Heute in den Feuilletons "Die Altersrolle ihres Lebens"

Die Berlinale nimmt an Fahrt auf. Einen geradezu komödiantischen Kafka erlebt die "taz" am Deutschen Theater. Die "NZZ" fragt sich, ob man Solidarität in Flüchtlingsunterkünfte einbauen kann.


Efeu - Die Kulturrundschau

Film, 15.02.2016

Die Berlinale nimmt Fahrt auf. Wenn die Filmkritik den Goldenen Bären vergeben dürfte, könnte Mia Hansen-Løve sich bereits Hoffnungen machen: Ihr im Philosophenmilieu angesiedelter Film "L'Avenir" stößt auf große Begeisterung. Ekkehard Knörer verneigt sich in der taz vor der 35-jährigen Regisseurin, die er schon länger als "frühreife Könnerin" schätzt: "Ziemlich großartig ist es nun, wie souverän sie das Tempo variiert, die Klischees weniger meidet als mit genauen Beobachtungen zum Leben erweckt; wie sie immer genau da schneidet und springt, wo das Nötige gesagt und gezeigt ist. Scheu vor Melos und Wahrheit von Songs zur rechten Zeit hat sie sowieso nicht." Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel sah Isabelle Huppert "in der Altersrolle ihres Lebens." Auch Lukas Foerster vom Perlentaucher ist Huppert erlegen.

Im Perlentaucher empfiehlt Thekla Dannenberg, sich nach "L'Avenir" gleich André Techinés "Wettbewerbsfilm "Quand on a 17 ans" anzusehen: Anders als bei Isabelle Huppert bei Mia Hansen ist Begehren für seine Figuren nichts, worüber Rousseau schreibt, sondern etwas was sie aus der Bahn wirft.

Auch Gianfranco Rosis semi-dokumentarischer "Fuocoammare", der das Leben der Fischer auf Lampedusa im Lichte der Flüchtlingskrise schildert, ist eindeutig von Bärenrelevanz, meint Daniel Kothenschulte. Auch tazlerin Claudia Lenssen ist beeindruckt: Rosis Film "ist eines seiner Kunststücke in Sachen visueller und schnittdramaturgischer Opulenz und zugleich das Dokument seiner Fassungslosigkeit." Aus diesem Film spreche "ästhetische Moral und politisches Bewusstsein", schreibt Peter von Becker im Tagesspiegel. In der NZZ fragt sich Susanne Ostwald dagegen, ob der Film "noch ethisch oder schon voyeuristisch" sei, wenn Rosi erstickte Leichen zeigen und die Flüchtlinge in ihrem Elend zu einer anonymen Masse mache. "Während die Bilder der Flüchtlinge geradezu ins Sakrale gehoben werden, erstarrt Lampedusa zur Metapher für Europa", schreibt Thekla Dannenberg im Perlentaucher. Für den Tagesspiegel hat Christiane Peitz mit dem Regisseur gesprochen.

Anne Zohra Berracheds Abtreibungsdrama "24 Wochen" ist der einzige deutsche Film im Wettbewerb. Den fand Lukas Stern von critic.de reichlich schauderhaft: "Filme, die nicht zum Nachdenken anregen (es ist an sich schon fraglich, ob sie das leisten müssen), sondern mit dem mütterlichem Ernst von Tagesthemenkommentatoren zum Nachdenken auffordern, gehören in andere Jahrzehnte und zwar in vergangene." Der Film sei "von Konfektionsware" weit entfernt, schreibt Christiane Peitz im Tagesspiegel, meint aber: "Man fühlt sich ein wenig gegängelt: Nähe im Kino ist keine Frage des Kameraabstands." Auch bei SZ-Kritiker David Steinitz ist die Rede von einer "zermürbenden Überwältigungsstrategie". In der FAZ hält Dietmar Dath den Film für einen "der stärksten Momente auf dem Festival bisher." Anke Westphal von der Berliner Zeitung brach sogar in Tränen aus angesichts der "großen Wucht" des Films.

Ivo M. Ferreira bebildert im Wettbewerbsfilm "Cartas da guerra" Antonio Lobo Antunes' Briefe aus dem Krieg in Angola. Das Ergebnis fällt unangemessen erlesen aus, meint die Kritik: "Alles muss fürchterlich schön aussehen", ärgert sich Lukas Foerster in der taz. Perlentaucherin Thekla Dannenberg pflichtet dem bei: Sie sah "Bilder wie aus einem Band mit Magnum-Fotografien, nicht die Bilder eines Mannes, dem der Krieg die Seele zerrissen hat."

