Heute in den Feuilletons Malewitschs absurder Humor

Die "FAZ" amüsiert sich über die Betretenheit der Kunstwelt angesichts einer - aus heutiger Sicht denkbar unkorrekten - Inschrift auf Kasimir Malewitschs "Schwarzem Quadrat". Alle trauern um Pierre Boulez.


Efeu - Die Kulturrundschau

Musik, 07.01.2016

Pierre Boulez ist gestorben. Neunzig Jahre wurde er alt, aber irgendwie dachte man, er würde immer leben. "Für mich war Pierre Boulez immer ein echter Mann der Zukunft", zitiert Oda Tischewski auf Zeit online Daniel Barenboim. "'Wäre er das nicht, würde er die Vergangenheit entweder nicht kennen oder sie interessierte ihn nicht.' Zeit seines Lebens entwickelte der Komponist und Dirigent Pierre Boulez bestehende musikalische Konzepte und Formen weiter, war er ein Avantgardist mit Blick für die Wurzeln und damit ein Katalysator für Neuerungen. 'Eine Kultur, die nicht mit ihrer Tradition bricht, die stirbt', sagte er einmal."

In der Berliner Zeitung erklärt Peter Uehling, was Boulez von Brüdern im Geiste wie Nono oder Stockhausen unterschied: "Anders als Nono, der auf eine Revolution der Gesellschaft durch die Revolution des Hörens hoffte, anders als Stockhausen, dessen Werk Dokument und Aufforderung zur Bewusstseinserweiterung sein soll, hat Boulez Musik strikt als Kunst begriffen. Man kann das l'art pour l'art nennen, muss sich aber bewusst sein, dass Boulez an eine Tradition anschloss, in der Kunst als Äußerung des freien Geistes verstanden wird, frei eben auch von gesellschaftlichem Nutzen und Auftrag, frei von der Pflicht zur Kommunikation eines Inhalts. Folglich stehen kompositionstechnische Fragen im Mittelpunkt seiner Musik."

In der FAZ würdigt Gerhard R. Koch den Meister, der in Deutschland so aktiv war wie in Frankreich, meint aber auch: "Das, was einst 'Avantgarde' hieß, ist zur Chimäre, als angeblich verbindlicher Kanon radikaler Moderne zumindest historisch obsolet geworden. Sogar das vielbeschworene Darmstädter Triumvirat der fünfziger Jahre Boulez-Stockhausen-Nono erwies sich nachträglich als Phantom; wobei durchaus offenblieb, ob als Wunschdenken oder als Schreckbild - was für die gesamte 'Darmstädter' Schule des Serialismus galt: halb Werkstatt und Tempel in einem, halb doktrinäre Zwingburg."

Renaud Machart schreibt in Le Monde auch über die kulturpolitische Rolle, die Boulez als prägende Figur des französischen Musiklebens spielte: "Diese Vorrangstellung wurde schnell angegriffen. Der amerikanische Komponist Ned Rorem nennt ihn einen 'Hitler des musikalischen Europas', Pierre Schaeffer, Gründer des Groupe de recherches musicales (GRM), einen 'Stalinisten der Musik'. Viele werfen ihm seine Netzwerke vor, die er oft favorisierte. Aber man muss anerkennen, dass Boulez eine Macht ergriff, die gewissermaßen vakant war: Wer hätte unter seinen Zeitgenossen die Kraft und Intelligenz gehabt, eine gewiss of andere ausschließende, aber kohärente Ethik der franzischen Musik zu schaffen?"

Weitere Nachrufe von Kai Luehrs-Kaiser in der Welt , Peter Hagmann in der NZZ , Frederik Hanssen im Tagesspiegel , Reinhard Brembeck in der SZ , Wilhelm Sinkovicz in der Presse , Ljubiša Tošic im Standard , Roger Nichols im Guardian und Paul Griffiths in der New York Times . Die Welt sammelt außerdem prominente Stimmen: "Sogar SWR-Intendant Peter Boudgoust, der Abwickler eines seiner Sinfonieorchester, wogegen Boulez zu Lebzeiten schärfstens protestiert hatte, meinte sich äußern zu müssen." Unbedingt lesenswert auch David Schiffs Artikel in The Nation über die Generalproben von Boulez mit dem Cleveland Orchestra zu Elliot Carters "Concerto for Orchestra" 1971. Auf Explore the core kann man Note für Note Boulez' Werk entdecken und auf Youtube seiner Meisterklasse zuhören.

