Heute in den Feuilletons "Hinter der Kamera sieht es aus wie in Johannesburg 1976"

Der Streit über die Oscars tobt weiter: Steve McQueen will raus aus der Apartheid, July Delpy wäre lieber schwarz als eine Frau. Und Charlotte Rampling sieht in den Änderungen des Reglements gar "antiweißen Rassismus" am Werk.


Efeu - Die Kulturrundschau

Film, 25.01.2016

Seit Spike Lee seine Teilnahme an der Oscar-Verleihung abgesagt hat, weil kein einziger schwarzer Schauspieler nominiert wurde, tobt der Streit um die Repräsentation von Minderheiten in Hollywood. Charlotte Rampling warf ihm "antiweißen Rassismus" vor, Julie Delpy sagte, sie wäre lieber schwarz als eine Frau. Im Guardian wirft sich der - der mit Oscars überschüttete - Regisseur Steve McQueen in die Debatte: "Es geht nicht nur um die Schauspieler und Regisseure; es geht um das gesamte Personal der Branche. 'Hinter der Kamera sieht es aus wie in Johannesburg 1976'." Die Daily Mail stellt sehr übersichtlich zusammen, wer sich mit welchen Äußerungen bisher hervorgetan hat.

Hintergrund liefert in Variety Peter Gray, der aufzählt, wer für Oscars in Frage kam und wer nominiert wurde: "'Creed' wurde von dem Schwarzen Ryan Coogler geschrieben und gedreht, hatte einen Schwarzen Hauptdarsteller, doch als einziger nominiert wurde ein Weißer. 'Straight Outta Compton' hatte ein großartiges Ensemble von meist jungen schwarzen Unbekannten, Regie führte ein Schwarzer. Doch nominiert wurde einzig das Drehbuch, geschrieben von zwei Weißen.'"

In der taz ist Barbara Schweizerhof etwas genervt von der Debatte. Quoten will sie nämlich nicht: "In Hollywood würde wahrscheinlich schon mehr Vielfalt einkehren, wenn es interessierter an der Realität wäre."

Frank Capras Hollywoodklassiker "Hier ist John Doe" mit Gary Cooper und Barbara Stanwyck aus dem Jahr 1941 ist von beeindruckender Aktualität, schreibt Arno Widmann in der FR. Dabei ist dem Film der Schrecken anzusehen, dass das Gute oder das wenigstens gut Gemeinte zum Schlimmsten werden kann, ohne dass man es merkt. Man kann an das Beste im Menschen appellieren, um sein Bösestes hervorzulocken." Hier gibt es den Film auf Englisch im Netz und hier auf Deutsch:



Weiteres: Für die Berliner Zeitung spricht Ulrich Lössl mit der jungen, aber beeindruckend aufstrebenden Schauspielerin Saoirse Ronan.

Besprochen werden der über Video-On-Demand veröffentlichte Western "Bone Tomahawk" von S. Craig Zahler ("Ein Grand-Guignol-Spaß", begeistert sich Bernd Graff in der SZ) und David Gordon Greens "Die Wahlkämpferin" (SZ).

Kunst, 25.01.2016

In der Welt freut sich Gesine Borcherdt über die Retrospektive "Kinetische Malerei" zu Carolee Schneemann, in der das Salzburger Museum der Moderne sehr schön zeige, wie sich die feministischen Künstlerin zu einer Art Körperwerkzeug machte: 'Ich wollte meinen Körper als integralen Werkstoff meiner Arbeiten einsetzen', erklärt sie. Und dann: 'Ich schaffe nicht nur Bilder, ich erkunde auch den Bildwert von Fleisch.'"

Für die FAZ besucht Peter Geimer die große Anselm-Kiefer-Retrospektive in Paris, die ihn zweifeln lässt an der insbesondere durch die Betitelung geleistete, sprachliche Aufladung der Werke, die neben dem Urheber selbst und dem Markt auch dessen Exegeten gleichermaßen zu Gute komme: "Geschichte wird zum Schauplatz des Allgemein-Menschlichen, und im Rückblick erscheinen jetzt auch die Ruinen der Reichskanzlei auf den frühen Bildern im Licht einer allgemeinen Melancholie angesichts der Vergänglichkeit alles Irdischen. Noch einmal zeigt sich, wie geschichtsvergessen diese apolitische Kunst ist."

