Polit-Künstler Klaus Staeck "Ich lasse mich nicht instrumentalisieren"

Klaus Staeck, Altmeister der Polit-Grafik und Erz-Sozialdemokrat, ist frisch ernannter Kultursenator von Sachsen-Anhalt. Pointe der Nominierung: Staeck berät dort eine CDU-FDP-Regierung. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem streitbaren Künstler über Ideologie, Sparzwänge und Bitterfeld.


 Grafiker Staeck: Politik machen mit Plakaten
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Grafiker Staeck: Politik machen mit Plakaten

SPIEGEL ONLINE:

Jahrzehntelang haben Sie sich als Künstler für die SPD engagiert. Jetzt beraten Sie als Kultursenator eine CDU-Regierung. Ein ideologischer Spagat?

Staeck: In der Kultur hat es immer eine große Koalition gegeben. Ich selbst habe oft Entscheidungen unterstützt, die in der Verantwortung von CDU-Regierungen lagen - mit Einschränkungen natürlich. Das habe ich auch ganz klar bei meiner Bestellung in Sachsen-Anhalt gesagt: Ich bin und bleibe überzeugter Sozialdemokrat, aber wenn es um die Kultur geht, sie zu fördern und vor allem Eingriffe abzuwehren, habe ich keine ideologischen Probleme.

SPIEGEL ONLINE: Bereits nach der ersten Sitzung des neuen Senats wurden Sie zitiert: "Für Streichentscheidungen stehe ich nicht zur Verfügung." Werden Sie nicht zum besseren Unternehmensberater in Spardebatten?

Staeck: Natürlich besteht immer die Gefahr, dass solche Gremien als Verantwortungs-Schiebebahnhof benutzt werden. In der Wirtschaft ist das Gang und Gäbe: Unternehmen engagieren Berater, die Entscheidungen stehen aber schon fest. Man sucht nur noch einen Buhmann, den man vorschicken kann. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich für Instrumentalisierungen - auch der eigenen Partei - nicht zur Verfügung stehe.

SPIEGEL ONLINE: Entscheidendes Kriterium für die Nominierung zum Kultursenator war eine Verbundenheit mit der kulturellen Landschaft Sachsen-Anhalts. Wie sieht die in Ihrem Falle aus?

Staeck: Die Psychologen sagen ja, die ersten Lebensjahre seien in entscheidender Weise prägend. Ich habe diese Zeit in Bitterfeld erlebt. So ist eine lebenslange Verbundenheit entstanden, die ich auch während der DDR-Zeit nie aufgegeben habe.

SPIEGEL ONLINE: Bitterfeld - nicht gerade eine Stadt, die man mit Kulturwerten assoziiert.

Staeck: Das stimmt: Früher kurbelten die Leute die Fenster hoch, wenn sie an der Stadt vorbeifuhren, die Umweltzerstörung dort war legendär. Doch das hat sich grundlegend geändert.

SPIEGEL ONLINE: Welche Aufgaben kommen auf Sie zu?

Staeck: Vor allem wird es darum gehen, für das Land zu werben. Sachsen-Anhalt ist eine massiv unterschätzte Kulturregion - nehmen Sie die Fülle an Kulturdenkmälern, das ist im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent. Außerdem hat das Land einen bestimmten Menschenschlag geprägt, der sich nicht heimattümelnd verschanzt, sondern Weltoffenheit übt. Und der Kulturverbundenheit tatsächlich praktiziert, anstatt sie wie eine Fahne vor sich herzutragen.

SPIEGEL ONLINE: Die zehn Amtsinhaber des neuen Kultursenats kommen aus unterschiedlichsten Sparten: vom Schauspieler über den Grafiker bis zum Geschichtsprofessor. Ist so eine Runde überhaupt arbeitsfähig?

Staeck: In jedem Fall, denn solche heterogen zusammen gesetzten Teams haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind per se keine Kungelrunden. Das gibt es ja ansonsten oft - sei es in Wirtschaft oder Politik: Ein Freund holt den nächsten und so weiter. Als Alibi nimmt man dann noch einen Externen dazu, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, und schon läuft alles nach Plan. Uns geht es letztlich darum, der Region so viel als möglich Förderung durch die Politik zu sichern.

Interview: Daniel Haas



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