Heute in den Feuilletons Ehrbare Ideale

Wolf Wondratschek bietet seine Gedichte jetzt lieber dem solventen Kunstmarkt als einem Verlag an. Die "Presse" unterhält sich mit Peter Handke übers Theater von heute, und die "SZ" findet, dass DJ-Kultur schwarz sein muss, um nicht nur Spaß zu machen.


Efeu - Die Kulturrundschau

Literatur, 23.02.2016

Etwas stutzig macht Rainer Moritz in der NZZ, dass in der nächsten Sendung gleich vier Autoren des Verlags Kiepenheuer und Witsch im Literarischen Quartett sitzen werden: "Worüber wird diese Kölner Runde debattieren? In keinem Fall über die viel- und kontrovers diskutierten Bücher der letzten Wochen, also kein Martin Walser, kein David Grossman, kein Abbas Khider, keine Karen Duve, kein William Boyd, kein Orhan Pamuk. Stattdessen über ein Werk von Antonia Baum, einer früheren Kollegin Volker Weidermanns aus der Redaktion der FAS, und über - wir sind nur mäßig überrascht - eine Novität aus dem Hause Kiepenheuer & Witsch, über Benjamin von Stuckrad-Barres Comebackversuch 'Panikherz'."

In der FAZ trifft Julia Ecke Wolf Wondratschek, der in Berlin an einem geheimen Ort Gedichte ausstellt, von denen man einzelne Exemplare für 9.800 Euro erwerben kann: "Erst im vergangenen Jahr machte er mit der Nachricht Furore, das Manuskript seines neuen Romans statt an einen Verlag an einen reichen Unternehmensberater verkauft zu haben, der seinen Text nun als Einziger besitzt. Wondratschek scheint auf den Geschmack solcher privaten Finanzierungsmodelle gekommen zu sein. Wenn die Verlage ihm keine anständigen Vorschüsse mehr zahlen wollen, sucht er sich sein Geld eben andernorts zusammen." Online gibt es ein Gespräch mit dem Autor und ein Mini-Filmporträt von Jim Rakete. (Bei Interesse: Terminabsprache unter wondratschek-originale@gmx.de.)

Eine sehr unterhaltsame Lektüre bietet das anekdotengesättigte Gespräch, das Sven Michaelsen mit Suhrkamp-Cheflektor Raimund Fellinger für das SZ-Magazin geführt hat. Unter anderem erfahren wir, warum Thomas Bernhard die Korrekturfahnen nie gegengelesen hat: "Weil er es gar nicht konnte. Kommata konnte der gar nicht, Rechtschreibung auch nicht. Bernhard schlug Unseld mal vor, seine Schulden beim Verlag durch Lektoratsarbeiten zu begleichen. Der Verleger reagierte mit erschrockener Abwehr. Statt diplomatisch formulierte Absagen zu tippen, hätte Bernhard in die Tasten gehauen: 'Wie können Sie Vollidiot so einen Mist schreiben und denken, dass der Verlag das auch noch veröffentlicht?'"

Weiteres: In der FAZ trauert Orhan Pamuk um seinen Kollegen Umberto Eco. Außerdem hat die FAS Claudius Seidls Nachruf auf Eco online nachgereicht. In der Zeit-Reihe "Das war meine Rettung" erzählt der israelische Schriftsteller David Grossman, wie ihn das Schreiben nach dem Tod seines Sohnes ins Leben zurück brachte: "Man fühlt sich zerschmettert, aber dennoch muss man seine Charaktere mit Leben füllen, mit Anekdoten, mit einem Sinn für Humor, mit Libido und Liebe."

Besprochen werden Noëmi Lerchs Debütroman "Die Pürin" ( NZZ ), Birgit Dankerts Michel-Ende-Biografie ( Welt ), Joanna Bators "Dunkel, fast Nacht" ( Tagesspiegel ), Kettly Mars' "Ich bin am Leben" ( SZ ) und Friederike Mayröckers "fleurs" ( SZ ).

