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Heute in den Feuilletons: "Besessenheit von der religiösen Frage"

Die "NZZ" feiert Moga, das japanische Modern Girl. Die "FAZ" lässt sich von Beethoven und Christian Thielemann Heil und Trost spenden. Die "Welt" besucht Mario Vargas Llosa. In der "SZ" erklärt David Gelernter, warum er nicht an künstliche Intelligenz glaubt.

Efeu - Die Kulturrundschau

Kunst, 26.03.2016

Dass japanische Holzschnitte trotz der aufkommenden Fotografie Anfang des 20. Jahrhunderts noch einmal populär wurden, lag nicht zuletzt an einem neuen Frauentyp, der hier gefeiert wurde: der emanzipierten Frau, schreibt Philipp Meier in einem schönen Essay in der NZZ. "Das 'Moga', eine Kurzform für das von 'Modern Girl' abgeleitete japanische 'Modan gaaru', wurde erstmals 1924 in einer Frauenzeitschrift zum Thema - just im Erscheinungsjahr von Junichiro Tanizakis Novelle 'Naomi oder eine unersättliche Liebe', die von einer japanischen Femme fatale handelt. Als apolitisch, autonom, frei von altmodischen Konventionen, kokett sowie erotisch aktiv und promiskuös, anarchistisch, militant und vor allem verwestlicht wurde dieser brandneue Frauentypus charakterisiert. Mit kurz geschnittenem Haar und ebenso kurzen Röcken, Make-up und Schmuck tragend, suchten die Mogas die Bars, Cafés, Warenhäuser, Kinos und Tanzlokale des neuen Tokioter Ginza-Quartiers auf, immer Ausschau haltend nach attraktiven jungen Männern, den sogenannten Mobos."

Auch dem deutschen modern girl ist derzeit eine Ausstellung gewidmet, "Berlin - Stadt der Frauen" im Ephraim-Palais in Berlin. Tilman Krause hat sie für die Welt wohlwollend durchwandert: Die Ausstellung, die die Jahre 1850 bis 1950 umfasst, präsentiert vor allem "weibliche Selbstentwürfe und Selbstverwirklichungen von Frauen aus dem Bürgertum. Ikonen der Arbeiterbewegung wie Rosa Luxemburg oder Clara Zetkin müssen diesmal draußen bleiben. ... Dafür gelangen jede Menge Frauen aus den Kreativberufen, aber auch Naturwissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen ins Spiel. Und zwar solche, denen das Leben schwergemacht wurde. Die sich aber nicht unterkriegen ließen und nicht selten - her mit den weiblichen Waffen! - dank Tatkraft, Charme, Erfindungsreichtum eine erstaunliche Durchsetzungsfähigkeit entwickelten, obwohl sie alle noch vor dem Zeitalter der Gleichberechtigung agierten."

Für die FAZ hat Thomas David den Autor Tomi Ungerer bei der Hängung seiner Collagen im Museum Folkwang in Essen begleitet: Dabei handelt es sich um "grandiose, den Betrachter verstörende Collagen aus dem Fundus einer nicht einzudämmenden, bis in die Gegenwart wabernden Vergangenheit ... 'Ekel und Zorn waren eigentlich schon immer die größte Inspiration meiner Arbeit", sagt er, "aber im Moment passiert auf der Welt so viel, dass ich wieder reagiere wie mit zwanzig.'"

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Holbein in Berlin" im Bodemuseum in Berlin ( taz ) und Amie Siegels Ausstellung "Double Negative" in der Villa Stuck in München ( SZ ).

Film, 26.03.2016

Passend zu den Feiertagen wirft Anke Westphal in der Berliner Zeitung einen Blick auf neue Bibelfilmproduktionen, die in den USA mit Blick auf die so finanzkräftige wie gläubige Zielgruppe gedreht werden. Hanns-Georg Rodek tut dasselbe in der Welt. In der Jungle World resümiert Alina Schwermer das Berliner Fußballfilm-Festival.

Besprochen werden Zack Snyders neuer Batman/Superman-Film ( FR , unsere Kritik hier), Bill Murrays neue Komödie "Rock the Kasbah" ( ZeitOnline, FAZ) und Maike Brochhaus im alternativen Milieu angesiedelter Alternativ-Porno "Schnick Schnack Schnuck" ( Jungle World ).

