Heute in den Feuilletons "Man denke an die Liebe zum Flakgeschütz!"

Die "NZZ" fordert Lyrik über Kampfdrohnen. "SZ" und "FAZ" freuen sich über vollendete Souveränität in einem Konzertmitschnitt von Keith Jarrett, Charlie Haden und Paul Motian. Und Element of Crime fordern: Bloß keine Experimente!


Efeu - Die Kulturrundschau

Kunst, 21.11.2014
Oskar Schlemmer ist ein gutes Beispiel dafür, wie das völlig überdehnte Urheberrechte Werke der Moderne in der Versenkung verschwinden lässt: Nach den Nazis haben die Erben Schlemmers über Jahrzehnte eine Ausstellung verweigert, erzählt Hans-Joachim Müller in der Welt. Erst jetzt, siebzig Jahre nach dem Tod des Künstlers, darf die Stuttgarter Staatsgalerie das Publikum mit dem Künstler bekannt machen und mit seinen kubischen Figuren: "Völlig unbeeindruckt von der 'Seinsvergessenheit', die Heidegger dem technischen Zeitalter nachsagen wollte, sah Schlemmer gerade in der Verlässlichkeit der Maschine eine Metapher für die Belastbarkeit seiner Vision. So wie der Bildhauer seine Figurenreliefs und Skulpturen aus Geräteteilen fügte, so verband der Maler die Körperteile seiner Gliederpuppen mit Rädern und Transmissionen, deren Präzision den apparativen Lebensaufbau erst ermöglichen würde."

Absolut vernünftig findet es Stefan Grund in der Welt, dass WDR und die landeseigene Spielbank in NRW ihre Kunst verkaufen: "Aufgabe des WDR ist es, zu senden, und dabei die Grundversorgung der Bevölkerung mit Information und Kultur sicherzustellen. Diese Aufgaben umfassen nicht den steuer- oder gebührenfinanzierten Kunsthandel."

Besprochen werden eine Ausstellung der russische Künstlergruppe Chto Delat in der Wiener Secession ( Presse ), die Ausstellung "No More Fukushimas" im Wiener Verein 08 ( Standard ), eine Ausstellung mit Porträtfotos von Martin Schoeller in der CWC Gallery in Berlin (SZ) und Peter Lindberghs Fotoband "Images of Women II" (FAZ).

Film, 21.11.2014
Kosslick ad infinitum? Dass Dieter Kosslick noch (mindestens) bis 2019 Berlinale-Chef bleiben wird, hält Rüdiger Suchsland auf Negativ für weiß Gott keine gute Idee: "Völlig ungeachtet von der Dauer einer Amtszeit und der Befähigung eines Kandidaten sollten derartige Stellen (...) vor einer Verlängerung öffentlich ausgeschrieben werden. Vielleicht gäbe es noch andere Bewerber? Mit noch besseren Qualifikationen, besseren Ideen, besserer Eignung. ... Dieter Kosslick steht für das Gegenteil von Offenheit, Vielfalt und kreativen Kontroversen. Er steht für nahezu alles, was am Gegenwartskino schlecht ist."

Auf critic.de führt Michael Feig durch das Kino des britischen Regisseurs Mike Hodges ("Get Carter", "Flash Gordon"), dem das Heimspiel Filmfestival in Regensburg eine Retrospektive widmet. Zwar fehle dem Regisseur eine durchgehende ästhetische Handschrift, aber ein Motiv hat Feig doch destillieren können: "Der Einzelne sieht sich ominösen, letztlich unhintergehbaren Mächten gegenübergestellt, ob als Spielball oder Einzelkämpfer - oder beides zugleich... Solch ein gesellschaftskritischer, geradezu pessimistischer Grundton, der sich entsprechend in der visuellen Umsetzung niederschlägt, rückt Hodges zu Beginn seiner Karriere in die Nähe des New Hollywood."

Weiteres: In Thailand wurden fünf Studenten festgenommen, die Premier Prayut Chan-O-Cha mit dem rebellischen Drei-Finger-Zeichen aus den "Tributen von Panem" begrüßten, meldet die Presse, etwas später traf es eine weitere Studentin: "Nach einem Verhör werde entschieden, ob die Frau 'in ein Militärlager zur Verhaltensanpassung' gesteckt werde, sagte Polizeioberst Kittikorn Boonsom." Kevin Kline spricht im Interview mit dem Standard über seinen neuen Film "My Old Lady". Für kino-zeit.de hat sich Sonja Hartl mit Hans Peter Moland über dessen neuen, hier besprochenen Film "Einer nach dem Anderen" unterhalten. Der Filmregisseur Mike Nichols ("Reifeprüfung", "Wer hat Angst vor Virginia Woolf") ist gestorben: Auf Fandor sammelt David Hudson Links. Nachrufe bringen die NZZ , die SZ , die FR , die FAZ und der Tagesspiegel .

