Manipuliertes "Playboy"-Interview Burda-Verlag stellt Strafanzeige gegen freien Autor

Die Manipulationen an einem Interview mit Ennio Morricone haben für den freien Journalisten ein juristisches Nachspiel. Der "Playboy"-Chefredakteur kündigte rechtliche Schritte an.

Florian Boitin
imago/ Horst Galuschka

Florian Boitin


Der Burda-Verlag stellt Strafanzeige gegen einen freien Journalisten, der offenbar Teile eines Interviews mit dem Filmkomponisten Ennio Morricone manipuliert hat. Das Interview war in der deutschsprachigen "Playboy"-Ausgabe erschienen.

In einer Stellungnahme auf der Internetseite des Magazins entschuldigt sich "Playboy"-Chefredakteur Florian Boitin bei den Lesern und Ennio Morricone: "Ich kann deshalb an dieser Stelle nur mein allergrößtes Bedauern ausdrücken, wenn durch die - man muss es so sagen: vorsätzlich unrichtigen Darstellungen - eines von uns beauftragten Autors Herr Morricone in ein falsches Licht gerückt wurde."

Der Autor habe die Anschuldigungen inzwischen schriftlich zugegeben und sich bei Morricones Agentur entschuldigt. Das berichtet auch die Branchenseite Meedia.de. Der Journalist nenne sein Vorgehen in dem Schreiben einen "schweren Fehler".

In dem Interview hatte Morricone den Filmemacher Quentin Tarantino angeblich als "Kretin" und die Oscar-Verleihungen als peinliche Veranstaltung bezeichnet. Morricone wehrte sich umgehend gegen die angeblichen Aussagen.

Ob der Autor die Wortwahl Morricones frei erfunden hat, ist nach jetzigem Kenntnisstand noch nicht klar. Boitin schreibt in seiner Stellungnahme, der Autor habe sich bei der finalen Interviewfassung nicht an das tatsächlich Gesagte gehalten, sondern dem Interview "anderweitig getroffene Aussagen" hinzugefügt. Der "Playboy" arbeite an einer vollständigen Aufklärung.

kae



insgesamt 5 Beiträge
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vox veritas 15.11.2018
1. Interessant
Ich würde gerne mal wissen, wie oft ungeprüfte (und fehlerbehaftete) Artikel von freien Autoren in den Medien veröffentlicht werden. Sicherlich kann man Vieles vorab gegenlesen und prüfen, aber daß funktioniert bestimmt nicht bei allen Artikel. Das wäre doch einmal ein Auftrag für den Spiegel.
Kunibaer 15.11.2018
2.
Ich frage mich, wie dumm der Playboy-Journalist gewesen sein muss, derartig scharfe und pointierte Aussagen in den Text geschrieben zu haben, ohne dass sie getroffen wurden. Das ist doch klar, dass das nicht so stehen bleibt!?
dasfred 15.11.2018
3. Und ich dachte immer, das ist ein Witz
Das Leute den Playboy wegen der Interviews kaufen. Eventuell hat sich der Autor gedacht, sein Interview Partner ist weit weg, kümmert sich nicht um deutsche Magazine, da kann man dem ganzen noch etwas Pfeffer geben. Auch wenn es natürlich unschön ist, was er hier abgezogen hat, aber wenn man bedenkt, wie die Boulevard Zeitschriften ansonsten arbeiten, kann man froh sein, dass Teil des Gesprächs wohl sogar echt sind.
Alexis_Saint-Craque 15.11.2018
4. Bestellt
Nun gibt es ja nicht nur online einen Zwang zur Skandalisierung, sondern wohl erst recht im sterbenden Print. Der freie Journalist hat sicherlich nur geliefert, was bestellt wurde. Man könnte ebensogut die Putzfrau verklagen. Wozu gibt es Chefs?
christian simons 15.11.2018
5.
Da werden Erinnerungen an Tom Kummer, den Meister der fiktiven Konversation wach. Eine vertrauenswürdige Interviewveröffentlichung zu Morricones neunzigstem Geburtstag findet man übrigens hier: https://www.zeit.de/kultur/film/2018-11/ennio-morricone-komponist-filmmusik-soundtrack-oscar-rom
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