Literatur, 26.03.2016

Schorsch Kamerun kennt man als Sänger der Goldenen Zitronen und seit einiger Zeit auch als widerständigen Theaterregisseur. Mit seinem autobiografisch gefärbten Romandebüt "Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens" ist er nun auch unter die Schriftsteller gegangen. Warum er diesen Disziplinwechsel gewagt hat, erklärt er Philipp Kressmann von der Spex: "Ich als Autodidakt sehe das als Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Die Idee war, über einen Schmerz zu schreiben, den eine bestimmte Zeit mit sich brachte, ohne diesen direkt auf mich zu beziehen. Dafür habe ich Protagonisten gesucht, weil das Konzept des personalisierten Autors das nicht hergegeben hätte. Dabei habe ich auch probiert, mich zu öffnen. Das ist anders als bei den Zitronen, die nicht imstande wären, ein Liebeslied zu schreiben. In meinem Buch erlebt man durchaus Nähe. Das lässt unsere Band genauso wenig zu wie meine Theater- und Collagentexte."

Weiteres: Im Interview mit der Presse spricht Sibylle Lewitscharoff über Gott und ihren neuen Roman. In der NZZ erzählt der Schriftsteller Erwin Mortier von den Sorgen um Angehörige bei den Bombenanschlägen auf Brüssel. Georg Renökl porträtiert den Prä-Dadaisten Arthur Cravan. Für die SZ erinnert sich die Schriftstellerin Lena Gorelik daran, wie sie 1992 als Flüchtlingskind nach Deutschland kam. In der SZ gratuliert Ralf Hammerthaler Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa zum 80. Geburtstag. Marco Martin besucht für die Welt Vargas Llosa in Madrid und lernt: "alles andere als ein Glamour-Greis".

Besprochen werden Tom McCarthys "Satin Island" ( Jungle World ), Wilfrid Lupanos Comic "Ein Ozean der Liebe" ( taz ), Paul Theroux' Hotel Honolulu" ( taz ), Amélie Nothombs "Die Kunst, Champagner zu trinken" ( FAZ ), Alexander Wendts "Du Miststück" ( FAZ ), Reinhard Jirgls "Oben das Feuer, unten der Berg" ( Berliner Zeitung ), Ingvild H. Rishøis "Winternovellen" ( Berliner Zeitung ), Garth Risk Hallbergs "City on Fire" ( SZ ), Péter Esterházys "Die Markus-Version" (SZ) und der Briefwechsel zwischen Peter Suhrkamp und Annemarie Seidel (FAZ).

Architektur, 26.03.2016

Besprochen wird die Ferdinand-Kramer-Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt ( Tagesspiegel ).

Bühne, 26.03.2016

In Bern hat Claudia Meyer Elfriede Jelineks polyphones Flüchtlingsstück "Die Schutzbefohlenen" als Multimedia-Darbietung inszeniert. Angemessen, findet das Beatrice Eichmann-Leutenegger in der NZZ. Das Ensemblespiel "gehorcht einem dynamischen Wechsel zwischen lauten und leisen Sequenzen, setzt schonungslos Körpersprache ein und siedelt sich so an der Schnittstelle von Schauspiel und Tanz an". Auf Claude Bühler von der nachtkritik machte die Inszenierung eher einen verworrenen Eindruck: "Nicht nur die vielen, offenen Fragen, warum jenes so?, was bedeutet dies?, verhindern den Eindruck eines großen Ganzen: Zu gefühlt jeder fünften Zeile wird, dicht am Text und drauf auf den Text, eine neue Szene kreiert. Die Aufführung wirkt wie ein Nummernabend."

Besprochen werden außerdem Heinrich Marschners Oper "Der Vampyr" an der Komischen Oper Berlin ( NZZ ), Jürgen Flimms Inszenierung von Glucks Oper "Orfeo ed Euridice" an der Berliner Staatsoper im Schillertheater ( NZZ ), die Uraufführung von Volker David Kirchners Oper "Gutenberg" in Erfurt ("ein konventionelles Biopic", schreibt Udo Badelt im Tagesspiegel ), Simon Stones mit drei Frauen in der Hauptrolle inszenierter "Peer Gynt" am Hamburger Schauspielhaus ( nachtkritik ), "Exodus" nach DJ Stalingrad, inszeniert von Sebastian Klink an der Volksbühne in Berlin ( nachtkritik ) und David Böschs Inszenierung der "Drei Schwestern" am Wiener Burgtheater (so brav, so brav, so brav, seufzt Leopold Lippert in der nachtkritik ).