Außerdem im Wettbewerb: Denis Côtés "Boris Sans Beatrice" mangele es "an komischer Energie und narrativer Substanz", meint Stefan Grissemann in der taz, und hat Perlentaucher Nikolaus Perneczky "immer wieder genervt". Und Lee Tamahoris außer Konkurrenz gezeigtes Maori-Familiendrama "Mahana" "schillert in allen Pastelltönen der Nostalgie", erfreut sich Christian Schröder im Tagesspiegel, während Thomas Groh dem Film in der taz "Rosamunde-Pilcher-haftigkeit" vorwirft.

Jenseits des Wettbebwerbs: Im Perlentaucher führt Nikolaus Perneczky durch das Forum Expanded. Für den Tagesspiegel hat sich Helmut Merker das im Forum gezeigte Sonderprogramm mit japanischen Indiefilmen aus den Achtzigern angesehen. Bei Philippe Grandrieuxs "Malgré La Nuit", den die "Woche der Kritik" in ihrem Alternativprogramm zeigt, erlebt tazler Thomas Groh wie Körperkino in den Körper fährt. Kai Müller porträtiert im Tagesspiegel den syrischen Regisseur Avo Kaprealian, dessen "Houses without Doors" im Forum läuft. Im Tagesspiegel erinnern sich Volker Schlöndorff und Wolfgang Kohlhaase an das Jahr 1966, dem die Retrospektive der Berlinale gewidmet ist.

Besprochen werden außerdem die im Forum gezeigten Filme "Havarie" von Philip Scheffner (ein "kleines Kinowunder", frohlockt Lukas Foerster im Perlentaucher, bei Cargo gibt es ein Videointerview mit dem Regisseur), "Between Fences" von Avi Mograbi ( Perlentaucher ), "City of Jade" von Midi Z ( Perlentaucher ), "Barakah Yoqabil Barakah" von Mahmoud Sabbagh ( Berliner Zeitung ), "Lily Lane" von Bence Fliegauf ( Tagesspiegel ) und "Homo Sapiens" von Nikolaus Geyrhalter, der die Kritik sehr begeistert ( Tagesspiegel , critic.de ) sowie Tobias Nölles im Panorama gezeigter "Aloys" ( taz ), Kioshi Kurosawas im Berlinale Special gezeigter Horrorfilm "Creepy", der in Ekkehard Knörer ( taz ) einen großen Fan gewonnen hat, und Lewis Klahrs bei der "Woche der Kritik" gezeigter Collagenfilm "Sixty Six" ( critic.de ).

Mehr zur Berlinale im Laufe des Tages in unserem Berlinale-Blog. Schnelle Updates bieten die SMS, die die Cargo-Kritiker vom Festival schicken. Und bestens für ein Stimmungsbild geeignet ist der Kritikerspiegel von critic.de.

Weitere Themen


In der Berliner Zeitung schreibt Regine Sylvester über das "tragische Schattendasein" von Drehbuchautoren. Für die Zeit hat sich Georg Seeßlen Jürgen Rolands Filme aus der "Edgar Wallace"-Reihe angesehen.

Literatur, 15.02.2016

Im Guardian kann es Tracy McVeigh kaum glauben: Das in Britannien und den USA grassierende Elena Ferrante-Fieber lässt Neapel zum neuen Hotspot Europas.

Besprochen werden Karen Duves "Macht" ( taz ), David Grossmans "Kommt ein Pferd in eine Bar" ( Tagesspiegel ), Joseph McVeighs "Ingeborg Bachmanns Wien 1946-1953" (SZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Stian Holes "Morkels Alphabet" (FAZ).

Mehr aus dem literarischen Leben im Netz in unserem fortlaufend aktualisierten Metablog Lit21.

Musik, 15.02.2016

In der Jungle World referiert Christian Meier-Oehlke Leben und Werk der deutschen Jazzpianistin Jutta Hipp, deren gesammelte Aufnahmen gerade in einer edlen Box erschienen sind. Hipp ist in den Fünfzigern "etwas Außergewöhnliches" gelungen: "Sie ist die erste Europäerin, erste Frau und erst zweite Weiße, die vom aufstrebenden Blue-Note-Label von Alfred Lion und Francis Wolff, als gebürtige Berliner ebenfalls Migranten, unter Vertrag genommen wurde." Hier eine Aufnahme von 1956:



Weiteres: Jürg Zbinden lässt sich von der britischen Rockband Skunk Anansie erklären, warum sie nichts von Anarchie halten und auch nicht von den schönen Seiten des Lebens: " Superhappy ist nicht sehr inspirierend." Im Standard unterhält sich Daniel Ender mit dem Musiker und Comedian Aleksey Igudesman.