Hier dirigiert Boulez - mit der gestischen Akkuratesse eines japanischen Verkehrspolizisten - Edgard Varèses großartige "Ionisation", ein Stück ausschließlich für Schlagwerk. Das Video ist auch filmisch interessant:



Und hier seine eigenen "Répons". Es ist wie immer faszinierend, ihm zuzusehen:



Weiteres: In der SZ schreibt Thomas Steinfeld zum Tod des Jazzmusikers Paul Bley. Im Zeit-Dossier porträtiert Uwe Jean Heuser die zehnjährige Komponistin, Geigen- und Klaviervirtuosin Alma Deutscher: Hier ein Ausschnitt aus ihrem Violinkonzert Nr. 1 in g-moll. Besprochen wird David Bowies Album "Blackstar" ( Presse , Berliner Zeitung , Zeit).

Design, 07.01.2016

Zum Tod des Designers Richard Sapper schreiben Jörg Häntzschel in der SZ und Andrea Eschbach in der NZZ .

Kunst, 07.01.2016

Mitarbeiter der Moskauer Tretjakow Galerie haben auf Kasimir Malewitschs "Schwarzem Quadrat" neben der Signatur des Malers eine Inschrift gefunden: "Bitva negrov no?'ju" stehe dort, was so viel wie "Negerschlägerei in der Nacht" bedeute, erzählt in der FAZ Noemi Smolik. Ist es ein Scherz des Künstlers? Ist die Schrift wirklich authentisch? Über solche gehen Fragen gehen sich die Experten derzeit nahezu an die Gurgel, so Smolik, die amüsiert die zu beobachtenden "Abwehrmechanismen" beschreibt: "Dabei dürfte [die Entdeckung] eigentlich gar nicht so überraschend sein. Denn Malewitsch versah auch andere rein abstrakte Bilder mit Titeln. So heißt sein als 'Rotes Quadrat' in die Kunstgeschichte eingegangenes Bild von 1915 eigentlich 'Malerischer Realismus einer Bäuerin in 2 Dimensionen'. Ein weiteres rein abstraktes Bild von 1915, das ein schwarzes und ein rotes Quadrat zeigt, heißt 'Malerischer Realismus eines Jungen mit Rucksack - Farbmassen in der vierten Dimension' ... Durch die Unterschlagung der Bildtitel entging der Forschung bisher, dass diese Titel viel Humor und Malewitschs Vorliebe für das Absurde verraten, wie im Übrigen auch seine Schriften."

Weiteres: Marion Löhndorf macht für die NZZ einen Rundgang durch die neuen Europe Galleries im Londoner Victoria & Albert Museum. Besprochen wird die Ausstellung "Sturm-Frauen - Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910 -1932" in der Frankfurter Schirn ( Tagesspiegel ).

Literatur, 07.01.2016

Keineswegs zufällig erscheint der erste Band von Michel Houellebecqs Gesamtsausgabe ausgerechnet am ersten Jahrestag der Anschläge auf Charlie Hebdo, meint Wiebke Porombka auf ZeitOnline. In der SZ erinnert Thomas Steinfeld an Erich Scheurmanns "Der Papalagi", das unter den 68ern Kultstatus genoss.

Besprochen werden James Hanleys Roman "Ozean" ( NZZ ), Richard Swartz' "Wiener Flohmarktleben" ( NZZ ), Sam Hawkens "Kojoten" ( Tagesspiegel ), eine auf DVD veröffentlichte Lesung des Dichters Thomas Kling ( SZ ) und Martin Walsers "Ein sterbender Mann" (FAZ).

Mehr aus dem literarischen Leben im Netz in unserem fortlaufend aktualisierten Überblick auf Lit21.

Bühne, 07.01.2016

In der nachtkritik beschreiben Autor und Regisseur Tobias Rausch und die Dramaturgin Ruth Feindel das Recherchetheater als Kunstform auf der Höhe unserer Zeit. Auch die Regisseurin Ana Zirner erweist sich im Interview mit dem Standard über ihr Stück "Flammende Reden, brennende Plätze" als Anhängerin des Recherchetheaters: "Theater ist ein spannendes Medium, um mit der Dramatik des Tagesgeschehens umzugehen. Man ist zwar der 'Wahrheit' verpflichtet, aber nicht einer konkreten Realität. Journalistische Reportagen sind enorm wichtig, aber man bleibt beschränkt. Mit dem Theater kann ich die Themen persönlich behandeln und näher heranholen."