Musik, 26.03.2016

Bei den Osterfestspielen in Salzburg hat Christian Thielemann den Chor des Bayerischen Rundfunks und die Dresdner Staatskapelle dirigiert, gegeben wurde Beethovens "Missa solemnis" - einfach perfekt, schwärmt Jan Brachmann in der FAZ: Denn "Thielemann weiß etwas von Heil und Trost. Man kann seine begütigende Lesart der Missa, die alles Unschlüssige ausräumt und, besonders in den Fugen im Gloria und Credo, Schlüssigkeit herstellt, im Sinne einer idealistischen Kunstreligion deuten: Das Kunstwerk überwindet die innerweltliche Entzweiung und nimmt die Versöhnung vorweg. Die schmelzenden Vorhalte von Fagott, Oboe und Klarinette am Ende des Kyrie haben bereits etwas Segnendes. Das Violinsolo des Konzertmeisters Matthias Wollong im Benedictus ist eine seelische Wundsalbung, wie sie lindernder nicht sein könnte." Auf BR-Klassik kann man das Konzert online nachhören.

Mit einem eigens programmierten Tool grast der Produzent James Hinton Youtube nach kaum aufgerufenen Videos ab, um daraus Samples für sein neues, unter dem Namen The Range veröffentlichtes Album "Potential" zu entnehmen. Resultat wie Konzept findet SZler Jan Kedves schlicht "ausgezeichnet": Denn keineswegs wolle der Produzent gescheiterte Musiker vorführen, "es geht dem 28-Jährigen um den Blues enttäuschter Hoffnungen, einerseits. Andererseits will er das im Audiomaterial der Videos steckende Potenzial herausarbeiten. Es ist tatsächlich vorhanden, nur war es bislang unerkannt geblieben: Trugen die Performer das falsche Outfit? War die Auflösung zu schlecht?" Hier eine Kostprobe.

Weiteres: In der taz stellt Andreas Hartmann das auf Neue Musik und Klangexperimente spezialisierte Label Edition RZ vor. Für den Tagesspiegel unterhält sich Atila Altun mit dem Soulsänger Bilal. FAZlerin Eleonore Büning spricht mit dem Dirigent René Jacobs über seine neue Aufnahme von Bachs Johannes-Passion BWV 245.

Besprochen werden eine CD-Reihe mit Jean-Sibelius-Aufnahmen ( NMZ ), Patti Smiths neuer Memoir "M Train" ( taz ), das neue Album von Zayn Malik ( Welt ), ein Konzert des Cellisten Yo-Yo Ma ( Tagesspiegel ), ein Konzert von Sunrise Avenue ( FR ) und ein Konzert der iranischen Sängerin Sara Nadschafi, die in ihrer Heimat wegen des dort herrschenden Auftrittverbots für Frauen ignoriert wird ( ZeitOnline ).

Außerdem kann man beim WDR jetzt das am 30. Januar gespielte Programm "Schönes Wochenende" des Düsseldorfer Festivals für modernes Hören online nachhören:


9Punkt - Die Debattenrundschau

Ideen, 26.03.2016

Zwischen den beiden französischen Islamexperten Olivier Roy und Gilles Kepel herrscht erbitterter Streit, den Marc Zitzmann in der NZZ kurz resümiert. Kepel wendet sich besonders eine Formulierung von Roy (die dieser hier erläuterte, worauf Kepel in Libération antwortete): Man habe es nicht mit einer Radikalisierung des Islam, sondern mit einer "Islamisierung von Radikalität" zu tun. Zitzmann hat für seinen Artikel mit Kepel gesprochen: "Natürlich ließen sich Bezugspunkte zum Linksterrorismus von einst finden. Aber was dem Dschihadismus ureigen sei - seine engen Bande zum Salafismus, sein umfangreicher Textkorpus, der eine einschlägige 'Ideengeschichte' zu entwerfen gestatte -, werde so ausgeblendet. 'Dabei gilt es gerade aufzuzeigen, dass den islamistischen Terrorismus eine Vision beflügelt, die auf einen Bruch mit den europäischen Werten abzielt, und dass er Ausdruck eines innerislamischen Kampfes um die Deutungshoheit gegenüber dem 'wahren Glauben' ist.'"