Bühne, 23.02.2016

Laut Josef Oehrlein von der FAZ wird einem derzeit am Theater Heidelberg viel geboten in Johann Kresniks Heidelberger Inszenierung von Johannes Kalitzkes neuer Oper "Pym" nach Edgar Allan Poe (mehr hier): "Der Held der Geschichte gerät in Seenot, ertrinkt, verhungert und verdurstet fast, wird gefangen genommen, wird verschüttet. Es wird gemeutert und gemeuchelt, es fließt Blut, und es fliegen die Fleischfetzen bei einem kannibalischen Überlebensritual durch die Gegend ... Kalitzke hat eine aufgewühlte und aufwühlende, zwölftönig inspirierte Musik geschrieben. Unaufhörlich klöppelt, knarrt, klingelt, raschelt, grummelt, klimpert, brummt und jault es, Fetzen von Möwengeschrei und Walgesang sind auszumachen." In der Neuen Musikzeitung schreibt Frieder Reininghaus, dass sich "die Choreografie der geschundenen Körper zumindest gleichberechtigt zu den Dimensionen der Stimmen behauptet."

In der Presse unterhält sich Barbara Petsch mit Peter Handke, dessen Stück "Die Unschuldigen" am Samstag im Wiener Burgtheater von Claus Peymann uraufgeführt wird, über seine Vorlieben beim Theater: "Heute ist das Theater oft würdelos und austauschbar. Es werden Romane und Reportagen theatralisiert. Ich habe Tolstois 'Krieg und Frieden' wieder gelesen. Ein gewaltiges episches Werk wie Homer oder Wolfram von Eschenbach. Das kann man nicht auf die Bühne bringen! Es gibt so herrliche Dramenliteratur! Von Aischylos bis Goethe. 'Torquato Tasso'! Poesie entsteht dort, wo das arme Würstchen Mensch aufhört zu sprechen."

Marc Zitzmann weiß zwar, dass Musicals nichts für Menschen mit Geschmack sind, die Produktionen am Pariser Théâtre du Châtelet lässt er sich aber trotzdem gern gefallen: "Die Musik wird im Châtelet ernst genommen. Für 'Kiss me, Kate' fertigte der Dirigent David Charles Abell eine kritische Ausgabe an - Forschungsarbeit wie für eine Offenbach-Oper!"

Weiteres: Für die Nachtkritik führt Wolfgang Behrens durch aktuelle Theatermagazine. Für die FAZ berichtet Julia Dettke von einem Berliner Abend mit der Schauspiellehrerin Susan Batson. Zur Eröffnung des Tanzjahres 2016 gibt Manuel Brug in der Welt der Branche einige gestrenge Worte in Sachen Qualität und Exzellenz mit auf den Weg.

Besprochen werden die von Johanna Wehner inszenierte Uraufführung von Felicia Zellers "Zweite Allgemeine Verunsicherung" am Schauspiel Frankfurt ( taz , SZ , Nachtkritik ), Leos Janá¿eks Oper "Die Sache Makropulos" an Berlins Deutscher Oper ( Welt ), eine von Soe¬ren Voima und Christian Weise für das Berliner Gorki-Theater entwickelte "Othello"-Fassung ("zu laut, zu aufgedreht und zu verliebt in den Klamauk", urteilt Katrin Bettina Müller in der taz, Nachtkritiker Wolfgang Behrens spricht von "Brachialkomik-Plunder"), Stephan Kimmigs Stuttgarter Inszenierung von John von Düffels Tragödien-Compilation "Orest. Elektra. Frauen von Troja" ("das ekstatisch wilde Jammern und Schlachten lässt kalt", stellt FAZler Martin Halter zu seinem Bedauern fest), Nikolai Erdmans "Der Selbstmörder" am Berliner Ensemble ( Tagesspiegel ), Sebastian Hartmanns Inszenierung von Gogols "Revisor" in Frankfurt ( FR ) und eine "Iphigenie" in Frankfurt ( FR ).

Film, 23.02.2016

Besprochen werden "Colonia Dignidad" mit Daniel Brühl und Emma Watson ( FAZ ) und Peter Landesmans Sportdrama "Erschütternde Wahrheit" mit Will Smith ( SZ ).

