Renft ( taz ), Igor Levits Frankfurter Konzert ( FR ), das neue Soloalbum von Keith Richards ( FAZ ), das Album "Berlin" von Kadavar ( taz ) und diverse neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von Malakoff Kowalski ( ZeitOnline ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Europa, 19.09.2015

Die Welt druckt die Dankesrede Gérard Biards, Chefredakteur von Charlie Hebdo, zur Verleihung des M100 Media Award in Potsdam. Respekt und Blasphemie sind sein Thema: "In einer Demokratie muss das Recht auf Blasphemie geschützt und unantastbar sein, so wie alle anderen Formen der friedlichen Anfechtung der Macht. Sie ist eine der vielen Formen der Meinungs- und Gedankenfreiheit. Sie ist ein universelles Prinzip." In der FAZ berichtet Regina Mönch emphatisch über die Veranstaltung.

Im Tagesspiegel-Interview Joachim Huber und Christiane Peitz spricht Biard über das Lachen angesichts des Monströsen und stellt mehr als klar, dass sich die jüngst angefeindete Karikatur nicht gegen den Flüchtlingsjungen Aylan richtet, sondern gegen Europas Gleichgültigkeit: "Ich würde mir gerne erklären lassen, was an dem Bild rassistisch ist. Ich kann verstehen, dass es schockiert, wie jede gute Satire. Tausende Menschen suchen Zuflucht in Europa, wir sehen hunderte Fotos mit Flüchtlingen, und es ist uns egal. Und dann sehen wir dieses eine Foto, ein perfektes Bild, ohne Gewalt, als schlafe der Junge. Ein Symbol der Gesamtsituation: Auch angesichts der Flüchtlingstragödie machen wir weiter wie bisher, stellen unsere Fast-Food-Reklame auf."

Im Standard betont Paul Lendvai, dass Österreich  - entgegen Darstellungen des ZDF -, ungarische Flüchtlinge 1956 sehr großzügig aufgenommen hat. Den neuen Riss zwischen beiden Ländern, sieht er mit Schmerzen: "Die abstoßende Mischung aus Zynismus und Dilettantismus der Orbán-Regierung angesichts der beispiellosen Flut der Flüchtlinge verletzt die Grenzen des moralischen Zumutbaren. Der gewaltsame Ansturm der Grenze Ungarns durch Hooligans aus der Masse der verzweifelten Fremden - ungehindert von der serbischen Polizei - ist freilich ebenso zu verurteilen wie die Hassrhetorik von rechts in Österreich."

Für die taz trifft Martin Kaul Fluchthelfer, die unter anderem dem Aufruf des Kollektivs Peng! gefolgt sind, Flüchtenden über die Grenze zu helfen: "Hunderte Menschen sind in diesen Tagen und Nächten mit Privatautos und Mietwagen in serbischen, ungarischen, österreichischen und deutschen Grenzgebieten unterwegs. Teils fahren sie allein, teils in Konvois organisiert. Sie verlangen kein Geld dafür."

Medien, 19.09.2015

In der NZZ ist Heribert Seifert entsetzt über den hysterisch-kitschischen Kampagnenjournalismus, in den deutsche Medien in der Flüchtlingsdebatte verfielen. Überall sah man Bilder von weinenden Kindern, wer nicht in die Willkommenseuphorie einstimmen wollte, wurde mit "rabiatem Kommunikationsabbruch" bestraft. "Zu voller kritischer Wucht läuft man dagegen auf, wenn es den 'Kampf gegen rechts' aktivistisch zu befördern gilt. Sprachregelungen sind etabliert, Meinungskontrollen im Netz mit nachfolgender Denunziation beim Arbeitgeber werden empfohlen, Zensurforderungen sind gesellschaftsfähig. Sie finden Widerspruch nur bei unabhängigen Außenseitern."

Kritischer Journalismus in der Türkei ist fast nicht mehr möglich, berichtet Cigdem Akyol in der NZZ. Die Repressionen richten sich inzwischen auch gegen die Medien des mächtigen türkisch-sunnitischen Predigers Fethullah Gülen, die Erdogan jahrelang "jubelnd unterstützt" haben: "Doch als Gülen und Erdogan die mächtigsten Gegner - das Militär und die säkulare Opposition - in die hinteren Reihen verbannt hatten, begann der Streit um die Beute. Die Gülen-Medien vollzogen einen Kurswechsel und berichteten plötzlich regierungsfeindlich. Der Machtkampf eskalierte schließlich im Dezember 2013, als ein gewaltiger Korruptionsskandal die Türkei erschütterte. Seitdem wirft Erdo¿an der 'Bande aus Pennsylvania' vor, ihn stürzen zu wollen."