Etwas vage klingt dagegen Tariq Ramadans Aufruf zur Klarheit bei politico.eu: "Wir müssen die Begriffe der Debatte präzisieren, die Komplexität des Phänomens begreifen und vielfältige und sich ergänzende Antworten mit ganzheitlichem Charakter entwickeln. Die bloße Besessenheit von der religiösen Frage, die Vernachlässigung des poltischen Aspekts und die Hoffnung auf kriegerische Maßnahmen sind eine falsche Versuchug mit katastrophalen Konsequenzen."

Auch Andreas Fanizadeh sucht in der taz nach Ursachen für den "Islamofaschismus": "Man muss den Islamofaschismus und seine Zellen in Westeuropa mit allen polizeilichen Mitteln bekämpfen, politisch die Diskussion mit anfälligen Milieus suchen und mit Stärkung von Sozialarbeit dafür sorgen, dass nicht noch mehr Gefährdete abdriften. Wirklich besiegen wird man ihn allerdings nur, sofern es den Gesellschaften Nordafrikas und des Nahen Ostens mit Unterstützung von außen gelingt, sich zu reformieren."

Der neue Feuilletonchef der NZZ, René Scheu, denkt über die Debattenkultur im Feuilleton und im Netz nach. Das Hauptproblem liegt für ihn darin, dass der Streit um Wahrheit ersetzt wurde durch das Streben nach Zugehörigkeit. Es geht nicht mehr "um neue Erkenntnis, sondern um die eigene Identität. Abweichende Positionen werden als Angriff auf die eigene Person empfunden - und ebenso persönlich fallen die Reaktionen aus. Sie zielen nicht mehr auf den Sinn der Aussage, sondern - der Kreis schließt sich - auf dessen Absender, der wahlweise diskreditiert, diffamiert, pathologisiert oder kriminalisiert wird. Die Mitglieder der Community verhalten sich untereinander solidarisch und verteidigen vehement die kuratierte Gruppenidentität."

Wissenschaft, 26.03.2016

David Gelernter erklärt im Gespräch mit Lothar Müller von der SZ, warum er nicht an so etwas wie "Künstliche Intelligenz" glaubt: "Ich glaube nicht, dass wir heute eine vollkommene Imitation des menschlichen Geistes aus Software herstellen können. Dafür wissen wir viel zu wenig über Geist und Bewusstsein, fassen sie noch viel zu sehr als statische Gebilde. Bewusstsein und Geist sind aber etwas, das sich fortwährend ändert, von Moment zu Moment. James Joyce und sein berühmter 'Bewusstseinsstrom' im Roman 'Ulysses' sind eine gute literarische Veranschaulichung dieser Überlegung."

Gesellschaft, 26.03.2016

Der Wohlstand in Europa wächst, nie ging es uns so gut wie heute. Warum dann aber stehen Regierungen, Demokratie und Kapitalismus derart unter Beschuss, fragt sich in der NZZ Hans Ulrich Gumbrecht. Vielleicht rührt die schlechte Laune daher, dass wir eigentlich ein Leben in Intensität vermissen - und zugleich fürchten: "Die täglich tausendmal wiederholte Empfehlung, 'uns keinen Stress zu machen', zeigt nur, dass wir uns genau diese Möglichkeit der Intensität verboten haben in einer gesellschaftlichen Umgebung der unbegrenzten Handlungsmöglichkeiten - und des garantiert sicheren Lebens. Inzwischen beschwört die unbefriedigte Sehnsucht eine Industrie der Erlebnismomente herauf, die wir als funktionales Äquivalent unserer Zeit zu den klassischen Breitwand-Utopien identifizieren können: Extrem-Sportarten zum Beispiel, entlang steiler Abfahrten und endloser Marathonstrecken, aber immer ausgerüstet mit Apparaten der Hochtechnologie, die dem Umschlagen von Intensität in Krisen der Lebensgefahr vorbeugen sollen."