Film, 07.01.2016

Oscar für Leonardo DiCaprio - daran führt nach dem strapaziösen Survival-Epos "The Revenant" von Alejandro González Iñárritu eigentlich kein Weg mehr vorbei, meinen die Kritiker. Perlentaucher Thomas Groh ist überdies tief beeindruckt von Emmanuel Lubezkis Kameraarbeit: Lubezki interessiere sich vor allem für "die dynamische Opposition von extremer Nähe und extremer Ferne - seine Kamera umschmiegt die Figuren auf beinahe obszöne Weise, nur um immer wieder umzuschlagen in brillante Landschafts-Panoramen, die dem Postkarten- und Jugendzimmer-Kitsch aus der Ferne zwar zuwinken, sich in ihn aber nicht verstricken." Auch Andreas Busche vom Freitag kommt auf die Kameraarbeit zu sprechen: Denn "im Zusammenhang mit Iñárritus ungemein physischem Kino erzeugen Lubezkis körperlose Fahrten (...) nachhaltige Irritationen. Schon in ihrem letzten gemeinsamen Film 'Birdman' verfasste die sich unermüdlich bewegende Kamera eine Binnenerzählung, die im ständigen Widerspruch zur inneren Reise des an sich selbst leidenden Protagonisten stand. Diesen Widerspruch löst 'The Revenant' im Modus der 'Survival'-Erzählung auf."

Weitere Artikel: Das Zeughauskino in Berlin zeigt eine dem taiwanesischen Regisseur Hou Hsiao-Hsien gewidmete Retrospektive, berichtet Fabian Tietke in der taz. Für den Tagesspiegel spricht Jan Schulz-Ojala mit Joachim Trier über dessen neuen, von Christiane Peitz besprochenen Film "Louder Than Bombs".

Besprochen werden außerdem der Gangsterfilm "Legende" mit Tom Hardy in einer Doppelrolle ( SZ , FAZ), Malgorzata Szumowskas Drama "Body" ( NZZ ) und Tom Hoopers Transgender-Drama "The Danish Girl" ( Perlentaucher , NZZ , SZ ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Medien, 07.01.2016

Vor einem Jahr wurden die Redakteure von Charlie Hebdo umgebracht, es folgten Morde an Polizisten und ein Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt. 17 Menschen starben, 22 wurden zum Teil schwer verletzt. Die taz bringt heute ihre groß angekündigte Ausgabe mit vielen Karikaturen zum Jahrestag des Anschlags auf Charlie Hebdo . Auf die Frage, was sich für sie durch den Anschlag geändert hat, antworten die meisten (die nun mal nicht das Risiko von Charlie Hebdo eingehen) "nichts". Die tunesische Zeichnerin Nadia Khiari schreibt: "Am Tag des Anschlags habe ich Tignous eine E-Mail geschrieben, um sicherzugehen, dass es ihm gutgeht. Er war schon tot. Es war ein Albtraum. Mein Zeichnen hat sich nicht verändert. Aber ich habe jetzt umso mehr Gründe, weiterzuzeichnen."

Heiko Werning und Volker Surmann, Autoren eines Bandes "zur humoristischen Lage der Nation", schreiben im Hauptessay über das große "aber", das die Feuilletons erwartungsgemäß ein paar Tage nach dem Attentat dominierte: Selbstverständlich wolle man den Anschlag auf Charlie Hebdo damit nicht rechtfertigen, aber..." (Über das Aber gab's seinerzeit auch einiges im Perlentaucher, mehr hier).

Ehrlicher als die meisten redet Ralf König im Gespräch mit Jan Feddersen über seine (sehr nervöse) Reaktion auf das Attentat: "Ich bewundere die wenigen, die weiter zu dem Thema zeichnen, Bücher schreiben, Filme drehen. Wie Kurt Westergaard, der dänische Zeichner, der Jahre nach den Unruhen um die Mohammed-Bilder fast mit einer Axt in seinem Haus gekillt wurde!"

Nur Daniel Bax, der sonst alle religiösen Gefühle respektiert, warnt in diesem Fall vor einer "Sakralisierung des Gedenkens".