Dass das gerühmte Istanbuler Ausstellungshaus "Salt" für ein Jahr schließen muss - angeblich hat eine Baugenehmigung für eine Renovierung gefehlt -, weckt in der SZ Ingo Arends Skepsis: "Steht die Politik hinter der Schließung", fragt er sich. "So lässt sich in einem Klima, in dem Intellektuelle grundsätzlich verdächtig sind, die Schließung des Salt durchaus als symbolische Abstrafung lesen."

Weiteres: Beuys' Werk und erweiterer Kunstbegriff ist auch 30 Jahre nach dem Tod des Künstlers für die Gegenwartskunst "virulent", lautet Nicola Kuhns Befund im Tagesspiegel.

Besprochen werden eine Ausstellung prähistorischer Felsmalereien im Martin-Gropius-Bau in Berlin ( Berliner Zeitung ) und eine Hans-Holbein-Ausstellung im Bode-Museum in Berlin ( Tagesspiegel ) und die Jubiläumsausstellung "100 Jahre Kunstmuseum Winterthur" ( NZZ ).

Musik, 25.01.2016

Benommen vor Glück kommt Michelle Ziegler aus Martha Argerichs Beethoven-Konzert in der Zürcher Tonhalle: "Aus der Erfahrung Argerichs ist eine unendliche Weite und Reife des Ausdrucks gewachsen. Dies kam im unvergleichlich zarten Piano des Adagios und im Purzelbäume schlagenden Rondo zur Geltung. Wer sein Instrument so innig kennt, dass das Handwerkliche beim Spiel vollkommen hinter der Sinnlichkeit verschwindet, dem sind in der Gestaltung keine Grenzen gesetzt."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel wirft Frederik Hanssen einen Blick auf die Medienaktivitäten der Berliner Philharmoniker abseits des Konzertbetriebs. Beim Konzert in Berlin hat Frank Peter Zimmermann seine neue Stradivari-Geige vorgestellt, berichtet Christiane Tewinkel im Tagesspiegel.

Besprochen werden Tilman Baumgärtels Studie zur Geschichte und Ästhetik des Loops ( Zeit ), Lucinda Williams' Album "The Ghosts Of Highway 20" ( Tagesspiegel ), bei der Musica Viva in München aufgeführte, neue Stücke von Isabel Mundry, Francesca Verunelli und Philippe Manoury (FAZ) und ein Münchner Klavierkonzert von Daniil Trifonov (SZ).

Bühne, 25.01.2016

Maxi Obexers präzise recherchierten, der Sache stets penibel verbundenen Stücke zollt Egbert Tholl in der SZ höchsten Respekt. Aktuell gilt dies besonders für ihr gerade in Salzburg uraufgeführtes Dokumentar-Oratorium "Illegale Helfer", in dem sich Obexer mit der rechtlich prekären Situation von Menschen befasst, die über den legalen Rahmen hinaus Flüchtlingen zur Seite stehen. Nur an der Umsetzung hapert es in den Details, meint Tholl: "In der Salzburger Uraufführung durch Peter Arp, über weite Strecken als löblich objektive, sehr akkurate Sprechfuge für neun Schauspieler angelegt, erhalten die Worte der Aktivisten leider einen appellativen, durchaus aggressiven Charakter. Hier irrt die Inszenierung, denn nichts läge Obexer ferner, als zu agitieren. Sie vertraut auf Wahrheit und Menschenverstand, ist darin sicherlich eine Idealistin, aber blauäugig oder militant ist sie nicht."

Weiteres: Keineswegs sei es ihm egal, wo Frank Castorf inszeniere, insistiert Schauspieler Ulrich Matthes im Gespräch für die Berliner Zeitung mit Ulrich Seidler, dem er vorwirft, seine Laudatio auf den Volksbühnen-Intendanten in dieser Hinsicht falsch verstanden zu haben.

Besprochen werden Valentino Fioravantis in Frankfurt aufgeführte Oper "Le Cantatrici Villane" ( FR ), die Uraufführung von Jens Albinus' "Umbettung" in Köln ( Nachtkritik ), Philipp Preuss' "Romeo-und-Julia-Inszenierung" am Wiener Volkstheater ( Standard ), ein "Glanzstück" der philippinischen Choreografin Eisa Jocson im Tanzquartier Wien ( Standard ) und Luk Percevals Hamburger Interpretation von John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" als Migrationsgeschichte ("analytisch arg schlicht", meint Falk Schreiber auf Nachtkritik, FAZ, Welt ),

Literatur, 25.01.2016

Im Standard schreibt Eva Menasse über Ernst Lothars wiederaufgelegten Generationenroman "Der Engel mit der Posaune". Außerdem bringt der Standard eine Erzählung des Wiener Autors Hanno Milesi über die Weisheit des Kellners "Zusammen oder getrennt?" Für die FR berichtet Andrea Pollmeier von der Litprom in Frankfurt.