Besprochen werden das Debüt von Nils Frahms neuem Projekt Nonkeen ( Zeit ), eine Livevertonung des Stummfilmklassikers "Menschen am Sonntag" durch die isländische Band múm ( taz ), ein Konzert der hr-Sinfoniker mit Pierre-Laurent Aimard ( FR ) und ein Konzert von Anna Prohaska ( Tagesspiegel ).

Kunst, 15.02.2016

Besprochen werden Pierre Bourdieus kunstsoziologische Studie über Manet (SZ, mehr) und die große Hieronymus-Bosch-Schau in 's-Hertogenbusch (SZ).

Bühne, 15.02.2016

Mit ihrem waghalsigen Bühnenbild hat Andreas Kriegenburgs am Deutschen Theater in Berlin gezeigte Inszenierung von Franz Kafkas "Ein Käfig ging einen Käfig suchen" Katharina Granzin voll überzeugen können. Zudem habe man Kafka selten so witzig erlebt, schreibt sie in der taz, wie in dieser komödiantischen Deutung: "Dazu braucht es viel Körperarbeit, Schlittern über die schrägen Fußböden, Turnen über die Kanten. In sorgsam choreografierten pantomimischen Einlagen werden die kleinen Selbstvergewisserungsgesten aus dem Alltag eines einsamen Paranoikers vervielfacht und orchestriert."

Christine Wahl vom Tagesspiegel ist da schon unentschiedener: Dass aus dem Material "ein tagesaktuelles Pegidisten-Porträt" moduliert werde, findet sie zwar interessant, doch "so überzeugend die Lesart und so clever die Textmontage, so entschärfend wirkt der Abend leider auf der Inszenierungsebene. Irene Bazinger bescheinigt dem Abend in der FAZ zwar einen starken Auftakt, doch gerinne er zusehends "zur inhaltsleeren Kafka-Revue. Mit steigender Oberflächlichkeit geht ihr auch der Witz aus."

Weiteres: Im Freitag spricht Christine Käppeler vom Freitag mit Regisseur Nicolas Stemann über dessen Bühnenbearbeitung der dänischen Erfolgsserie "Borgen".

Besprochen werden Roberto Ciullis Düsseldorfer Inszenierung von Else Lasker-Schülers "Die Wupper" (SZ, Deutschlandfunk ), eine konzertante Aufführung von Jacques Offenbachs "Fantasio" an der Komischen Oper in Berlin ( Tagesspiegel ), eine an der Neuköllner Oper in Berlin aufgeführte "Elektra" ( Tagesspiegel ), Alexandra Liedtkes Inszenierung von Florian Zellers "Vater" an den Wiener Kammerspielen (FAZ), Max Emanuel Cencics Karlsruher Inszenierung von Händels "Arminio" (FAZ) und ein Bremer "Wozzeck" (FAZ).

Architektur, 15.02.2016

Gabriele Detterer untersucht in der NZZ, wie Architekten Toleranz und Solidarität in neue Unterkünfte für Flüchtlinge miteinzubauen versuchen. Beim Wettbewerb des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt fiel ihr der Entwurf von Yes Architecture (Ruth Berktold) auf: "Das Konzept variiert das Modul Schiffscontainer zu einer Gemeinschaftssiedlung mit Dorfcharakter. Mit aufgeständerten Containern, die durch Stege verbunden werden, soll der übliche Container-Stapelbau humanisiert werden. Nicht nur Immigranten, sondern auch Studenten und Lehrlinge könnten in dieses 'Dorf' mit Freiflächen und Gärten einziehen, heisst es. Utopisch? Man wird sehen, ob die Durchmischung eine Chance hat. Bis Ende März soll nach den Plänen von Yes Architecture in München eine Mustersiedlung errichtet werden."

In London gibt es immer mehr Proteste gegen die Privatisierung des öffentlichen Raums. Einer der Protagonisten der neuen Bewegung ist der Schriftsteller Will Self, wie der Guardian berichtet: "Die Leute begreifen gar nicht, wie einen das psychich beeinflusst. Es beengt einen in seinem Denken und seinem Handeln und es beengt die Fantasie. Als würden Zeit, Geld und Raum verschmelzen."