Kunst, 23.02.2016

Der Künstler Hans Schabus reiste in 42 Tagen von der West- zur Ostküste der USA, mit dem Fahrrad als "Reflexionsmaschine", und Anne Katrin Fessler (Standard) erlebt in seiner Ausstellung im Salzburger Kunstverein, dass eine Tour de Force durch Sierra Nevada und Rocky Mountains eben doch Kunst sein kann: "Warum? Weil Schabus, in dessen Kunst es immer auch darum geht, Gedanken- und Ideengebilden einen Raum und damit auch einen physischen Körper zu verleihen, mit dieser Reise das Ziel verfolgte, dem Medium Zeit, jener nicht fassbaren Dimension, einen Raum - und dadurch eben auch einen greifbaren Körper - zu geben."

Die Ausstellung "Fluidity" im Kunstverein Hamburg macht sich Gedanken über Geschichte und Verbleib der Konzeptkunst im Zeitalter der Digitalisierung, erklärt Petra Schellen in der taz. Ihr Fazit: "Deren Form" habe sich "seit ihren Anfängen ins Gegenteil verkehrt, passend zur Ära der optischen Reize und der Geschwätzigkeit: Die Idee reicht nicht mehr. Es muss auch einen sichtbaren materiellen Anker geben."

Weiteres: In der NZZ feiert Barbara Fässler den Kritiker, Künstler und Kurator Gillo Dorfles, dem das Museo d'Arte Contemporanea di Roma eine Ausstellung widmet: "In der heutigen hochspezialisierten Welt repräsentiert Gillo Dorfles eine seltene und etwas anrüchige Gattung: das polyvalente Multitalent." Alexander Menden spricht in der SZ mit der Malerin Tomma Abts, die gerade einen neuen Londoner U-Bahnplan für die Westentasche gestaltet hat.

Besprochen werden die Stephen-Shore-Retrospektive im C/O Berlin ( SZ ) und Jim Heimanns Bildband "Surfing" ( SZ ).

Musik, 23.02.2016

Die ursprünglich aus der schwarzen Subkultur hervorgegangene DJ-Kultur ist in den letzten Jahren gründlich weißgewaschen worden, fällt SZ-Kritiker Jan Kedves auf: Ursprünglich in der schwarzen Subkultur entstanden, finden sich heute kaum noch schwarze DJs auf den wichtigsten Billing-Listen, schreibt er. Das dies neben der "Enteignung der Gründerväter" auch ein echter Verlust an historischem und politischem Bewusstsein darstellt, zeigt ihm ein neuer Mix von DJ Moodymann: "Er offenbart über 75 Minuten und 30 Stücke hinweg, bis ins letzte warme Schwellen der Rhodes-Orgel, ein enzyklopädisches Wissen um schwarze Musik und ihre Evolution ... Moodymann ist ein Meister im Einbauen solcher Brüche und Irritationen. Sie gehören zu einem DJ-Verständnis, nach dem DJs nicht nur die Chef-Bespaßer des Publikums sind, sondern immer auch ihre Erzieher. "

Besprochen werden das neue Album von Animal Collective ( taz ), die von Marc Minkowski dirigierte Eröffnung des Frankreich-Festivals im Berliner Konzerthaus ( Tagesspiegel ), ein Album mit Klassikinterpretationen von Nirvana-Hits durch Aysedeniz Gokcin und Ivan Shopov ( taz ), das Buch "Der Klang der Wut" des Pianisten James Rhodes ( Zeit ), das Album "Traditional Synthesizer Music" von Venetian Snares ( Pitchfork ), das neue Album von Kanye West ( The Quietus ), neue Tapeveröffentlichungen ( The Quietus )und Stephen Witts Buch "How Music Got Free" (FAZ, mehr dazu hier).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Europa, 23.02.2016

Der beliebte Londoner Bürgermeister Boris Johnson führt jetzt die seriösere Brexit-Kampagne an (die unseriöse wird vom Rechtspopulisten Nigel Farage dominiert, mehr dazu bei Politico.eu). In einem Artikel für den Telegraph scheut sich allerdings auch Johnson nicht, populistische Argumente gegen die EU zu bringen, die Patrick Worrall in einem Blogbeitrag für Channel Four auf ihren Wahrheitsgehalt prüft: Es ist zum Beispiel nicht richtig, "dass Eurokraten Standardgrößen für Kondome festlegen (die für Briten natürlich zu klein sind) und die in Britannien beliebten Chips mit Shrimps-Geschmack verbieten will - beides Meldungen, die mit Begeisterung von britischen Zeitungen verbreitet wurden, aber unwahr sind."

