Stilbildender Journalist Radio-Eins-Musikchef Peter Radszuhn gestorben

Bestürzung beim Rundfunk Berlin-Brandenburg: Peter Radszuhn, der Musikchef des RBB-Senders Radio Eins, ist tot. Er starb überraschend im Alter von 60 Jahren. Unter Radszuhn hatten mehrere zukünftige Stars ihre ersten Radioeinsätze.

RBB-Musikchef Peter Radszuhn: Alternative zu Top-20-Programmen gesucht
RBB/ David Ulrich

RBB-Musikchef Peter Radszuhn: Alternative zu Top-20-Programmen gesucht


So sehr Peter Radszuhn die Musik liebte - bei der Arbeit bekannte er sich zum Durchzappen. "Wenn ich merke, das wird nichts, fliegt die CD raus", sagte er der "Berliner Zeitung" einmal in einem Interview. Doch wenn die CD drin blieb und der Musikchef von Radio Eins von einer Band überzeugt war, wurde sie gespielt - auch wenn sie noch niemand kannte.

1997 wurde das Programm Radio Eins gegründet, mit der Zielsetzung, einem erwachsenen Publikum zwischen 25 und 50 Jahren eine Programmalternative zum Top-Twenty-Radio zu bieten. Die richtige Musikmischung war dafür ein wichtiger Faktor, und für die war von Anfang an Peter Radszuhn verantwortlich. "Unser Format ist, dass wir kein Format haben", fasste er 2013 seine Leitlinie gegenüber der "Musikwoche" zusammen.

Peter Radszuhn kam 1954 in Berlin zur Welt und studierte Germanistik an der Freien Universität im Westteil der Stadt. Doch mit Musik hatte er schon früh zu tun: Er spielte in der Neue-Deutsche-Welle-Band Tempo und legte als DJ im Kreuzberger SO 36 Platten auf. Als Musikmanager war er viele Jahre lang Mitglied in der Jury des Senatsrockwettbewerbs. Zum Radio kam er 1989 als Quereinsteiger beim damaligen SFB.

"Wer die Stones kennt, fürchtet die Arctic Monkeys nicht"

"Peter Radszuhn stand von der ersten Sendestunde an für die Musik bei Radio Eins", würdigte die Intendantin des aus SFB und ORB entstandenen Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Dagmar Reim, den Musikjournalisten, der stilbildend gewesen sei, bestens vernetzt und hoch anerkannt in der Musikszene. Programmchef Robert Skuppin hob die "unvergesslichen Interviews" hervor, die Radszuhn mit David Bowie, Neil Young und Bob Geldof geführt habe.

Radszuhn war besonders stolz auf Entdeckungen, die der Sender gemacht habe: 2raumwohnung, Wir sind Helden oder Annett Louisan liefen zuerst auf Radio Eins, und auch die deutschen Radiopremieren internationaler Bands wie The Strokes oder The White Stripes reklamierte er für sich. Denn er war sich sicher, dass "eine Generation, die mit den Stones groß geworden ist, keine Angst vor den Arctic Monkeys hat".

In der Nacht zum Samstag ist Peter Radszuhn überraschend im Alter von 60 Jahren gestorben, wie der RBB am Montag mitteilte. "Wir vermissen einen ganz besonderen Kollegen", so die Intendantin Dagmar Reim im Namen des ganzen Teams. "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik", hatte Radszuhn im "Berliner Zeitung"-Interview gesagt. Nun endet sein Leben viel zu früh. Radio Eins erinnert am Mittwochabend um 21 Uhr an seine Arbeit.

feb/dpa

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