Religion, 26.03.2016

In der NZZ erinnert die Historikerin Silvana Seidel Menchi an die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments vor 500 Jahren, in der Erasmus von Rotterdam erstmals den "Text der Heiligen Schrift derselben Art philologischer Überprüfungen [unterzog], welche die italienischen Humanisten bei der Rekonstruktion aus der Antike überlieferten Schrifttums eingeführt hatten [...] Auch wenn Erasmus für die biblische Hermeneutik nicht als maßgeblicher Bahnbrecher gelten kann, so hat er durch die enorme Echowirkung seines Unternehmens doch als der Miturheber der protestantischen Bibelkritik gewirkt. Sein griechisches Neues Testament, das von der katholischen Kirche als häretisch verurteilt wurde, bildete die Textgrundlage der Heiligen Schrift, wie sie in den aus der Reformation entstandenen Kirchen jahrhundertelang benutzt wurde."

Medien, 26.03.2016

Heute erscheint die letzte Ausgabe des Independent auf Papier, berichtet Le Monde mit AFP - die Zeitung soll künftig nur noch online erscheinen: "In ihrer besten zeit im Jahr 1989 hatte die gemäßigt linke Zeitung, die für die Gestaltung ihrer Seite Eins und die Verwendung von Fotos hohes Renommee genoss, eine Auflage von mehr als 420.000 Exemplaren. Heute kommt sie noch auf 40.000 Exemplare."


Nicht gut klingt, was FR-Korresspondent Frank Nordhausen vom Beginn des Prozesses gegen die türksciehn Journalisten Can Cündar und Erdem Gül berichtet: Die Öffentlichkeit wird vom prozess ausgeschlssen: Außerdem ließ das Gericht "den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der gegen Dündar und Gül Anzeige erstattet hatte, sowie den Geheimdienst MIT als Nebenkläger zu, obwohl beide Parteien nicht darlegen konnten, inwieweit sie durch die Journalisten individuell geschädigt wurden."

Am Donnerstag wurde Radovan Karadzic in Den Haag endlich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Gilles Hertzog prangert in La Règle du Jeu einen Skandal am Rande des Urteils an, die Verhaftung der Journalistin Florence Hartmann, ehemals Korrespondentin von le Monde während der Jugoslawienkriege, in Den Haag: "Ihr wurde vorgeworfen in ihrem Buch 'Paix et châtiments' die Deals zwischen dem Haager Gerichtshof und den Behörden von Belgrad offengelegt zu haben. Das Gericht hatte sich im Tausch gegen bestimmte Archivdokumente aus Serbien verpflichtet, diese nicht ölffentlich zu machen, obwohl sie die Verwicklung Serbiens in die Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina belegen. Florence Hartmann wurde wegen Missachtung des Gerichts zu sieben Tagen Gefängnis und einer Strafe von 7.000 Euro verurteilt und wurde durch einen internatioanlen Haftbefehl gesucht, dem Frankreich nicht Folge leistete, der sie aber in Angst versetzte, wenn sie den Schengen-Raum verließ..." Und nun haben die Niederlande sie festgenommen.

Geschichte, 26.03.2016

Vor hundert Jahren fand der irische Osteraufstand gegen die Briten statt, aus dem später die irische Republik hervorging. Gina Thomas zitiert in der FAZ Autoren wie John Banville, die den katholisch-irischen Nationalismus, der sich mit diesem Ereignis verbindet, ablehnen: Er manifestiert sich auch heute noch, etwa "in der gefühlsduseligen Propagandaausstellung 'Revolution', welche die irisch-republikanische Partei Sinn Fein im historischen 'Ambassador'-Kino in Sichtweite des Hauptpostamts ausgerichtet hat. Dort wird eine direkte Linie gezogen von den 'Märtyrern' des Aufstands zu den zehn Mitgliedern der Terrororganisation IRA, die sich 1981 im Belfaster Maze-Gefängnis zu Tode hungerten. Der Eintritt in die Ausstellung kostet stolze achtzehn Euro und fließt einer politischen Organisation zu, die im Osteraufstand eine Legitimation für die Waffengewalt sieht."

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