9Punkt - Die Debattenrundschau

Europa, 15.02.2016

Die polnische Regierung will dem bekannten Historiker Jan Tomasz Gross, der den polnischen Antisemitismus thematisiert hat, den Verdienstorden entziehen, berichtet Alex Duval Smith im Guardian: "Intellektuelle haben in den letzten Tagen zwei offene Briefe zu Gross' Verteidigung publiziert und sagen, dass das polnische Justizministerium die Geschichte neu schreiben und alle Anspielungen auf polnische Komplizenschaft tilgen wolle. 'Die Regierung sagt, Gross sei unpatriotisch. Aber er ist ein Patriot, der auf die dunklen und die hellen Seiten der polnischen Geschichte schaut', sagt Jan Grabowski, Professor in Ottawa, der zu den dreißig Unterzeichnern des ersten Briefs gehört."

Amol Rajan äußert in Politico.eu seine Zweifel, ob die britische Demokratie noch funktioniert. Einer der Gründe: das House of Lords. "Korrupt, käuflich, voller Strohmänner ist das House of Lords wohl die schändlichste Manifestation unserer demokratischen Malaise. Diese Männer (jedenfalls meistens) sind hier, weil sie das Recht von Geburt haben, so genannte Erblords. Auch Bischöfe sind da und entscheiden über das Gesetz des Landes und bekommen ihren Platz wegen ihres spezifischen Aberglaubens. Viele, wenn nicht die meisten, sitzen auf den roten Bänken, weil sie dafür bezahlt haben, wenn nicht mit Geld, dann mit ihrer Würde."

In der taz porträtiert Klaus-Helge Donath den einzigen Oppositionellen im russischen Parlament: Dmitri Gudkow. "Seine einsame Gegenstimme verleiht dem Parlament gar noch etwas Legitimität. Bei der Welle von repressiven Gesetzen ist auch sein Njet fast schon gesetzmäßig. Ob es um das Verbot der Adoption von Waisenkindern geht, das zunächst nur für die USA galt, dann aber auf alle Länder mit Homo-Ehe ausgeweitet wurde; ob um Attacken auf NGOs, die zu 'ausländischen Agenten' erklärt wurden; oder wenn westliche Stiftungen als 'unerwünsch¬te Organisationen' aus Russland verbannt werden sollen: wenn auf der Anzeigetafel 'Gegenstimme 1' erscheint, dann ist es die Stimme Gudkows."

Kulturpolitik, 15.02.2016

Cécile Amar porträtiert für das Journal du Dimanche die neue französische Kulturministerin Audrey Azoulay, die aus einer bildungsbürgerlichen jüdisch-marokkanischen Familie kommt (ihr Vater war Berater des marokkanischen Königs Hassan II, was nicht jeder als eine ehrenvolle Position bezeichnen würde). In dem Porträt spricht sie auch über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus: "'Ich habe nicht die geringste Erinnerung an Streitigkeiten über Identität oder an Antisemtismus.' (...) Bis sie mit zwanzig Jahren an die Elite- und Verwaltungshochschule ENA ging, hatte sie nie Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht: 'Es war ein Schock, hier habe ich den Antisemitismus des alten Frankreich kennen gelernt.'"

tazler Rolf Lautenschläger blickt betrübt auf die ersten Entwürfe für das geplante Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum: "Vom Hochhaus über lange Glaskisten bis hin zum antiken Museumshof scheint alles möglich. Aber etwas, das wirklich zwischen die Architekturikonen von Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie und Scharouns Philharmonie passt? Fehlanzeige."

Weiteres: In der FAZ berichtet der Islamwissenschaftler Stefan Weidner von Deutschland als Gastland bei einem Kulturfestival in der saudischen Hauptstadt Riad.

Ideen, 15.02.2016

Kreativ will heute jeder sein. Das verlangt Museen und Künstlern einiges ab, meint der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich, der dem Kreativitätsparadigma recht kritisch gegenüber steht. Er diagnostiziert in der NZZ eine "Tendenz, dass Künstler als Befreier oder Animateure fremder Kreativität auf bloße Dienstleister reduziert werden. Paradoxerweise bedroht die Idee vom kreativen Menschen tatsächlich niemanden so stark wie die Künstler: Statt ihre Kreativität ganz für sich nutzen und in große Werke umsetzen zu können, haben sie sie weiterzugeben und zu verteilen, ja sie sollen auf die Bedürfnisse all der Menschen reagieren, die in dauernder Sorge leben, ihr eigener 'innerer Künstler' könnte verkümmert sein."

