Heute in den Feuilletons: "Mit Food Design gegen aufgetunte Pornokörper"

In der "Welt" spricht der Songwriter Stephen Stills über seine Schwerhörigkeit und über Ideen für Hörhilfen, die nicht barbarisch sind. In der "FAZ" empfiehlt Dominik Graf einen Fernsehfünfteiler von 1960. Die "taz" begeistert sich für die Punk-Künstlerin Linder.

Die Tageszeitung, 02.04.2013

Mit Begeisterung hat sich Julian Weber im Pariser Musée d'Art Moderne eine Schau der Künstlerin Linder angesehen, die mit ihren Collagen den Stil der englischen Punk-Cover geprägt hatte: "Sich selbst inszeniert die Künstlerin in einer Fotografie des Modefotografen Tim Walker als miedergepanzerte Hausfrau, die den Rasen eines Reihenhauses staubsaugt ("Oh Grateful Colors, bright Looks II" 2009). Stärker wirken ihre Collagen, in denen sie Gesichter von Pornodarstellern mit riesigen Augen und Mündern verfremdet. Den aufgetunten Pornokörpern von heute setzt Linder noch mehr Food Design entgegen, platziert noch größere Tortenstücke im Intimbereich. Aber sie sagt auch, dass sie Abbildungen aus den siebziger Jahren bevorzugt."

Weiteres: Fatma Aydemir liest erschüttert die Autobiografie der Semiya Simsek, Tochter des NSU-Mordopfers Enver Simsek. Einen müden Justin Bieber hat Jenni Zylka beim Konzert in Berlin erlebt. Micha Brumlik wirft einen Blick auf die Werbestrategien der evangelischen Kirche. Nuancen und etwas Empathie vermisste Katrin Bettina Müller in Michael Thalheimers Berliner Inszenierung der "Geschichten aus dem Wiener Wald".

Und Tom.

Die Welt, 02.04.2013

Der große Songwriter Stephen Stills, der gerade mit einer CD-Box Bilanz zieht, spricht im Interview mit Jan Küveler auch über seine Schwerhörigkeit, unter der er seit seiner Kindheit leidet: "Ich war ja nie ganz taub, Beethoventaub, mit dem Kopf auf dem Boden. In Louisiana kamen sie mit einem Bus an die Schulen und haben den Kindern Röhrchen ins Ohr gesteckt. Da entdeckten sie bei mir den Hörverlust, vor allem auf bestimmten Frequenzen. Inzwischen weiß ich viel mehr darüber. Ich bin übrigens entschlossen, eine gute Hörhilfe zu entwickeln. Was es nämlich bislang so gibt, ist barbarisch!"

Weitere Artikel: Wolf Lepenies klärt über das "Rating Game" auf, mit dem sich die Amerikaner über die Bedeutung ihrer Präsidenten auseinandersetzen - und über missgünstige Republikaner die Barack Obama keinen Platz im Olymp gönnen.

Besprochen werden ein Auftritt Justin Biebers in Berlin und Georges Courteline Stück "Sklaven", inszeniert von Andreas Kriegenburg, am Deutschen Theater.

Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2013

Mehr erwartet hatte sich Peter Hagmann von der Lyoner Uraufführung der Polit-Oper "Claude", für die Robert Badinter das Libretto nach einer von ihm entdeckten Novelle Victor Hugos geschrieben hatte. Martin Zingg stellt den schweizerisch-rumänischen Schriftsteller Marius Daniel Popescu vor. Joachim Güntner widmet sich dem Problem des funktionalen Analphabetismus.

Besprochen werden eine Herodes-Ausstellung im Jerusalemer Israel-Museum, die sich an die Rehabilitierung des verfemten Königs macht, sowie Neuerscheinungen von und über Bertolt Bertolt.

Aus den Blogs, 02.04.2013

(Via Peter Glaser) Auf dieser Seite erzählen sich freie Journalisten, was sie von den Medien so für Honorare bekommen und ob die Medien zuverlässig zahlen.

Süddeutsche Zeitung, 02.04.2013

Felix Stephan beobachtet ein Seminar der kostenintensiven, verlagseigenen Schriftstellerschule von Bastei Lübbe und attestiert diesem den gelungenen "Kunstgriff, die temporäre Realitätsflucht in beide Richtungen zu verkaufen, an die Leser und die Autoren". Für einen "Glücksfall" hält Gottfried Knapp die wegen Bauarbeiten neu und dichter sortierte Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, die jetzt auch seltener gezeigte Bilder aus der Sammlung ausstellt. Sehr angetan ist Andrian Kreye von Evgeny Morozovs neuem, netzkritischen Buch, in dem dieser den "Solutionism" der Digitalkultur, das Diktat zur Mach- und Lösbarkeit geißelt. Ira Mazzoni stellt drei aktuelle Restitutionsverfahren von Nazibeutekunst vor. Der Asperger-Autist ist zu einem neuen Sympathieträger in Serien und Filmen geworden, stellt Lara Weisbrod fest. Reinhard J. Brembeck resümiert das Lyoner Opernfestival Justice/Injustice. Lothar Müller gratuliert dem ungarischen Autor György Konrád zum 80. Geburtstag.

Besprochen wir das neue Strokes-Album, das Jens-Christian Rabe gleichermaßen gegen "Gelegenheitsindierocktrottel" und "Besserwisser" verteidigt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2013

In höchsten Tönen preist Dominik Graf eine uralte Fernsehserie aus besseren Tagen der öffentlich-rechtlichen Anstalten, Fritz Umgelters Fünfteiler "Am grünen Strand der Spree" (gedreht 1960, neu auf DVD), in dem fünf Freunde die Kriegszeit Revue passieren lassen. Auch der Holocaust wird in der Serie thematisiert: "Dort an der Hinrichtungsstätte ist der Film nur noch Schnee und langes Schweigen und das dezente Knattern von Maschinengewehren (von Effekt-Vertonung damals noch keine Spur)."

Weitere Artikel: Patrick Bahners berichtet im Aufmacher vom Kauf der Social Reading-Plattform Goodreads durch Amazon (das sich ja auch schon die Antiquariate abebooks und ZVAB einverleibt hat und auf dem Weg zum Monopol befindet).

Besprochen werden eine große Ausstellung über Pompeji im British Museum, Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" am Deutschen Theater Berlin, Konzerte der Berliner Maerzmusik, eine Aufnahme von Muzio Clementis "Gradus ad Parnassum", eingespielt von Alessandro Marangoni und Bücher.

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