Außerdem: Für die FAZ liest Andreas Platthaus, für die SZ Joseph Hanimann die aktuelle Charlie-Hebdo-Ausgabe. Die FAZ bringt auch ein GEspräch mit Gérard Biard, dem Chefredakteur von Charlie. In der NZZ schreibt Marc Zitzmann zum Jahrestag des Terroranschlags auf Charlie Hebdo.

Und dann noch Köln. Stefan Winterbauer kritisiert bei Meedia das langsame Reagieren besonders von Tagesschau und heute auf die Kölner Vorfälle. Rechtspopulistische Verschwörerpostillen häntten das Thema viel früher aufgegriffen: "Klar: Für Kopp und Compact passen die Ausschreitungen in ihr krudes, rechtes Weltbild. Für sie sind die Vorfälle eine Bestätigung aller Vorurteile und liefern auf Wochen und Monate hinaus Stoff für Propaganda. Umso wichtiger wäre es gewesen, dass die etablierten Medien frühzeitig und bundesweit als Stimme wahrnehmbar gewesen wären."

Viel retweeted wurde, dass Facebook ein Artikel der SZ über sexuelle Gewalt auf dem Oktoberfest aus dem Jahr 2011 plötzlich populär wurde.

Ideen, 07.01.2016

Wenn Menschen eine intelligente Unterhaltung mit einem Computer führen können, dann nicht weil der so klug ist, sondern weil sie ihn dafür halten wollen. Das in etwa ist das Fazit des Schriftstellers Ulrich Woelk, der sich für den Wissen-Teil der Zeit Gedanken über Künstliche Intelligenz gemacht hat: "Vielleicht wird es irgendwann sogar normal sein, mit verführerisch schönen Androiden in einer Weise zu plaudern und zu flirten, die jede reale zwischenmenschliche Beziehung unnötig kompliziert und konfliktträchtig erscheinen lässt. Schon dem griechischen Bildhauer Pygmalion erschien seine eigene Frauenstatue begehrenswerter als alle realen Frauen in seiner Umgebung."

Kulturpolitik, 07.01.2016

Heftige Kritik übt Thomas E. Schmidt in der Zeit an Monika Grütters und dem Humboldt-Forum, wie es sich jetzt darstellt. Allein die Zusammensetzung der Betriebs-GmbH (so heißt sie wirklich) beweist ihm: "Hier schafft der Staat wieder einmal ein selbstreferenzielles System, in dem Beamte herrschen. Sämtliche Konflikte der Entstehungsgeschichte werden sich außerdem in diesem Konstrukt verewigen. Die Strukturfehler der deutschen Kulturpolitik, hier werden sie noch einmal gemacht." Und inhaltlich sieht Schmidt den Zug in Richtung Deutschland-Fixierung "nur noch schwer aufzuhalten. Diese Fixierung bleibt gerade dann hartnäckig bestehen, wenn sich die Bundesrepublik im Schloss einseitig als weltoffenes, kosmopolitisches und universell interessiertes Land im humboldtschen Geiste präsentiert. Das wäre dann eine Art nation branding."

Im beigestellten Interview hat der Ausstellungsmacher Bonaventure Ndikung diese Frage ans Forum: "Es geht ja zum größten Teil um Objekte aus dem Nichtwesten. Die Frage ist, wie viele Afrikaner, Araber, Lateinamerikaner und Asiaten im kuratorischen Team des Humboldt-Forums sitzen, wie viele von denen haben leitende Positionen?" (Antwort: keine)

Geschichte, 07.01.2016

Völlig absurd findet der Germanist Jeremy Adler in der SZ das vom Institut für Zeigeschichte betriebene Unterfangen einer "kritischen Ausgabe" von Hitlers "Mein Kampf", die nur einer Nobilitierung gleichkomme: "Die Textkritik verfügt nicht über die Mittel, Aussagen zu neutralisieren. Der Autor kommt zu Wort, jetzt aber mit allen Ansprüchen eines Klassikers."