Besprochen werden der japanische Animationsfilm "Die Legende der Prinzessin Kaguya" von Isao Takahata ( FR , mehr), der dritte Teil der "Tribute von Panem"-Reihe ( FR , FAZ, SZ, Tagesspiegel ), Ruben Östlands "Höhere Gewalt" ( Zeit, Perlentaucher, Tagesspiegel, critic.de ) und Clara Bellars Dokumentarfilm "Being and Becoming" ( Tagesspiegel ).

Architektur, 21.11.2014
Das nach langem Umbau wiedereröffnete, einst von Rolf Gutbrod entworfene Kunstgewerbemuseum in Berlin geht einen Schritt in die richtige Richtung, meint in der FAZ Andreas Kilb, auch wenn er etwa mit der Präsentation im Untergeschoss noch immer nicht zufrieden ist. "Der 1985 eingeweihte Bau des Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod (...) stellt mit seiner baukastenhaften Beton-Ziegel-Fassade und seinem labyrinthischen Inneren, in dem sich freischwebende Treppen, brutalistische Stützbalken und Waschbetonsäulen ohne Sinn und Verstand übereinander kanten, nach wie vor eine ästhetische Zumutung erster Ordnung dar. ... In diesem, gelinde gesagt, unvorteilhaften Rahmen haben die Architekten von Kuehn Malvezzi mit der Mode-Galerie im Zugangsgeschoss ihr Meisterstück abgeliefert."

Eine andere Position nimmt da Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung ein, der den ursprünglichen und gern verfemten Bau vor seinen Kritikern in Schutz nimmt. Die eigens eingerichteten Pavillons etwa verengen die Ausstellungsräume für seinen Geschmack zu sehr. "Die ganz große Enttäuschung aber ist die Neuinszenierung der Design-Sammlung. ... Alles wirkt eng und die international verflochtene Design-Geschichte des 20. Jahrhunderts wird zu einer in Stilschubladen sortierten Angelegenheit. Die bisherige Ausstellung mit luftigen Raumensembles sah nicht nur besser aus, sie war auch weit instruktiver."

Außerdem: Dieter Bartetzko ärgert sich in der FAZ enorm, dass das historische Gebäude der einstigen Kopf-Apotheke in Frankfurt um ihren Wandbrunnen gebracht wurde: "Eines der letzten originalen Kunstwerke im ohnehin so geschichtsarmen Stadtkern ist unbemerkt der Öffentlichkeit entzogen worden".

Literatur, 21.11.2014
Alle reden über Drohnen, diskutieren das Für und Wider. Aber wird es einen Kafka geben, der sie besingt, fragt bang der Literaturwissenschaftler Manfred Schneider in der NZZ: "Das Kriegsgerät der heroischen Zeiten fand stets seine Sänger: Man denke an Wagners Siegfried und seine Arie auf das Schwert Nothung, man denke an die Seiten, auf denen Ernst Jünger seiner Liebe zum Flakgeschütz Ausdruck verlieh, man denke an die Hymnen, die Gabriele D'Annunzio der italienischen Luftflotte widmete!"

Der Freitag beschenkt die Krimifans mit einem dicken Krimi-Spezial: Hier etwa empfiehlt Ekkehard Knörer "Lady Bag" von Liza Cody, die "das Genre entschieden vom Kopf auf die Füße" stelle (unsere Besprechung hier). Alle weiteren Besprechungen des Spezials finden Sie hier.

Besprochen werden Christa Wolfs "Moskauer Tagebücher" ( Berliner Zeitung , FAZ), Volker Reinhardts De-Sade-Biografie ( Freitag ), Haruki Murakamis "Von Männern, die keine Frauen haben" ( Zeit ), Fadhil al-Azzawis "Der Letzte der Engel" (FAZ) und Michael Jaegers "Wanderers Verstummen, Goethes Schweigen, Fausts Tragödie" (SZ).