Rassismus gibt es in Deutschland nicht erst seit Clausnitz und Bautzen, stellt Arno Widmann in der Berliner Zeitung klar. Es wäre langsam Zeit, dass sich der Rechtsstaat dazu klarer positioniert, als er es bisher getan hat: "Die Polizei ist dazu da, von Gewalttätern bedrohte Menschen zu schützen. Wo sie das nicht tut, versagt sie. Wo sie immer wieder versagt, da wächst der Verdacht, dass die 'staatlichen Kräfte' der Demokratie eingesetzt werden, um deren Gegner zu fördern. Es wäre höchste Zeit, statt über eine antidemokratische sächsische Mentalität zu spekulieren, die Interaktion zwischen rechtsradikalen Bewegungen und Regierungen und Sicherheitsorganen des Bundeslandes zu untersuchen."

Das größte Versagen des Rechtsstaats, so Michael Hanfeld in der FAZ, hat damit zu tun", dass es den Rechtsextremen gelungen ist, den Slogan 'Wir sind das Volk' für sich zu okkupieren. Das fällt ihnen leicht, weil in Situationen wie in Clausnitz der Staat inzwischen nur noch in der Person junger, übermüdeter, überforderter Polizeibeamter präsent ist." In einem zweiten Artikel in der FAZ fragt sich Dietmar Dath, was die Demonstranten, die sich als "das Volk" bezeichnen, mit Volk meinen?

In der taz fragt Jagoda Marinic, wo sie eigentlich ihr Deutschland finden soll, etwa wenn sie abends den Fernseher einschaltet oder zur Wahl geht: "Wenn ich bald meinen Wahlzettel für die Landtagswahl abgebe, werde ich wählen können zwischen Winfried, Theresia, Nils, Guido und so weiter. Das ist selbst für meine urprungsdeutschen Freunde ein Problem, weil an diesen Namen auch abzulesen ist, dass nicht einmal meine Generation Macht hat. Ganz zu schweigen von meinen Kindheitsfreunden aus dem Mittelmeerraum und Osteuropa. Deutschland macht von diesen Ressourcen keinen Gebrauch. Mitten in der Europakrise sind die gebildete zweite und dritte Generation, die Brücken bauen könnten, unsichtbar."

Yanis Varoufakis erklärt im Interview mit Stephan Hebel von der FR, warum er dafür ist, den Gürtel zu lockern: "Was in Europa betrieben wird, ist gar keine Austeritätspolitik. Es ist einfach schlechtes Wirtschaften. Max Weber, ein Deutscher, hat Anfang des 20. Jahrhunderts das Buch 'Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus' geschrieben. Protestantische Ethik, das heißt: Gürtel enger schnallen und mit dem auskommen, was man hat. Ich sage: Das ist ein sehr gutes Prinzip für eine Familie, ein Unternehmen oder einen Fußballklub. Aber für eine große Volkswirtschaft ist es furchtbar."

Ideen, 23.02.2016

Kamel Daoud hatte nach den Ereignissen von Köln über die Psychopathologie der Sexualität in islamischen Ländern geschrieben. Darauf wandte sich gleich eine ganze Gruppe von Intellektuellen in einer Petition gegen ihn und warf ihm (und Boualem Sansal und Rachid Boujedra gleich mit, unsere Resümees und Links) Islamophobie vor. Dagegen argumentiert in der huffpo.fr der marokkanische Verleger Ahmed Charai: "Im Namen des Kampfes gegen Islamophobie untersagt man Intellektuellen, die in den Ländern, über die sie schreiben, leben zu kritisieren, was oft eher auf einen alten Konservatismus und nicht aus der Heiligen Schrift herrührt. Das ist eine sehr schwerwiegende Regression im Namen ehrbarer Ideale wie des Rassismus."

Geschichte, 23.02.2016

Marc Zitzmann besucht für die NZZ das wiedereröffnete Mémorial de Verdun.

