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"Peter Strohm": Klaus Löwitsch ist tot

Der Schauspieler Klaus Löwitsch ist im Alter von 66 Jahren verstorben. Noch vor kurzem hatte der als bärbeißiger TV-Detektiv "Peter Strohm" bekannt gewordene Darsteller sein Bildschirm-Comeback angekündigt.

Schauspieler Löwitsch: Haderte mit dem Image als "Macho der Nation"
DPA

Schauspieler Löwitsch: Haderte mit dem Image als "Macho der Nation"

München - Löwitschs Ehefrau Helga Heinrich bestätigte am Dienstag eine Meldung der Zeitschrift "Bunte". Der 66-jährige Schauspieler starb am Morgen gegen 04.00 Uhr in einer Münchner Klinik an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Noch vor wenigen Wochen hatte Löwitsch in der "Bild"-Zeitung angekündigt, bald wieder auf den Fernsehschirm zurückzukehren. Nach einem öffentlich und medial ausgeschlachteten Gerichtsprozess wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung war es Mitte 2001 still um den in der Rolle des harten TV-Polizisten "Peter Strohm" berühmt gewordenen Darsteller geworden. Im November sagte er der "Bild": "Ich will wieder ins Fernsehen, denn ich liebe meinen Beruf und habe neue Kraft." Drei neue Projekte nannte er, die bereits in Planung gewesen seien, darunter ein Film namens "Morgengrauen", der sich laut Löwitsch mit der Aufarbeitung des "Dritten Reichs" beschäftigen sollte.

Löwitsch wurde am 8. April 1936 in Berlin als Sohn eines Architekten geboren und hatte in den fünfziger Jahren seine Bühnenlaufbahn im Ballett an der Wiener Volksoper begonnen. 1945 war seine Familie von Berlin in die österreichische Heimatstadt des Vaters gezogen. Seit 1961 machte er sich an den Münchner Bühnen einen Namen. Seine erste große Rolle hatte er in dem Musical "Kiss Me Kate" an der Wiener Volksoper. Beim Film wirkte er ab 1955 zunächst in zweitrangigen Produktionen mit. Immerhin erhielt er 1970 den Bundesfilmpreis für seine Rolle in "Mädchen - nur mit Gewalt".

In den siebziger Jahren konnte sich Löwitsch in der Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder als vielschichtiger Charakterschauspieler profilieren. "Es war eine Beziehung auf den ersten Blick, wir haben uns sofort gegenseitig angezogen", sagte er einmal über seine Arbeit mit dem Ausnahme-Regisseur. Löwitsch spielte unter anderem in den Fassbinder-Filmen "Der Händler der vier Jahreszeiten" (1971), "Welt am Draht" (1973) und "Despair - Eine Reise ins Licht" (1977) mit.

Beim Fernsehen begann Löwitsch mit Engagements in Literaturverfilmungen wie Horvaths "Italienische Nacht" (1966) und "Amerika oder der Verschollene" (1969) nach einer Kafka-Erzählung. Einen Erfolg feierte er mit der ARD-Feuchtwanger-Verfilmung "Exil" (1981). Später tauchte Löwitsch immer öfter in Krimiserien wie "Tatort", "Der Alte", "Die Krimistunde" oder in Thrillern wie "Hart an der Grenze" (1985) auf. Als "ein Mann für harte Fälle" erwies sich der Mime ferner im "Detektivbüro Roth" und in der 1986 abgedrehten ARD-Serie "Hafendetektiv", an der er auch als Koautor mitgewirkt hatte.

Als hart gesottener Privatdetektiv "Peter Strohm", der seine Fälle als Einzelgänger und immer hart an der Grenze des Legalen löste, agierte er in der Anfang 1989 angelaufenen Gemeinschaftsproduktion von ARD, ORF und SRG. Die Rolle Strohms erfüllte er mit so viel Leidenschaft, das Rolle und öffentliches Bild oft miteinander verschmolzen. Löwitsch stand mit seinem Image als "Macho der Nation" allerdings stets auf Kriegsfuß und versuchte früh, auf den Inhalt der "Strohm"-Serie Einfluss zu nehmen. 1991 kündigte er die Zusammenarbeit mit der ARD auf und drehte für RTL die Krimiserie "Zorc - Mann ohne Grenzen". Doch auch hier waren seine Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt, so dass er schon ein Jahr später wieder zum "Ersten" zurückkehrte und die vierte "Peter Strohm"-Staffel drehte. Als "oberflächlich" charakterisierte er damals seine Rolle, da "Action ohne menschlichen Konflikt langweilig werde". Dennoch blieb er der Serie bis 1996 treu.

Für seine Darstellung des Juden Rabinovicz im Gerichtsdrama "Das Urteil" wurde Klaus Löwitsch 1998 mit dem Adolf-Grimme-Preis und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Zuletzt war Löwitsch in dem Hausbesetzer-Drama "Was tun, wenn's brennt" zu sehen - als zynischer und abgebrühter Polizisten-Veteran. Kurze Zeit später geriet er wegen sexueller Belästigung einer Schauspieler-Kollegin in private Schwierigkeiten und wurde im Zuge des Prozesses zu einer Geldstrafe in Höhe von 13.800 Euro verurteilt. Frustriert und von der deutschen Justiz enttäuscht verkündete er daraufhin seinen Abschied von Bildschirm und Bühne.

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