Bühne, 21.11.2014
Höchstes Lob für Verdis "Luisa Miller" an der Hamburgischen Staatsoper: Simone Youngs "feuriges Temperament", erstklassige Sängerschauspieler und eine inspirierte Inszenierung von Andreas Homoki tragen für Marcus Stäbler (NZZ) allesamt dazu bei. "Homoki hebt den vom Werk exponierten sozialkritischen Aspekt kräftig hervor und rückt damit Verdis Oper nahe an ihre Vorlage und deren Entstehungszeit kurz vor der Französischen Revolution heran. Seine Inszenierung schildert den Prozess eines gesellschaftlichen Verfalls. Daran lassen die zunehmend zerrupfter wirkenden Kleider und Frisuren der Choristen und die drohende Guillotine keinen Zweifel."

Musik, 21.11.2014
Das erst jetzt unter dem Titel "Hamburg '72" als Live-Album veröffentlichte Jazz-Konzert von Keith Jarrett, Charlie Haden und Paul Motian lässt Thomas Steinfeld in der SZ ganz und gar dahinschmelzen: "Diese Musik [ist] virtuos genug, um ihr Material als offenen Grundriss zu behandeln, auf dem sich weite Fluchten anlegen lassen, behagliche Nischen oder hin und wieder auch etwas völlig Unsinniges. Es schmerzt ein wenig zu wissen, dass solche Souveränität längst etwas Seltenes ist." In der FAZ bekundet auch Wolfgang Sandner, beim Hören "ein bisschen wehmütig" zu werden.

Einen echten Leckerbissen hat Rüdiger Esch mit seinem Interviewband "Electri_City" über Düsseldorf als Keimzelle der elektronischen Musik vorgelegt, meint Hendrik Otremba in der Jungle World: "Auf den ersten Blick ist das Buch ein Zeugnis der Musikgeschichte und richtet sich an Menschen, die ein nahezu nerdiges Interesse an den technischen Details des emporkommenden Elek­troniksounds aus Düsseldorf haben. Auf den zweiten Blick bemerkt man: Es ist die Erzählung einer intensiven, einzigartigen Musik." Mehr zu dem Buch hier.

Mit den Begriffen Innovation oder Experiment können Sven Regener und Jakob Ilja von Element of Crime nicht viel anfangen, erklären sie im Interview mit der NZZ. Ihr neues Album hat zehn neue Songs, das muss reichen, meint Regner: "Eine Band ist ja ein bisschen so wie der Bremer Bürgerpark. Der sieht jeden Tag anders aus: Hier sind ein paar Blätter runtergefallen, da ist einmal ein Baum tot, dort wachsen plötzlich Blumen raus. Das ist auch der normale Effekt, wenn eine Band neue Songs macht: Das eine kommt dazu, und das andere verschwindet in der Vergangenheit. Es bringt ja nichts, aus dem Bremer Bürgerpark einen japanischen Steingarten zu machen. Das ist einfach nur Quatsch."

Das Lollapalooza-Festival kommt nach Berlin. Was in der Berliner Zeitung Anlass zur höchsten Freude ist, löst bei Berthold Seliger (Jungle World) starke Vorbehalte aus: Längst steht hinter der Festivalmarke kein idealistischer Betrieb mehr, sondern ein knallhart kalkulierender Konzern, wie seine Recherchen ergeben haben. Er ist skeptisch, "ob die in Kooperation mit oder gleich unter direkter Beteiligung der Großkonzerne veranstalteten neuen Festivals 2015 die Berliner Musikszene bereichern. Hoffen wir, dass das Land Berlin den Lollapalooza-Machern wenigstens einigermaßen hohe Mieten und Gebühren abknöpft. Davon könnte dann langfristig tatsächlich die Berliner Musikszene profitieren."

Mächtig zynisch findet es Daniel Zylbersztajn in der taz, dass Bob Geldof seinen schon in den 80ern umstrittenen Band-Aid-Charity-Klassiker "Do they know it's Christmas?" nun in einer Ebola-Edition neu aufgelegt hat: "Wenn alte Stereotype daher aufgerissen werden, damit sich saturierte Popstars mit afrikanischen Missionsfedern schmücken können, dann darf man auch vom Kolonialismus, Neokolonialismus und rassistischer Bevormundung nicht schweigen."