Besprochen werden Martin Walsers "Ein sterbender Mann" (nachgereicht von der Zeit), Bernard von Brentanos wiederveröffentlichter Roman "Franziska Scheler" ( Tagesspiegel ), Bärbel Reetz' "Das Paradies war für uns: Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings" ( Tagesspiegel ), Sam Hawkens "Kojoten" (FAZ) und Christoph Poschenrieders "Mauersegler" (SZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Rüdiger Görner über Walter Benjamins "Sonette (17)":

"Die Harfe hängt im Wind sie kann nicht wehren
Daß deines Todes Hauch die Saiten rührt
Der in den Herzen große Feuer schürt
..."

Mehr auf Lit21, unserem fortlaufend aktualisierten Metablog zum literarischen Leben im Netz.

Architektur, 25.01.2016

Das Deutsche Architekturmuseum ehrt den Frankfurter Baumeister Ferdinand Kramer, und auch in der NZZ feiert Wolfgang Jean Stock Kramers Architektur, die ganz auf konsequente Sachlichkeit setzt und "deren Schönheit sich nicht der Zwecke schämte": "Mit einem Fanal hatte sich Kramer 1953 eingeführt, weil er das schmale neobarocke Hauptportal der Universität durch einen sieben Meter breiten und voll verglasten Eingang ersetzen liess. War er schon in den 1920er Jahren als 'Glattmacher' gescholten worden, galt er nun gar als 'Barbar'. Dabei hatte Kramer ein funktionales Zeichen für eine offene demokratische Universität gesetzt. Der Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge, der dort seinerzeit als Jurist arbeitete, erblickte darin einen 'Befreiungsschlag'."


9Punkt - Die Debattenrundschau

Politik, 25.01.2016

Der Guardian lässt eine Reihe arabischer Autoren zum fünften Jahrestag der Arabellion schreiben - sie hatten alle schon im Jahr 2011 zu den Ereignissen Stellung genommen. Der Blogger Alaa Abd El Fattah schreibt aus einem Gefängnis in Kairo - in dem nur Islamisten schlimmer behandelt werden als andere politische Gefangene. Der ägyptische Autor Ahdaf Soueif macht trotzdem die Islamisten mit verantwortlich für das Desaster in Ägypten: "Die Katastrophe geht auf den Moment zurück, als die Muslimbrüder und die Salafisten der Revolution der Bevölkerung das 'Identitätsthema' aufdrückten. 'Stimme für den Islam' war die Parole, die den Konflikt in eine andere Richtung schob. Nun waren es nicht mehr die Leute gegen das Regime, sondern die Leute gegeneinander. Die Frontlinie der Revolution, die zunächst von den 'physischen' Bedürfnissen der Menschen handelte, war nun 'metaphysisch' geworden."

In der taz schreibt die ägyptische, heute in Deutschland lebende Autorin Nora Amin über den Tahrir-Platz vor fünf Jahren und die sexuelle Belästigung, die alles vergiftete: "In dieser Gesellschaft, die die Vergewaltigung innerhalb einer Ehe nicht als solche anerkennt, spielt Aggression eine entscheidende Rolle im Sexualempfinden der Menschen. Ein Mann, der nicht aggressiv agiert, gilt nicht als Mann. Diese Männlichkeit aber sichert doch seinen Platz in der ägyptischen Öffentlichkeit."

Gabriele Goettle trifft für ihre große taz-Reportage Jürgen Maier, einen der wichtigsten Aktivisten gegen das Freihandelsabkommen TTIP, der nach wie vor überzeugt ist: "Das Ding ist verkorkst. Von Beginn an. Eines der Hauptargumente der Befürworter ist: Wir müssen gemeinsam mit den USA Standards setzen, sonst machen das die Chinesen. Aber mal abgesehen davon, ob das so stimmt, die Standards der USA sind ja in vielen Fällen keineswegs die besten. Nur ein kleines Beispiel: In Europa sind rund 1.300 Chemikalien als Kosmetikzusätze verboten - und zwar, weil wir sie für gefährlich halten. In den USA sind es genau 11. Der Rest ist zugelassen. Jetzt harmonisieren wir das mal, sozusagen nach der Vorgabe regulatorischer Harmonisierung. Was heißt das dann?"

