Picasso-Diebstahl Ohne Spuren und Versicherung

Der Diebstahl der beiden Picasso-Gemälde wird immer rätselhafter. Immerhin waren die Besitzer in der Wohnung, als die Diebe die Meisterwerke spurlos verschwinden ließen. Dazu kommt, dass die Bilder offenbar nicht versichert waren.


Paris - Nach dem Verschwinden der beiden Picasso-Bilder aus der Altbauwohnung der Picasso-Enkelin Diana Widmaier-Picasso am Mittwoch, sieht die Polizei langen und schwierigen Ermittlungen entgegen. In der Wohnung gebe es keine Spuren eines Einbruchs. Momentan vermutet man, dass die oder der Täter intime Ortskenntnisse besaßen, da sie in das Haus eindringen konnten, ohne den Alarm auszulösen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Zweit- oder Generalschlüssel, da das Appartement erst vor gut einem Monat renoviert wurde.

Eines der gestohlenen Picasso-Bilder: "Maya à la poupée"
AFP/ SUCCESSION PICASSO

Eines der gestohlenen Picasso-Bilder: "Maya à la poupée"

Zu dem Zeitpunkt des Diebstahls sollen Widmaier-Picasso und ihr Lebensgefährte in der Wohnung gewesen sein. Dieser habe sogar Lärm gehört und nachgesehen. Allerdings habe er sich wieder schlafen gelegt, nachdem er nichts Auffälliges bemerkt habe. Bei der Polizei hat man Verständnis: "Es ist tatsächlich schwer, in dieser Wohnung voller Kunstwerke das Fehlen von zwei bis drei Werken festzustellen"

Andeutungen des Rechtsanwalts Olivier Baratelli zufolge, der zusammen mit Anwalt Paul Lombard die Picasso- Familie vertritt, sollen die Werke nicht versichert gewesen sein. Grund dafür seien die hohen Versicherungsprämien, die für solche wertvollen Meisterwerke verlangt würden. Der Gesamtwert der gestohlenen Bilder beläuft sich auf 50 Millionen Euro. Zum momentanen Zeitpunkt fehle aber die letzte Gewissheit hinsichtlich der Versicherungsfrage. Die Klärung dieser Sachlage wird zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass nicht Picassos Enkelin Widmaier-Picasso, sondern ihre Mutter Maya Eigentümerin der Werke ist.

Die Bilder, die aufgrund ihrer Bekanntheit auf dem Kunstmarkt als unverkäuflich gelten, könnten im Auftrag eines Privatsammlers gestohlen worden sein. Es sei aber auch durchaus denkbar, dass ein Lösegeld von den Eigentümern oder der Versicherung erpresst werden soll. Inzwischen ist auch Interpol eingeschaltet worden, um die Aufmerksamkeit der Behörden weltweit auf den Fall zu lenken. Ebenso sind die Kunstmärkte alarmiert.

hae/dpa



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