Kultur

Renommierte Journalistin

Politikexpertin Sylke Tempel ist tot

Sie war Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik" und wurde in vielen Polit-Talkshows zu ihrer Einschätzung befragt: Die Journalistin Sylke Tempel ist im Alter von 54 Jahren gestorben.

picture alliance/ Karlheinz Schindler

Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik"

Freitag, 06.10.2017   13:28 Uhr

Sie war eine der wichtigsten deutschen Stimmen, wenn es um internationale Politik ging. Sie trat im "Presseclub" vom WDR auf, in der "Kulturzeit" von 3sat und in etlichen anderen Fernsehtalkshows auf. Hauptberuflich arbeitete Sylke Tempel für die Zeitschrift "Internationale Politik", die von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) herausgegeben wird. Wie eine Sprecherin der Zeitschrift auf Anfrage bestätigte, starb Sylke Tempel am Donnerstag in Berlin. Sie wurde 54 Jahre alt.

Die Journalistin war während des Sturms "Xavier" getötet worden, der am Donnerstag über Deutschland zog. Nach Angaben der Feuerwehr war sie aus ihrem Auto gestiegen, um ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. Dabei wurde sie von einem umstürzenden Baum getroffen. Beim dem Unfall wurde eine weitere Mitfahrerin nach Polizeiangaben schwer verletzt, eine weitere Insassin des Wagens leicht verletzt.

Tempel wurde 1963 in Bayreuth geboren, studierte Geschichte, Politische Wissenschaften und Judaistik. Nach ihrer Promotion wurde sie Nahostkorrespondentin der "Woche", später Redakteurin der "Jüdischen Allgemeinen". Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher, zumeist für den Rowohlt-Verlag, zuletzt erschienen "Israel. Reise durch ein altes, neues Land" (2008), "Die Tagesschau: Das große Deutschlandbuch" (2010) und "Freya von Moltke: Ein Leben. Ein Jahrhundert" (2011).

Außenminister Gabriel spricht Beileid aus

Arend Oetker, Präsident der DGAP, erklärte zum Tode von Sylke Tempel: "Die DGAP verliert mit Dr. Sylke Tempel eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Publizistik und der deutschen Außenpolitik. Sylke Tempel hat als Kommentatorin und Wissenschaftlerin die gesellschaftliche und politische Debatte immer wieder mit wichtigen Impulsen bereichert und kritisch begleitet. In den letzten Monaten hat sie die zukünftige Ausrichtung der DGAP klug und visionär mitgestaltet. Sie war eine warmherzige und humorvolle, offene und engagierte Wegbegleiterin, die wir sehr vermissen werden."

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte sein Beileid: "Wir trauern um eine gute Freundin und leidenschaftliche Außenpolitikerin. Ihr Tod ist ein schwerer Verlust für uns in Deutschland und weit darüber hinaus. Wer Dr. Sylke Tempels Weg, ihre Analysen und Diskussionsbeiträge, über die Jahre verfolgt hat, der konnte nicht anders, als ihren klugen und warmen Blick, ihre Fein- und Scharfsinnigkeit auf das Höchste zu schätzen."

Tempel und ihre beiden Mitfahrerinnen waren am Donnerstagnachmittag von einer Veranstaltung in der Villa Borsig in Berlin - einer Einrichtung des Auswärtigen Amtes - gekommen. An dem Termin hatte auch Außenminister Gabriel teilgenommen.

cbu/dpa

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