In der Presse nimmt Philosophieprofessor Konrad Paul Liessmann die grassierende Reformierungswut aufs Korn. Statt das System zu verbessern, machen immer neue Reformen es nur komplizierter. Daran sind aber auch die Bürger schuld, meint Liessmann: "Wir Professoren trauen uns nicht mehr zu, Studenten informell über Prüfungsbedingungen zu informieren. Dabei gehört genau das zur Eigenverantwortung eines Professors im Rahmen der Freiheit der Lehre. Wir sehen aber nur mehr die Studenten, die womöglich der Willkür eines Professors ausgesetzt sein könnten! Es mögen hundert Professoren alles richtig machen, aber wenn sich einer falsch verhält, müssen wir eine Vorschrift für alle machen. Das heißt, wir müssen jetzt Semester für Semester die Prüfungsbedingungen genau dokumentieren und festlegen, denn es muss alles transparent, geregelt und einklagbar sein. Dann darf man sich aber über die Zunahme bürokratischer Vorschriften nicht beklagen."

Wissenschaft, 15.02.2016

Im Interview mit der taz erklärt der Ornithologe Bernd Brunner, warum wir in einer Epoche der Ornithomanie leben: "Vogelliebhaber gab es zwar schon immer, aber sie haben nun dank Internet ganz andere Möglichkeiten, sich etwa über Flugrouten auszutauschen oder enger mit wissenschaftlichen Ornithologen zu kooperieren. Die sind schließlich auf die Daten der Laien angewiesen. Dazu kommt der Hang zum 'Immer schneller, immer höher, immer weiter' - der Drang, Sensationen anzuhäufen, gehört in unsere Zeit. Das hat dann mit den Vögeln selbst nichts mehr zu tun, es geht nur noch darum, sich Respekt innerhalb einer Community zu verschaffen."

Urheberrecht, 15.02.2016

Die Grünen haben einen eigenen Gesetzentwurf zur Novellierung des Urheberrechts vorgelegt, der sich in manchen Punkten mit dem Der Regierung deckt. Petra Sorge stellt den Entwurf bei cicero.de vor. Ein wichtiger Punkt: "Die Grünen wollen auch ermöglichen, dass steuerfinanzierte Wissenschaftspublikationen frei zugänglich werden. So sollen Urheber an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Zweitveröffentlichungsrecht bekommen: 'Nach Ablauf von sechs Monaten bei Periodika und zwölf Monaten bei Sammelbänden' sollen sie ihre wissenschaftlichen Beiträge auch unentgeltlich der Öffentlichkeit zugängig machen dürfen. Sie könnten ihre Fachaufsätze etwa durch Creative Commons lizenzieren und ins Internet stellen - sofern die Forschung dazu staatlich finanziert war."

Geschichte, 15.02.2016

In der NZZ berichtet Thomas Ribi über erste Veranstaltungen zum 500-Jahre-Jubiläum der Zürcher Reformation 2019.

Gesellschaft, 15.02.2016

"Weltweit, so scheint es, wachsen zunehmend Mauern um die Räume, die Menschen brauchen, um sich zu versammeln, zu vereinen, frei zu äußern und ihrer Opposition Ausdruck zu verleihen", erklärt in der Welt Chris Stone, Leiter der von George Soros gegründeten Open Society Foundations. Darum sollten sich Bürgerbewegungen gegenseitig unterstützen, selbst wenn sie gegenteiliger Meinung sind: "Wenn staatsbürgerliches Engagement ausreicht, um einen ins Gefängnis zu bringen, und die Angst vor Überwachung massenhafte Passivität fördert, ist eine auf Einzelinteressen gründende Politik keine Erfolg versprechende Strategie. Der beste Weg, den öffentlichen Raum zu verteidigen, besteht darin, ihn zu besetzen, selbst wenn man sich für eine andere Sache engagiert als die neben einem stehende Person."

Medien, 15.02.2016

Feierliche Worte schreibt Giovanni di Lorenzo zu einer Sonderausgabe der Zeit , die ihren siebzigsten Geburtstag feiert: "Gerade in der jetzigen, von der Diskussion über Wahrheit und Lüge in den Medien so aufgeheizten Zeit darf es eine Leitlinie nie geben: dass nicht sein darf, was nicht sein soll." Im Rest des dicken Blattes erzählen Zeit-Redakteure, wie schön es ist, ein Zeit-Redakteur zu sein. Ob die streikbereiten Online-Kolleginnen (siehe unser Resümee von Samstag) zur Festivität eingeladen waren, wissen wir nicht.

Weiteres: Friede Springer will ihre Anteile am Verlag in eine Stiftung einbringen, damit der Verlag nach ihrem Tod im Sinn ihres Mannes fortgeführt werde - aber Springer-Vorsitzender Mathias Döpfner scheint mit ihrer Idee nicht einverstanden zu sein, berichten Carsten Knop und Holger Steltzner in den Wirtschaftsseiten der FAZ.



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.