Weitere Artikel: Für The Quietus plaudert Julian Marszalek ausführlich mit Robert Plant, der gerade sein neues Album "Lullaby And… The Ceaseless Roar" (mehr) veröffentlicht hat. Für den Tagesspiegel hat Andreas Hartmann das Berliner Elektrolabel Pan besucht. Frédéric Schwilden muss sich nach einer Glosse in der Welt von dem Rapper Fler beschimpfen lassen. In seinem Poptagebuch beim Rolling Stone gratuliert Eric Pfeil schon jetzt allen Christkindern aus Pop und Rock. Außerdem gibt "Retromania"-Autor Simon Reynolds seine hauntologischen Musikempfehlungen für November bekannt.

Besprochen werden Azealia Banks Debütalbum "Broke with expensive Taste" ( taz ), das Album "Radian Verses Howe Gelb" ( Standard ), die Neubauten-Performance "Lament ( The Quietus ), die Konzeptalben der Einstürzenden Neubauten und der Tindersticks zum Ersten Weltkrieg ( taz ), ein Konzert der Counting Crows ( Tagesspiegel ), die Deluxe-Wiederveröffentlichung von David Bowies '81er Album "Nothing Has Changed" ( Pitchfork ) und ein Konzert von Hilary Hahn in München (SZ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Überwachung, 21.11.2014
Die Vodafone-Tochter Cable & Wireless hat nicht nur für den britischen Geheimdienst GCHQ gearbeitet - sie hat ihm glatt gehört, berichtet das medienübergreifende Recherchenetzwerk von WDR, NDR und SZ nach Durchsicht von weiteren Snowden-Papieren: "Der Tarnname des vor zwei Jahren von Vodafone übernommenen Unternehmens lautete offenbar 'Gerontic'. Kalendereinträge zeigen, dass es ein 'gemeinsames Projektteam' von Gerontic-Mitarbeitern und Geheimdienstleuten gab." Eine nützliche Kooperation, wie es scheint: "GCHQ hielt in einer Datei fest, dass der Dienst auf insgesamt 63 Unterseekabel zurückgreifen konnte."

Zur Überwachung von Aktivisten und Journalisten setzen Regierungen weltweit Trojaner ein - das Bundeskriminalamt bereitet gerade die Neuauflage des "Staatstrojaners" vor (mehr hier). Die Initiative Resist Surveillance bietet nun mit "Detekt" ein Open-Source-Tool an, das die Schadsoftware erkennen soll, berichtet Eike Kühl auf Zeit digital: "Acht bekannte Trojaner erkennt Detekt, die alle ähnlich funktionieren: Die Nutzer laden eine Datei aus dem Internet herunter, indem sie auf entsprechende Links oder E-Mail-Anhänge klicken. Einmal installiert, können die Trojaner nicht nur verfolgen, was auf dem Bildschirm passiert, sondern auch Skype-Gespräche mithören oder die Webcam eines Laptops aktivieren."
Internet, 21.11.2014
Laut Ermittlungen des NDR nutzt der IS für seine Kommunikation den von deutschen Neonazis betriebenen Internetdienst "0x300", berichten Robert Bongen und Julian Feldmann auf der Webseite der Sendung Panorama: "Zahlreiche Kameradschaften und Neonazi-Gruppen sind über E-Mail-Adressen des Anbieters erreichbar... Rechtsextremisten empfehlen '0x300' als besonders sicheren und für deutsche Behörden nicht zugänglichen 'Postfachanbieter'. Die IP-Adresse werde nicht gespeichert, der Server stehe in den USA."

Europa, 21.11.2014
Die Politologin und Thinktankerin Ulrike Guérot beklagt in Carta den gegenwärtigen Zustand der Europäischen Union. Schuld seien einerseits die alten Männer, die vor einer engeren Union zurückschreckten, andererseits Deutschland in der Eurokrise: "Der performative Sprechakt - 'Wir sind wirklich eins' - ist nämlich in Europa ausgeblieben. Er ist vor allem während der Eurokrise ausgeblieben und darum glaubt heute keiner mehr an ihn. Man hätte diesen politischen Sprechakt der europäischen Einheit viele Male tätigen können: zu Beginn der Bankenkrise 2008, als Angela Merkel die deutschen Spareinlagen sicherte, die europäischen Nachbarn inklusive Frankreich aber sich selbst überließ; oder 2009/ 2010, als die Frage von Eurobonds diskutiert und sofort von Deutschland verworfen wurde."