Weiteres: Auch Constanze Kurz schreibt in ihrer "Maschinenraum"-Kolumne für die FAZ über TTIP, die heimlichen Schiedsgerichte und die Risiken für den deutschen Mittelstand. Im Interview mit der Welt erklärt der Schriftsteller Richard Ford Donald Trump zum neuen Mussolini.

Europa, 25.01.2016

Pascal Bruckner kritisiert im Interview (hier, kostenpflichtig) mit dem Figaro Angela Merkel und die defensiven Reaktionen der Öffentlichkeit auf die Ereignisse von Köln: "Die Deutschen leben wie die meisten Europäer in der Gewissheit, die einzige Quelle des Bösen in der Welt zu sein. Wir setzen unseren Stolz darein zu glauben, dass wir die Wurzel der Gewalt in der Welt sind. Andere Völker sind von Natur aus unschuldig oder reagieren nur auf unsere Brutalität. Der Flüchtling ist die moderne Version des edlen Wilden. Er leidet, es ist unsere Schuld, also braucht er unsere Hilfe. Wenn er böse handelt, dann weil wir böse mit ihm waren. Es steckt eine Menge Größenwahn und Herablassung in dieser Gewissheit."

Den Deutschen ging es nie besser als heute, schreibt der Soziologe Stephan Lessenich zum Abschluss der Serie "Was ist deutsch?" in der SZ: "'Deutsch' ist es wohl auch, die Relationen zu verkennen. Denn die deutsche 'Flüchtlingskrise' nimmt sich im Weltvergleich alles andere als außergewöhnlich oder gar außerordentlich gravierend aus. Pakistan beherbergt, auf das BIP pro Kopf in US-Dollar berechnet, 322 Flüchtlinge - nach einer weltweiten Statistik, die derzeit Äthiopien mit 469 Flüchtlingen pro Sozialprodukteinheit anführt. Der entsprechende Wert für Deutschland liegt bei 20." Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass das nicht die einzigen Indikatoren sind, die zwischen diesen Ländern divergieren!

Polen ist nicht Ungarn, versichern sowohl Adam Krzeminski in der Welt als auch Slawomir Sierakowski in der Zeit. Die Polen haben einfach, anders als die Ungarn, eine wirkliche Zivilgesellschaft, tröstet sich Krzeminski: "Die Beharrlichkeit einer Grassroots-Bewegung wie der 'Solidarnosc' ist im polnischen Politikverständnis viel stärker verankert als das 'Führerprinzip'. Das ist keine Selbstbeschwichtigung für heute. Trotz imposanter landesweiter Protestdemonstrationen, die auf die nächtlichen Sejm-Sitzungen, in denen die neuen Gesetze durchgepeitscht wurden, folgten, ist der Opposition klar, dass sie sich auf einen langen Marsch einstellen muss. ... Trotzdem wird es ein Danach geben. Und darauf muss sich sowohl die Opposition als auch die heute so triumphierende PiS einstellen."

In Polen ist "noch nie etwas vollkommen gelungen", meint Sierakowski, der vor allem dem rüden polnischen Kapitalismus die Schuld am Aufstieg Kaczy¿skis gibt, "der Nazismus nicht, der Kommunismus nicht, dem Kaczysmus wird es daher genauso ergehen. Die Tradition des Widerstands ist in Polen einfach zu stark. Trotzdem gilt zu bedenken, dass ein Sieg über Kaczy¿ski bei den Wahlen noch kein ganzer Sieg wäre. Kaczy¿ski kann nur besiegen, wer die Politik aus dem dysfunktionalen Konflikt zwischen Modernisierung und Anti-Modernisierung herausführt. Erst wer das schafft, wird die liberale Demokratie in Polen bewahren."

Gesellschaft, 25.01.2016

Die russische Gesellschaft ist "sehr gespalten", erklärt der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew im Interview mit Zeit online. Aber der Westen mache einen Fehler, wenn er nur rationale Gründe dafür sehe: "Es gibt die europäisch-liberale Richtung, die sich in Protesten, Briefen und Aktionen gegen Repressionen manifestiert.Und es gibt die nationale Richtung, der - wie ich sagen würde - romantischen Slawophilie: Alles ist hervorragend bei uns, das Volk wie auch das Leben, und all die anderen stören nur. Diese politische Romantik scheint auch einen großen Einfluss auf Putin auszuüben. Er ist bereit, diese Karte der politischen Romantik zu spielen. Die europäisch-liberale Richtung hat auch ihre Schwächen. ... Sie sieht diese Romantik nicht. Sie glaubt, dass die Leute nur deshalb mit der Macht verbunden sind, um Geld zu verdienen. Und dass die Machthaber einfach nur an ihrer Macht festhalten, dass es da gar kein ideelles Fundament gibt. Auch im Westen versteht man das nicht."