Überwachung, 23.02.2016

Ab sofort darf das BKA deutsche Bürger mit derselben Software ausspionieren wie Ägypten und Bahrain seine Bürger, meldet bei Zeit online Hauke Gierow. Was genau das bedeutet, erklärt Marvin Strathmann in einem zweiten Artikel: "Kritiker befürchten allerdings, dass die neue Abhör-Software zur Quellen-TKÜ indirekt zu einem 'großen Lauschangriff' fähig ist. Über in Endgeräte eingebaute Kameras und Mikrophone könnte die Polizei damit ganze Wohnungen überwachen und Gespräche mitschneiden. Das würde auch Unschuldige treffen." Da nimmt man neue Meldungen, wonach die NSA die Bundeskanzlerin noch viel umfangreicher abhörte als bisher bekannt, doch nur mit einem Achselzucken hin.

Urheberrecht, 23.02.2016

(Via buchreport.de ) Was Urheberrecht angeht, sind die Deutschen fleißig dabei, ihre Rechtsinnovationen nach Europa zu exportieren. An einem europäischen Leistungsschutzrecht wird schon gearbeitet. Nun wenden sich Bundesjustizminister Heiko Maas und Bundeskulturministerin Monika Grütters an den zuständigen EU-Kommissar Günther Oettinger, damit er auch eine Verlegerabgabe aus den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften kodifiziert - entsprechend bisher geübter Praxis, die gerade vom Europäischen Gerichtshof einkassiert wurde. Das Schreiben ist beim BMJV veröffentlicht: Das Urteil des EuGH habe "große Besorgnis ausgelöst, ob die derzeitige Praxis der Verlegerbeteiligung auch zukünftig möglich sein wird".

Kulturpolitik, 23.02.2016

Im Interview mit dem Tagesspiegel zeigt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes, wenig Verständnis für die Proteste des Kunsthandels gegen das neue Kulturgutschutzgesetz: "Der Kunsthandel funktioniert nach einem Geschäftsmodell der Barockzeit: Connaisseur und Händler tauschen sich über den Eigenwert eines Objektes aus, die Hintergründe - insbesondere die Provenienz - bleiben ausgeblendet. Der Weg der Kulturgüter ist nicht nachvollziehbar. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Wer heute eine Tütensuppe kauft, kann lesen, was drin ist. Bei Bioprodukten erfährt man sogar, wo die Kuh geweidet hat. Auch Kunstobjekte brauchen einen Pass, in dem steht, woher sie kommen, welchen Weg sie genommen haben. Dann sind alle auf der sicheren Seite. Die nun geplanten Ein- und Ausfuhrregelungen sind ein Schritt in Richtung Transparenz."

Berlin, vergiss das Einheitsdenkmal, ruft Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung. Keiner will die dusslige Schale. Sie wird teuer und ihre Aufstellung zerstörerisch, so Bernau: "Und welch denkmalpflegerische Brutalität: Die weitgehend intakten Mosaiken des Monuments für Kaiser Wilhelm I. und dessen Sockelbau müssen nämlich für die Goldschale schwer beschädigt werden. Dennoch hat der Berliner Senat das Projekt jetzt genehmigt, so wie auch die Projekte Staatsoper, Magnus-Haus, Friedrichswerdersche Kirche etc. Wie will man eigentlich ruchlosen Investoren den Schutz von historischen Bauten abverlangen, wenn wir mit unserem Erbe selbst ruchlos umgehen?"

Die FAZ meldet, dass die Historikerin Gundula Bavendamm das "wohl schwierigste deutsche Gedenkstättenprojekt", nämlich die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung leiten wird. Im Interview mit Patrick Bahners macht sie einen tatkräftigen Eindruck: "Hier überlappt sich die Opfer-Täter-Dichotomie. Die Täternation Deutschland und Nationen, die sich den Opfernationen zurechnen, erinnern an ihr Leid und ihre Verluste. Man braucht diplomatisches Geschick, um die SFVV aus dem Stellungskrieg geschichtspolitischer Kontroversen herauszuführen. Sie gehört in die Mitte der Gesellschaft."

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