Bei den Protesten des Euromaidan wurde mehr Demokratie und weniger Korruption gefordert. Diese Forderungen umzusetzen - und damit zu beweisen, dass "Europas Gesellschaftsmodell attraktiver" ist als die russische Kleptokratie -, ist wichtiger als militärischer Widerstand im Donbass, meint Christoph von Marschall im Tagesspiegel: "Wenn sich das Leben in den kriegsfreien Regionen, und das sind mehr als vier Fünftel der Ukraine, durch Reformen sichtbar bessert, wird dieses Beispiel auf die Ostukraine und Russland ausstrahlen. Der Krieg darf nicht weiter ein Hindernis für Reformen oder eine Ausrede für ihre Verschiebung sein."

Die Sprache des Westens gegenüber Russland ist zwar deutlich, aber die Sanktionen sind es nicht, meint Amy Knight im NYRBlog, die sich vor allem über eins wundert: "Westliche Politiker haben es bis heute vermieden, Russland direkt mit dem MH 17-Desaster zu konfrontieren. Aber immer mehr inoffizielle Untersuchungen - darunter ein letzte Woche herausgebrachter sehr detaillierter Bericht des unabhängigen Journalisten Bellingcat - zeigen unzweideutig, dass ein russisches Raketensystem bentzt wurde, um das Passagierflugzeug abzuschießen - mit 298 Toten."

Medien, 21.11.2014
Im Newsroom der New York Times stehen womöglich Entlassungen an, berichtet James West in Motherjones.com: "Schon im Oktober kündigte die Times einen Plan an, hundert Newsroom-Jobs durch Abfindungen abzuwickeln." Aber offenbar haben sich nicht genug Freiwillige gemeldet. Wer sich nicht abfinden lässt bekommt in einer internen Mail, die Mother Jones zitiert, eine klare Ansage: "Wir sollten hier vielleicht wiederholen, dass es bei Entlassungen dann keinen Klaps auf die Schulter mehr gibt."

Politik, 21.11.2014
Selbst die Tunesier stecken im Dilemma der arabischen Länder nach dem "Frühling". Gerade freute man sich, dass in Tunesien säkulare Kräfte obsiegen, da warnt eine Gruppe von Intellektuellen in Libération vor dem aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten Bèji Caid Essebsi, der für sie eine zu große Nähe zum alten Ben-Ali-Regime hat: "War er es nicht, der an der Spitze der proviorischen Regierung von 2011 behauptete, dass die Heckenschützen Ben Alis nur ein Gerücht seien? Der alles getan hat, damit die Archive der Diktatur schnellstens verschwinden? Der die 'Stammeskämpfe', die so viele Tote und Verletzte brachten, angefacht und hat ausbrechen lassen?"

Dass der deutschstämmige Klaus Johannis bei der rumänischen Präsidentschaftswahl mit Victor Ponta den "überaus angesehenen Repräsentanten eines hinterhältigen, selbstsüchtigen, sehr provinziellen und mittelmäßigen Apparats" geschlagen hat, erscheint dem Schriftsteller Norman Manea in der SZ wie ein Wunder: "Ein rumänischer Präsident, der einer protestantischen Minderheit angehört! Und das in einem östlichen Land, in dem die orthodoxe Kirche als tragende Säule der Nation betrachtet wird! Das einzige Verbindungsglied zwischen solch einem Wunder und der hiesigen Geschichte besteht in der Erinnerung an die deutschen Hohenzollern-Könige Rumäniens, die sich als loyal erwiesen haben und als einigende Kraft."

Geschichte, 21.11.2014
Hilmar Klute berichtet in der SZ von einer Tagung am Münchner Institut für Zeitgeschichte zum Thema Lachen über Hitler: "Es gibt den brennenden Wunsch vieler deutscher Humorarbeiter, Adolf Hitler in seiner angeblichen Banalität zu zeigen, und da möchte man zumindest nachfragen, ob ein Mann, der sechs Millionen Juden ermordet hat und zumindest darangegangen ist, die Welt anzuzünden, wirklich mit dem Begriff der Banalität abzufertigen sei. Der Historiker Axel Drecoll fand dafür die handhabbare Formel: Die Banalität Hitlers und seine Qualifizierung als 'absolute Null bergen nicht mehr Erklärungspotential als der Dämon Hitler.'"

Gesellschaft, 21.11.2014
Ralf Bönt fordert in einem kleinen Essay für die Welt ein Umdenken in der Gender-Debatte: "Kardinalfehler in der jahrzehntealten Debatte ist, die Frau als Boss denken zu können, den Mann aber nicht als Mutter. Dabei ist es der Vater, der fehlt."




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