Europa, 07.01.2016

Die französische Schauspielerin Agnès Jaoui, Tochter jüdischer Einwanderer aus Tunesien, spricht im Interview mit der Welt über die Anschläge in Paris. Nach einer Liebeserklärung an die Stadt gibt sie aber auch zu, dass sie manchmal die Schnauze voll hat vom Pessimismus der Franzosen: "Als Schauspielerin komme ich viel rum in der Welt, und jedes Mal, wenn ich wieder nach Frankreich zurückkomme, kann ich es nicht fassen: Wieso sind die Franzosen so unglücklich? Sie sollten mal rauskommen, in die Welt gehen und begreifen, was für ein sagenhaftes Glück wir haben. ... Manchmal habe ich das Gefühl, es mit total verwöhnten Kindern zu tun zu haben. Sie erlauben sich alles, bis man wirklich laut Stopp schreit oder sie sich eine Ohrfeige einfangen. Dann erst kommen sie zu sich. Das war nach dem ersten Wahlgang auch so: Als hätten sich die Franzosen ein bisschen Angst machen wollen, um dann wieder Vernunft anzunehmen."

Der Zeit fiel zu Charlie Hebdo nichts Besseres ein, als den prominentesten Gegner unter Frankreichs Intellektuellen zu interviewen. Emmanuel Todd kommt aber kaum zur Sache, sondern jongliert mit den ganz schweren Bällen - Katholizimus, Kapitalismus, Kommunismus - und klingt am Ende eher apokalyptisch: "Christlicher Glaubensverlust und soziale Krise sind ein Rezept fürs Desaster. Das ist die Lehre aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts". Und der Theatermacher Milo Rau fordert - ebenfalls in der Zeit - einen "globalen Realismus", ohne sich die Mühe einer konkreteren Definition zu machen.

In der NZZ denkt Daniele Muscionico anlässlich der Zürcher Revue "Stägeli uf, Stägeli ab" und Filmen wie Filme wie "Heidi" und "Schellen-Ursli" über die neue Heimatliebe in der Schweiz nach und überlässt am Ende dem Drehbuchautor Domenico Blass das Resümee: "Er plädiert dafür, die eigenen Geschichten und die wunderbaren literarischen Figuren der Schweiz ernst zu nehmen. Und zu akzeptieren, was auch in Hollywood gilt: Das Publikum freut sich am meisten darüber, sich von Bekanntem bestätigen zu lassen. Wer sich darüber wundert, wundert sich nur über sich selbst."

Politik, 07.01.2016

Richard Herzinger wendet sich auf seinem Blog gegen die angebliche Realpolitik eines Bündnisses mit Russland in Syrien, das ausgerechnet SPD-Chef Sigmar Gabriel gefordert hatte - unter eilfertiger Aufgabe der Sanktionen wegen der Ukraine: "Dass Putin auf Seiten eines der größten Massenverbrechers der jüngeren Geschichte eine zweite militärische Front eröffnet hatte, um den Westen in die Enge zu treiben, wurde so von dem Vorsitzenden einer Partei, die einstmals an vorderster Front den totalitären Systemen des vergangenen Jahrhunderts getrotzt hatte, in ein Argument dafür umgemünzt, dem Kriegsherrn im Kreml die Konsequenzen für seine erste Aggression zu erlassen."

Internet, 07.01.2016

Eine Neuauflage des Kampfes EU gegen Technikgigant sieht Nicholas Hirst in politico.eu auf uns zukommen. Einst hieß der Gigant Microsoft, heute Google: "Beide Parteien stehen vor einem chaotischen Endspiel. Google wird kämpfen müssen, um mit dem weiten Spektrum der Klagen fertig zu werden und die Kritiker zufrieden zu stellen. Und die Kommission wird kämpfen müssen, um sich gegen eine der reichsten und amorphsten Firmen der Welt durchzusetzen."

Justizminister Heiko Maas hat neulich in der Zeit eine digitale Grundrechtecharta vorgelegt, in der er mehr staatliche Regulierung des Internets versprach (unser Resümee). Darauf antwortet heute Ex-Pirat Christopher Lauer, dem Regulierung schon gar nicht mehr ausreicht - er will Staatsinterventionismus. "Zu wenig werden die Umbrüche mitgedacht, die auf die Gesesllschaft erkennbar zukommen. Beispielsweise zeichnen sich vor allem bei der Automatisierung von Arbeit Entwicklungen ab, die frühzeitig von der Politik durch die Gesetzgebung adressiert werden müssen, sonst droht Teilen der Gesellschaft der Zusammenbruch. Nichts anderes wird passieren, wenn etwa selbstfahrende Fahrzeuge über Nacht Millionen Arbeitsplätze vernichten oder wenn komplette Berufsbilder durch intelligente Software ersetzt werden."



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