Im Tagesspiegel schreibt Peter von Becker über Rassismus und das Denken in Stereotypen. Nur selten gelinge es, dieser Falle zu entkommen. Peter Zadek hatte es vor 40 Jahren in seinem Hamburger "Othello" geschafft: "Als der kohlschwarz angemalte, mit einer grotesken King-Kong-Perücke geschmückte Othello-Darsteller Ulrich Wildgruber am Ende der erst skandalisierten, später umjubelt in die Theatergeschichte eingegangenen Inszenierung seine vermeintlich untreue Frau Desdemona im Eifersuchtswahn umarmt, küsst, würgt und tötet, passierte das: Auf den Körper der entblößten Eva Mattes färbte Wildgrubers dunkle Theaterschminke ab, die weiße Desdemona nahm so die Farbe ihres blindmörderischen 'schwarzen' Geliebten an, die angeblichen Gegensätze vermischten und vereinten sich, wenigstens im Tod. Dieses Bild blieb."

Kulturpolitik, 25.01.2016

Ob feste Häuser oder Festivals, überall werden die Genres gemischt, "es sieht alles irgendwie gleich aus", meint im Tagesspiegel müde Rüdiger Schaper zu Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele. Der versucht ihn im Interview mitzureißen: "Wirklich? Jan Fabres 'Mount Olympus'-Marathon oder Tino Sehgal im Gropius-Bau, das sind moderne Riten der Kunst mit ihrer ganz eigenen Energie, die sind unverwechselbar. Und wir spüren, dass man für kurze Zeit eine Gesamtberliner Wirkung erzielen kann: zum Beispiel mit der Ai-Weiwei-Ausstellung oder im Falle von Robert Wilsons 'Einstein on the Beach'. In den kommenden Jahren werde ich mich sehr um diese großen Formate und Behauptungen bemühen, das fordert auch die pure Größe unserer Häuser. Ich bin zuversichtlich, denn ich habe das Gefühl, dass gerade sehr viel passiert …"

Geschichte, 25.01.2016

Im Jahr 1970 stürzte ein Flugzeug der Swissair nach der Explosion eine Bombe im Gepäck über dem Ort Würenlingen ab. 47 Menschen kamen ums Leben. Die palästienensischen Täter, obwohl bekannt, wurden nie belangt. Wolfgang Kraushaar weiß jetzt nach Recherchen des Schweizer Kollegen Marcel Gyr, warum und erklärt es in der taz: Schweizer und palästinensische Unterhändler haben 1970 ein heimliches Stillhalteabkommen geschlossen: "Per Handschlag beschlossen sie, dass die PLO keine Anschläge mehr auf Schweizer Staatsgebiet oder Zielobjekte verüben würde. Dafür würde sich die Schweiz bei der UNO für die Anerkennung eines Palästinenserstaates und die Gründung eines eigenen Büros beim UN-Sitz in Genf einsetzen. Zu dieser Vereinbarung dürfte auch gehört haben, palästinensische Terroristen respektive Unabhängigkeitskämpfer von der Strafverfolgung auszunehmen."

Roswitha Schieb schreibt in der NZZ eine kleine Geschichte des jahrhundertelang erfolgreich multikulturellen Breslaus, was im Zweiten Weltkrieg erst von Deutschen vernichtet und dann von Polen verdrängt wurde, und schließt: "Es gibt ein großes Bedürfnis in dieser äußerst munteren, geistreichen und lebensvollen Stadt, an den kulturellen Reichtum der Vergangenheit anzuknüpfen. Ohne Amnesien, Tabuisierungen, Klitterungen ist Breslau mittlerweile in der Lage, sich auch schwierigen Kapiteln der Geschichte zu stellen."

Medien, 25.01.2016

Die neue App der FAZ (FAZ plus), die im Abo immerhin 40 Euro pro Monat kostet, funktioniert zwar sehr gut, aber sie denkt das Digitale als Zeitung, meint Jens Twiehaus von turi2: "Was gänzlich fehlt, sind Möglichkeiten zur Interaktion. Die Autorinnen und Autoren bleiben bis auf vereinzelte, kleine Fotos anonym. Eine Anbindung an die umfangreiche Biografien-Seite auf faz.net fehlt ebenso wie die naheliegende Möglichkeit, dem Autor direkt aus der App heraus eine E-Mail schreiben zu können."



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