Weiteres: Im Blog der NYRB beklagt Leslie T. Chang, wie kritiklos sich Ägyptens Medien auf die Seite von Präsident al-Sisi stellen. Nicht einmal Videos, die zeigen, wie Polizisten Demonstranten erschießen, werden noch im Fernsehen gesendet: "Vier Jahre nachdem sich die Ägypter gegen das autoritäre Regime Hosni Mubaraks erhoben haben, zeigen die Medien im größten Land der arabischen Welt stärkere Unterstützung für eine Politik der harten Hand als unter Mubarak." Ana Maria Michel wirft in der FAZ einen Blick auf den Journalistenverband DJV, der 25 Jahre nach dem Mauerfall ein Problem mit Stasi-belasteten Landesvorständen hat.

Geschichte, 19.09.2015

Peter Payer schreibt in der NZZ zum 161. Geburtstag der ältesten Gebirgsbahn der Welt, der 1854 eröffneten Semmeringbahn. Visuell-ästhetisch wurde sie oft gewürdigt, meint er. "Dass ihre akustischen und olfaktorischen Emanationen von Beginn an eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielten, ist uns heute nur selten bewusst. Doch wie prägten Geräusche und Gerüche die Rezeption der Verkehrsstrecke? Wie wirkten sie auf symbolischer Ebene mit bei der Mythisierung der Semmeringbahn als nationale Ikone von Österreich?"

Ideen, 19.09.2015

In der NZZ denkt der Philosoph Iso Camartin über die "Sprache der Seele" und die "Seele der Sprache" nach: "Hat nicht jede Sprache auch ihre eigene Seele, etwas Unverwechselbares, bezwingend Schönes und Geheimnisvolles, das nicht ersetzbar ist, selbst wenn die besten Sprachkenner versuchen würden, es in eine andere Sprache zu übertragen? Ist die 'Seele einer Sprache' letztlich so etwas wie die verborgene Anziehungskraft, das ungelüftete Geheimnis, das Wohlbehagen und das Glück einer Sprache, das sie jenen vermittelt, die mit ihr vertraut sind?"

Urheberrecht, 19.09.2015

Im Guardian erklärt der russische Dichter Kirill Medwedew, warum er 2004 alle seine Werke freigegeben und auf jedes Copyright verzichtet hat: "Osip Mandelstam once defined acmeism, the poetic movement to which he belonged, as a 'yearning for world culture'. I think my rejection of copyright at that moment, my decision to release my work on to the internet without any claim of ownership, was a similar gesture of yearning for the international progressive intellectual, artistic and political movement that seeks a way out of neoliberal capitalism."

Religion, 19.09.2015

Beim Internationalen Literaturfestival Berlin versuchte der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka verzweifelt das Phänomen der Islamisten zu erfassen, berichtet Sieglinde Geisel in der NZZ: "Im Phänomen des islamistischen Terrorismus sieht Soyinka kein lokales Problem, sondern 'eine universale Heimsuchung'. In der Tat fügt die Zerstörung der Altertümer im Nahen Osten der gesamten Menschheit Verluste zu, deren Tragweite wir noch kaum ermessen können. Aus Fremdenhass sei Menschenhass geworden, so Soyinka: Die Islamisten zerstörten alles, was es an menschlichem Fortschritt, Kreativität, Errungenschaften gebe. Die Muster dieses neuen Extremismus hätten sich von jeder Ideologie gelöst, so spiele auch die Frage der Religionszugehörigkeit längst keine Rolle mehr. Statt 'Ich bin heiliger als du!' heißt es nun: 'Ich bin heilig, du bist tot!'"

Politik, 19.09.2015

In der FR blickt Arno Widmann auf die zentralasiatische Landkarte und sieht mit Chinas Neuer Seidenstraße das größte Bauprojekt in der Geschichte der Menschheit entstehen. Er hörte auf dem Internationalen Literaturfestival mit Bangen davon: "Dennoch beschwor Ahmed Rashid die Besucher seiner Veranstaltung: 'Die Neue Seidenstraße ist die letzte Hoffnung Zentralasiens. Wenn die Chinesen scheitern, wird Eurasien im Chaos versinken.' Es war ein ergreifender Moment, gerade, weil kaum zu erkennen ist, warum ausgerechnet China glücken soll, was in den vergangenen Jahrzehnten weder Russland noch den USA gelang: der wirtschaftliche Aufstieg und die Befriedung Zentralasiens. Wenn ein so nüchterner Beobachter wie Ahmed Rashid all seine Hoffnung ausgerechnet auf China setzt, dann bekommt man eine Ahnung davon, für wie verfahren er die Lage ansieht."

Im Tagesspiegel berichtet Ulrike Baureithel, wie sich Autoren auf dem Internationalen Literaturfestival in Berlin mit der Zukunft von Megastädten wie Lagos, Jakarta oder Karatschi befassten.



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