Nach Pofalla-Meldung: "Postillon"-Satiriker kritisiert Medienbranche

Mit einer falsch datierten Meldung zum Wechsel Ronald Pofallas verwirrte die Satire-Webseite "Der Postillon" die Öffentlichkeit. Im SPIEGEL kritisiert "Postillon"-Chef Stefan Sichermann nun die Medienbranche: Deren Glaubwürdigkeit habe gelitten.

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"Postillon"-Chef Sichermann: "Vielleicht im Lügen einfach besser"

Hamburg - Stefan Sichermann, Chef der satirischen News-Webseite "Der Postillon" sorgte am vergangenen Donnerstag für Aufregung in der Medienbranche: Er hatte den Eindruck erweckt, die geplante Berufung des CDU-Politikers Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn habe sich "Der Postillon" bloß ausgedacht. Als Satire-Coup möchte Sichermann den Fall trotzdem nicht bezeichnet wissen. "Nein, ein Coup wäre diese ganze Geschichte nur, wenn Pofalla den Job nun doch nicht antreten würde, weil es der Kanzlerin zu peinlich wäre", so Sichermann im Interview mit dem SPIEGEL.

Sichermann hatte die Pofalla-Meldung wie die anderen Online-Medien am 2. Januar verbreitet, sie aber auf den 1. Januar vordatiert. Dadurch wirkte es so, als hätten alle vom "Postillon" abgeschrieben. Auf Facebook und Twitter entlud sich schnell Spott über die angeblich so blöden Medien, die auf den listigen "Postillon" hereingefallen seien.

Sichermann sagt dazu: "Ich finde es bezeichnend, wenn die sogenannten seriösen Medien für weniger glaubwürdig gehalten werden als der 'Postillon'. Vielleicht ist der 'Postillon' im Lügen einfach besser als diese im Verbreiten von Wahrheiten." Sichermann kritisiert: "Viele Zeitungen und Online-Seiten schreiben ungeprüft voneinander ab. Selbst Vorabmeldungen, die von ,Bild' rausgehauen werden, werden von den Nachrichtenagenturen einfach so weiterverbreitet." Man brauche sich nur den Auflauf von Journalisten vor dem Krankenhaus anzuschauen, in dem Michael Schumacher behandelt wird, um sich zu fragen, ob dies zum guten Ruf des Journalismus beitrage.

Klicks habe "Der Postillon" durch die Aktion "gar nicht so sehr" dazugewonnen. "Diese Pofalla-Nummer ist ja im Wesentlichen ein Medienphänomen. Am Donnerstag, als der Hype losging, waren es 214.000 Besucher. Das ist zwar ganz ordentlich, aber der Durchschnittswert liegt bei 80.000." Mit einer Satire auf den Orkan "Xaver" hingegen sei die Seite im Dezember 2013 auf eine halbe Million gekommen.

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