Heute in den Feuilletons: "Dear Republicans, sorry about the election"

Nach einer aufregenden Nacht steht der Sieger dieser Wahlen fest: Nate Silver, so "Mashable", hat mit seinem Blog Fivethirtyeight 50 aller 50 Staaten richtig vorausgesagt. Die "NZZ" hält unterdes fest: Unser eigentliches Problem ist Sauerstoff. Und Glenn Gould spielt auf dem Wohltemperierten Klavier.

Aus den Blogs, 07.11.2012

Obama verkündete seinen Sieg zuerst per Twitter, kein Tweet wurde bisher so häufig weiterverbreitet, weiß der Guardian,

William Saletan hält in Slate einen Trost für die Verlierer bereit: "Dear Republicans, Sorry about the election. I know how much it hurts when your presidential candidate loses. I've been there many times. You're crestfallen. You can't believe the public voted for that idiot. You fear for your country. Cheer up. The guy we just re-elected is a moderate Republican."

Nachdem wir alle Barack Obamas Wiederwahl gewonnen haben, präsentiert Gawker einige Tweets von Verlierern, die das Blog so einleitet: "While most of us are celebrating Mitt Romney's defeat in the streets by legally smoking marijuana and gay-marrying randomly-chosen passers-by, not everyone is quite so happy."

Nate Silver und sein Blog Fivethirtyeight, das Wahlstatistiken aggregiert, ist ganz klar einer der Sieger der amerikanischen Wahlen, schreibt Chris Taylor in Mashable: "Fivethirtyeight, licensed and hosted by the New York Times since 2010, collects all polls and aggregates them in an algorithm that accounts for their historical accuracy. An electoral vote estimate, and the probability of each candidate winning, is offered. Famously, Silver's model predicted 49 out of 50 states in 2008, and everything but the exact number of GOP seats in the House (for which there were few polls) in 2010. As noted by the New Republic, Silver's traffic has been climbing precipitously - and on Monday, the day before the election, it accounted for 20% of all visits to the New York Times website." Und auch bei dieser Wahl hat Nate Silver Algorithmus funktioniert, ergänzt Taylor in seinem aktuellsten Artikel. "This year, according to all projections, Silver's model has correctly predicted 50 out of 50 states."

Weitere Medien, 07.11.2012

Ein erster Kommentar der New York Times: "Mr. Obama, 51, faces governing in a deeply divided country and a partisan-rich capital, where Republicans retained their majority in the House and Democrats kept their control of the Senate. His re-election offers him a second chance that will quickly be tested, given the rapidly escalating fiscal showdown." Auf der Homepage bringt die New York Times bereits eine ausführliche Bilderstrecke zur Wahl.

Die Tageszeitung, 07.11.2012

Cristina Nord unterhält sich mit der Regisseurin Ursula Meier über ihren Film "Winterdieb": "Gerade in Schweizer Filmen sind die Berge oft Symbol für Freiheit. Damit hatte ich ein großes Problem, weil mir das viel zu schlicht ist."

Besprochen werden die Retrospektive zum amerikanischen Maler R. B. Kitaj in Berlin und Ben Afflecks Film über die erfolgreiche Kooperation von Hollywood und CIA in der Geiselaffäre von Teheran "Argo".

Und Tom.

Die Welt, 07.11.2012

Matthias Heine liest einige neue Graphic Novels. Klaus Geitel schreibt zum Tod von Elliott Carter. Josef Engels erinnert an die Techno-Vorreiterband Fraktus, über die jetzt ein Film in die Kinos kommt. Tim Ackermann begutachtet die Neupräsentation der Sammlung im schicken Mitte-Bunker des Sammlers Christian Boros. Besprochen wird ein Konzert Bon Ivers in Deutschland.

Und dann noch eine Stilblüte über Rudolf Augstein auf der Forumsseite: "Klein von Statur, war ihm Fairness im Umgang mit dem Gegner fremd".

Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2012

Der Biochemiker Gottfried Schatz erklärt die Tragik des menschlichen Körpers, der eigentlich keinen Sauerstoff verträgt: "Selbst in gesunden Tieren und Menschen trüben Luftsauerstoff und seine hochreaktiven Stoffwechselprodukte im Verlauf des Lebens Augenlinsen und schädigen Netzhaut, Gehirn und die Erbsubstanz DNS. 'Antioxidantien' wie Vitamin C, Vitamin E und gewisse Pflanzenfarbstoffe sowie das Vermeiden von ultravioletten Strahlen können diese Schäden zwar verringern, aber nicht völlig verhindern. Im Sauerstoffgas der Luft welkt unser Körper unerbittlich wie ein Schattengewächs im Sonnenlicht."

Weiteres: Andreas Briner schreibt den Nachruf auf den großen Komponisten Elliott Carter, der Schönbergs Schärfe mit "amerikanischer Kühnheit" verband. Besprochen werden die Ausstellung "Goethe und das Geld" im Frankfurter Goethe-Haus, Peter Browns Studie zu Reichtum in der Spätantike "Through the Eye of A Needle", Joke van Leeuwens "Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor".

Süddeutsche Zeitung, 07.11.2012

Ach, wo sind sie nur geblieben, die Zeiten, als noch gute Reden darüber entschieden, wer Präsident der Vereinigten Staaten wird, und nicht der finanzielle Spielraum des Kampagnenkontos, seufzt Jan Füchtjohann: Wie weiland Kirk Douglas als Spartacus habe man früher noch die Massen für sich begeistern können. "Diese Zeiten sind längst vorbei. Um überhaupt gehört werden zu können, müsste Spartacus zunächst ein paar schwerreiche Sandalenfabrikanten davon überzeugen, ihm Milliarden Sesterzen zu geben."

Weitere Artikel: Catrin Lorch spricht mit Guido de Werd, dem Gründungsdirektor des Museum Kurhaus Kleve. Wolfgang Scheiber schreibt den Nachruf auf Elliott Carter. Reinhard J. Brembeck hört sich durch neue Cembalo- und Piano-Interpretation von Bachs "Woltemperirtem Clavier", mit dem der Komponist "tatsächlich die Kunstwelt verlassen und (...) der Sphärenharmonie Konkurrenz" macht.

Besprochen werden neue Pop-Veröffentlichungen, Kim Ki-Duks Film "Pietà", eine Ausstellung der Gemälde des Deutschen Historischen Museums in Berlin, ein Tschaikowsky-Abend mit Anna Netrebko im Münchner Gasteig, eine Inzenierung von Hauptmanns "Ratten" am Schauspiel Köln, neue Tanzvorführungen am Bremer Theater und Bücher, darunter Rainer Moritz' Monografie über den Autor Richard Yates .

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2012

Jochen Sander vom Städel-Museum in Frankfurt verteidigt das "Raffael und Werkstatt" zugeschriebene Julius-Porträt gegen den von der SZ erhobenen Vorwurf der "systematischen Aufwertung fragwürdiger Bilder": "Bei kaum einem anderen Ankauf eines deutschen Museums sind alle relevanten Fakten und Dokumente samt der intensiven Provenienz-Recherche bei der Vorstellung des Gemäldes so vollständig offengelegt worden wie im Fall des Julius-Bildnisses."

Außerdem: Was man heute so alles kaufen kann, listet ein Vorabdruck aus Michael J. Sandels neuem Buch auf, zum Beispiel: "Zellen-Upgrade im Knast: 82 Dollar pro Nacht." Hannes Hintermeier malt die möglichen negativen Folgen von Digitalisierung und Elephantenhochzeiten wie die von Random House mit Penguin und Mondadori aus. Gerhard R. Koch schreibt zum Tod des Komponisten Elliott Carter.

Besprochen werden Ursula Meiers Film "Winterdieb", eine Ausstellung zum Netzwerk des Kunstkritikers Will Grohmann im Lipsiusbau Dresden, eine Aufführung von Debussys und D'Annunzios Mysterienspiel "Le Martyre de Saint Sébastien" in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und Kim Ki-duks Film "Pietà".

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